Gutachter zu Gast im Magistrat

Brandschutzmängel: Auf der Suche nach kurzfristigen Lösungen

Babenhausen - Die Probleme sind seit Jahren bekannt – plötzlich ist die Aufregung groß.

Die Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen und das Bürgerhaus Hergershausen weisen insbesondere im Brandschutz so massive Mängel auf, dass für ihre Nutzer und die Betriebssicherheit eine konkrete Gefährdung bestehe, heißt es im Brandschutzkonzept aus dem Jahr 2008. Türen sind zu schmal, Brandmeldeanlagen mit Anschluss an die Meldezentrale fehlen, es gibt zu wenige Fluchtwege und mehr. Dass die Mängel an den beiden in die Jahre gekommenen Mehrzweckhallen eklatant sind, die Behebung jedoch stets aufgeschoben wurde, fiel nun im Zuge der Haushaltsberatungen auf. Viele Jahre hatte der ehemalige Eigenbetrieb der Stadt sogar Mittel zur Sanierung bereitgestellt – passiert ist nicht viel. Derart in die Schlagzeilen geraten, schob der Magistrat nun der Nutzung der Hallen einen Riegel vor – zumindest teilweise. Größere Veranstaltungen sollen hier nicht mehr stattfinden – für den Sport- und Übungsbetrieb der Vereine, Schulen und Kindergärten stehen die Hallentüren weiter offen.

Nun ist selbst manchem Stadtverordneten die Nutzung der Häuser zu heiß geworden. Zwei Politiker der Freien Wähler signalisierten Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm, die Sickenhöfer Immobilie nicht betreten zu wollen. Sahm wollte hier just am Montag, 20. Februar, zur Sitzung laden. „Drei Feuerwehrleute bewachten unsere Fastnachtssitzung, da war die Halle rappelvoll“, so der Sickenhöfer der bis zu 80 Menschen zur kommenden Parlamentssitzung erwartet. Hergershausens Ortsvorsteher Horst Grimm riet dringend zu mehr Augenmaß: „Ich bitte darum, den Ball flach zu halten. Unsere Halle in Hergershausen hat vier Ausgänge. Die Halle ist die gesamte Infrastruktur unseres Ortes, Schule, Blasorchester, Sportvereine, alle nutzen das Haus.“

Der Magistrat wurde inzwischen tätig. Gespräche mit den Stadt- und Kreisbrandinspektoren sowie der Feuerwehr hätten stattgefunden, sagte Bürgermeister Joachim Knoke, „wir haben die Brandschutzgutachten studiert, suchen nach kurzfristigen Lösungen und erwarten in der Magistratssitzung am Mittwoch den Gutachter.“ Die Hallen, so Knoke, „haben viele Jahre auf dem Buckel“, gleiches gilt für seinen Arbeitsplatz: Im Rathaus forderten Sachverständige seit Jahren eine brandschutztechnische Sanierung – die wird nun umgesetzt.

Wie werde ich Feuerwehrmann/frau?

Aufgeschoben, nicht aufgehoben, ist ein Antrag der CDU-Fraktion. Sie plädierte in der Sitzung des Hauptausschusses dafür, die Obere Bauaufsichtsbehörde einzuschalten, um die Bürgerhallen in beiden Stadtteilen prüfen zu lassen. „Wir brauchen dringend Klarheit für die Bürger“, sagte der CDU-Stadtverordnete Günther Eckert. Da weder Magistrat noch Untere Bauaufsichtsbehörde gegen die bereits 2008 beanstandeten Mängel etwas unternahmen, möchte die Union gleich die höhere „Instanz“ auf den Plan rufen. Bürgermeister Knoke sagte: „Das Problem liegt nicht in Darmstadt, sondern in Babenhausen, wo die Hallen in der Prioritätenliste immer nach hinter geschoben wurden.“ Die Union will nun den Besuch des Projekt-Planers Hans Pätzold beim Magistrat abwarten – das Unternehmen hatte 2008 das Brandschutzkonzept erstellt. Im Haushalt 2017 sind keine Mittel für die beiden Mehrzweckhallen eingeplant, mit zirka 1,3 Millionen Euro schlägt bereits die Sanierung des Rathauses zu Buche. (ula)

Quelle: op-online.de

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