Brennnessel ist der Star bei Wanderung

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Doris Fasterling zeigt den Teilnehmern der Kräuterwanderung die Brennnessel, ein äußerst vielseitiges Kraut.

Babenhausen ‐ Nur ganz langsam, fast so wie eine Schnecke, kommen sie voran, die Kräuterwanderer. Aber ihnen geht es ja auch so ähnlich wie dem langsamen Kriechtier, überall am Wegesrand stehen leckere Kräutlein, von denen genascht werden will.  Von Ulrike Bernauer

Bei den Kräutersammlern wandern allerdings die meisten Stängel und Blätter nicht gleich in den Magen, sondern erst mal ins Körbchen, mit dem sie alle bewaffnet sind. Zur Kräuterwanderung hatte der Wanderklub „Berg auf“ eingeladen. Fachlich begleitet wurde der Tross von Doris Fasterling, inzwischen fast ständig ausgebuchte Fachfrau im Landkreis für Wildkräuter. Die Hauswirtschaftsmeisterin hat nicht nur botanische Kenntnisse, sondern kann auch viel zu den Heilwirkungen der Kräuter erzählen.

Erstaunlich viele Brennnesseln haben die Babenhäuser gepflückt. Die sollen beim anschließenden Menü in gutem Öl frittiert werden. Bevor die Brennnessel allerdings auf dem Tisch landet, erzählt Fasterling Wissenswertes über dieses erstaunliche Kraut, vor dem alle erst mal respektvoll Abstand halten wegen seiner Brennwirkung. „Brennnesseln kann man gut anfassen“, erklärt Fasterling, „man muss sie nur von unten berühren, die Brennhaare sitzen oben.“ Ihrem Beispiel mag erst mal niemand folgen, auch wenn sie schon den Breitwegerich in der Hand hat, der, auf der verbrannten Stelle verrieben, das Brennen lindert.

Brennnesseln können wie Spinat gegessen werden, allerdings nur die oberen, zarten Blätter, sie besitzen viel Eisen und wirken entschlackend, sind also hervorragend geeignet für die Frühjahrskur. „Wenn man sie im Salat essen will, muss man sie vorher mit dem Nudelholz bearbeiten, weil die Brennhaare natürlich auch im Mund brennen“, erklärt Fasterling. Schnell essen muss man den Salat dann allerdings, nach einer halben Stunde regenerieren sich die Haare wieder und entfalten wieder ihre Brennwirkung.

Erstaunen erntet Fasterling, als sie davon berichtet, dass die Nüsschen (die Fruchtstände) anregend auf Männer wirken sollen, sozusagen ein pflanzliches Viagra.

Die Brennessel ist eine anerkannte Heilpflanze

Als Heilpflanze ist die Brennnessel anerkannt, sie wirkt antirheumatisch, blutbildend, blutreinigend, harntreibend und stoffwechselanregend. Eingelegt in Wasser ergibt sie eine Jauche, die einerseits Düngewirkung hat, aber auch zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden kann. Für einige Schmetterlinge ist sie lebensnotwendig, dazu gehören der Admiral, der Kleine Fuchs und das Tagpfauenauge.

Schwer fällt den Wanderern die Trennung von der Brennnessel, aber es gibt noch andere Kräuter am Wegesrand, dazu zählte das Labkraut, die Taubnessel, die Vogelmiere, das Hirtentäschel und etliches mehr. Zum Holunder (kein Kraut, sondern ein Strauch) hatte Fasterling einiges zu erzählen, als Blütensirup fanden die Teilnehmer ihn später im Wanderheim auf dem Tisch. Den Giersch, von Gartenfreunden, als „Unkraut“ gefürchtet, hatten die Wanderer gesammelt, er wanderte in den Quark.

Die Initiatorin der Kräuterwanderung, Northild Jeske, hatte für das abschließende Menü schon einige Speisen vorbereitet. „Die Teilnehmer sollen nicht nur theoretische Kenntnisse erwerben, wir wollen auch zeigen, wie lecker Wildkräuter schmecken können“. Nach einem Rahmkartoffelsüppchen gibt es Kräuterquark, Frischkäseaufstrich mit Sauerampfer, Gänseblümchenbutter und Schafgarbebutter. Die gesammelten Brennnesselblätter werden frittiert und avancieren wegen ihres feinen Geschmacks zum Star dieses Menüs.

Quelle: op-online.de

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