Boom bei Pflegeheimen?

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Wolfgang Linck (zweiter von rechts), Einrichtungsleiter des Pflegeheims in Groß-Umstadt und in Münster, stellte das neue Pflegeheim in Groß-Umstadt den Besuchern der Pflegekonferenz, darunter Tom Best von Bethesda Harreshausen (zweiter von links), vor. Hier zeigt er den Andachtsraum des Hauses.

Groß-Umstadt/Babenhausen - Wie geht es weg von einer Verwahranstalt hin zum Quartierhauskonzept? Wie entwickelt sich die Pflegeversicherung? Themen, die bei der vierten Pflegekonferenz im vierten neuen Haus des Gersprenz-Kleeblatts in Groß-Umstadt nun besprochen wurden. Von Ulrike Bernauer

Sozialdezernentin und Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück stellte die aktuelle Entwicklung bei den Pflegeheimen vor. „Bis einschließlich 2010 gab es im Landkreis 22 Heime mit insgesamt rund 1 400 Plätzen. Mittlerweile sind fünf neue eröffnet worden, vier davon in Bickenbach, Alsbach-Hähnlein und in Griesheim sowie eins in Babenhausen.“ Weitere vier seien im Bau oder geplant. Würden die alle realisiert, dann würde sich innerhalb weniger Jahre die Zahl der Heimplätze um 1 000 oder 70 Prozent erhöhen. Lück sprach deshalb von einem Pflegeheimboom, der auch eine Zunahme der Kosten bedeute.

Die Sozialdezernentin fragte auch nach den Konzeptionen und Angeboten in den einzelnen Einrichtungen. „Nach welchen fachlichen Gesichtspunkten sollte der ambulante/vorstationäre Bereich ausgebaut werden und welche Angebote fehlen? Im Landkreis geht es dabei vor allem um Tagespflege, Kurzzeitpflege und innovative Konzepte für Menschen mit Demenzerkrankung sowie auch Betreutes Wohnen oder Wohngemeinschaften.“

Groß-Umstadts Bürgermeister Joachim Ruppert sprach noch ein ganz anderes Problem an. „Wo bekommen wir in Zukunft Pflegekräfte, also qualifiziertes Personal her?“ Deshalb warb Ruppert für die Aufrechterhaltung der Krankenpflegeschule des Senio-Verbandes. „Es zieht keiner von Frankfurt hierher, um eine Stelle anzutreten. Deshalb ist es notwendig, hier in der Region Pflegekräfte auszubilden.“

Ulrich Rauch, Sachgebietsleiter für Senioren/Beratung und Pflege im Landkreis, stellte die Ergebnisse einer Veranstaltung „Gepflegt leben im Alter“ vor. Professor Dr. Stefan Sell hatte sich im Mai mit den sozialen und ökonomischen Folgen des demographischen Wandels und seinen Auswirkungen auf die Pflege beschäftigt. Er befürchtete die Entwicklung zu einer Zwei-Klassen-Pflege, die man verhindern müsse.

Die Entwicklung der Pflegeheime von einer Verwahranstalt über ein Krankenhauskonzept, das Wohnheim zum Hausgemeinschaftsmodell, – wie es in Schaafheim oder in Groß-Umstadt realisiert wurde – müsse zum Quartiershauskonzept weiter entwickelt werden. In dieser fünften Generation des Pflegeheims soll ein Leben in Privatheit möglich sein, aber auch die Gemeinschaft, die Öffentlichkeit mit einbezogen werden.

Klaus Michael Trippe von der Barmer GEK berichtete über die Neuausrichtung der Pflegeversicherung. So soll es künftig neben ambulanten Pflegediensten auch Betreuungsdienste geben, die nichtpflegerische Aufgaben, wie Hilfe bei Haushaltsarbeiten, Unterstützung bei Hobby und Spiel, aber auch Begleitung beim Spazierengehen beinhalten kann. Erhöhen würde sich auch das Pflegegeld, in der Pflegestufe I um 70 Euro auf 305 Euro, in der Pflegestufe II um 85 Euro auf dann 525 Euro. Neu eingeführt werde auch eine Pflegestufe 0 mit einem Pflegegeld von 120 Euro und Sachleistungen bis 225 Euro.

Über die neuen Sätze kann man sich im Pflegestützpunkt in Dieburg informieren, den Fatma Yilmaz vorstellte. Seit 2011 befindet er sich in Dieburg und die Beratungsleistungen seiner Mitarbeiter sind im ganzen Landkreis gut angenommen worden.

Als neues Projekt sollen Menschen mit Migrationshintergrund besser angesprochen werden, die nähmen vermutlich auch aufgrund der Sprachbarriere die Leistungen kaum in Anspruch. In einem Modellprojekt sollen in Babenhausen, Ober-Ramstadt und Pfungstadt zusammen mit dem Demenzservicezentrum aus Groß-Zimmern Möglichkeiten entwickelt werden, mit türkischen Migranten besser in Kontakt zu kommen.

Die Vorstellung der neuen ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten war ebenfalls ein Thema des Nachmittags. Hannelore Walz-Kirschbaum aus Reinheim ist für den im letzten Jahr ausgeschiedenen Richard Siegler aus Groß-Umstadt nachgerückt. Deshalb wurden auch die regionalen Zuständigkeiten im Ostkreis neu geordnet. Für die westlich gelegenen Gemeinden sind künftig Elisabeth Baltzer und Robert Middel zuständig.

Auf eigenen Wunsch wird Günter Christ, der bisher auch Roßdorf, Dieburg und Groß-Zimmern vertrat, für die östlichsten Gemeinden und damit Babenhausen, Eppertshausen, Groß-Umstadt, Münster, Otzberg und Schaafheim zuständig sein.

Hannelore Walz-Kirschbau, die sich bis jetzt in Reinheim hauptsächlich in Frauenfragen engagierte, übernimmt unter anderem die Gemeinden Dieburg, Groß-Zimmern, Reinheim und Roßdorf.

Quelle: op-online.de

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