Heinz Schumacher vorgestellt

Wenn er unkt, tauchen Frösche ab

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Mit seiner Hessen-Fahne posierte Bürgermeister-Kandidat Heinz Schumacher aus Verehrung für die Hessische Gemeindeordnung in seinem Garten.

Babenhausen - Es gibt auch für Bürgermeisterkandidaten ein Leben außerhalb der Politik: Wir stellen unseren Lesern die Bewerber um den Chefsessel im Rathaus einmal in ihrem privaten Umfeld - so sie es auch wünschen - vor; heute Heinz Schumacher. Von Jens Dörr 

„In meinem Garten sitzen acht bis neun Frösche. Wenn ich komme, machen die einen Köpper“, sagt Heinz Schumacher. Für die Amphibien im Grunde schade - wenn der 60-Jährige unkt, gibt es kein Blabla von der Stange. Am 28. September will der gebürtige Schlierbacher neuer Bürgermeister Babenhausens werden. „Ich kann einen Menschen auf zehn Schritte komplett durchschauen“, merkt Schumacher an, als er sich mit dem Autor dieser Zeilen gerade warm geredet hat. Schließlich sei er „in einer Gaststätte aufgewachsen. Jeder Wirt kann das.“ In welche Schublade er seinen Gegenüber auf die Schnelle gesteckt hat, verrät der Bilanzbuchhalter zwar nicht, bekennt mit Blick auf sich selbst aber ohne Umschweife: „Ich leiste mir schon das ganze Leben lang eine dicke Lippe.“

Zumindest das sprichwörtliche Blatt vor dem Mund spielt im Gespräch mit dem Initiator der „Bürger für Babenhausen“ - für die seine Frau Ingrid das derzeit einzige Mandat im Stadtparlament wahrnimmt - keine Rolle. „Die Bürgermeister-Kandidatur ist der Abschluss meines politischen Lebens“, sagt Schumacher. Aufgedrängt habe er sich nicht. Innerhalb der Wählergemeinschaft habe allerdings niemand sonst sein Interesse bekundet. „Ich bin nicht die Galionsfigur, die aufgestellt wird. Ich habe mich selbst aufgestellt.“ Ein Dutzend Babenhäuser gaben ihm auf einer Versammlung im Juli einstimmig den Auftrag, um das höchste Amt der Stadt zu kämpfen.

Offiziell ist es also erst seit wenigen Wochen, dass Schumacher seinen Hut gegen Rüdiger Manowski (CDU), Achim Knoke (SPD) und Bernd Buchinger (parteilos) in den Ring wirft. „Doch keine Angst“, verspricht er: „Die Kandidatur ist sauber vorbereitet.“ Schließlich nehme er sie ernst, sei angespornt, stehe im Erfolgsfall trotz seiner 60 Lenze sogar für bis zu zwei Perioden zur Verfügung. „Ich bin ein Technokrat - das ist meine Prägung“, betont er immer wieder. „Ich überprüfe alles auf Meinung und Fakten.“ Er sei in der Lage, richtig und falsch auch abseits von Sympathie und Antipathie zu erkennen und anzuerkennen. Unter anderem das zeichne ihn aus.

Bürgermeisterkandidaten im Video vorgestellt

Daneben sei er ein Aktenfresser, beschäftige sich intensiv mit der jeweiligen Materie. Was er in der Babenhäuser Kommunalpolitik manchmal vermisse: „Bei den Stadtverordneten habe ich schnell gemerkt, wie viel Dünnpfiff geredet wird“, provoziert er. Schumacher geht gar so weit, in der Arbeit des einen oder anderen Abgeordneten reinen Zeitvertreib zu sehen: „Der eine sammelt Briefmarken, der andere angelt - und einige machen Politik.“ Fatal erinnere ihn das an junge Jahre, als ihn - vor der Verwaltungsreform - der damalige Schlierbacher Bürgermeister endgültig dazu brachte, sich intensiv mit dem politischen Geschehen zu befassen. „Ich hätte damals gar nicht zur Bundeswehr eingezogen werden dürfen - mein Bruder war schon vor mir dort gewesen, mein Vater schwerbehindert“, erzählt er. Das habe er selbst erst Jahre später erfahren, als der Dienst längst abgeleistet war. „Der Bürgermeister kannte die Gesetze nicht. In Schlierbach haben sie damals mehr Männer eingezogen als in Schaafheim.“

Ein Schlüsselerlebnis

Die Unwissenheit des Rathaus-Chefs sei ein Schlüsselerlebnis gewesen. „Davon unabhängig wurdest du als Jugendlicher damals sowieso nicht gehört. Du konntest nur rebellieren.“ Die politische Nachwuchsgruppe, die er in Schlierbach gegründet hatte, wurde alsbald von den Jusos geschluckt. Schumacher war bald darauf raus: „Dort habe ich erstmals die politischen Seilschaften kennengelernt.“ Die müsste ein Bürgermeister Heinz Schumacher Jahrzehnte später womöglich aufs Neue ertragen, obgleich sie ihm zuwider seien. „Mein Ziel ist die Stichwahl“, denkt er allerdings Schritt für Schritt - und vorher kämen auch noch Wahlkampf-Ereignisse am 9. September im „Schwartzen Löwen“ (Vortrag Jürgen Spahl, Bürgermeister einer seit Jahren schuldenfreien Gemeinde), am 16. September bei einer Podiumsdiskussion der Kandidaten in der Stadthalle sowie am 17. September in der Schumann-Schule.

Was er im Chefsessel des Rathauses als Erstes machen würde, weiß Schumacher trotzdem schon, hat sich seine politischen Prioritäten bereits zurechtgelegt (separater Artikel mit den inhaltlichen Schwerpunkten aller Kandidaten folgt). Nicht auszuschließen, dass der 60-Jährige auch ohne ein einziges Plakat mit seinem Konterfei nach dem 28. September die Chance hat, stärker zu gestalten denn zu kritisieren. Wenn es nicht klappt, muss sich das Mitglied des TV Babenhausen, des Keller’schen Männergesangvereins in Dieburg und des Babenhäuser Volkschor-Sängerbunds bei städtischen Ärgernissen weiterhin beim Singen abreagieren: „Das entspannt ungemein. Wenn Sie da mit Wut und Zorn reingehen und eine halbe Stunde singen, sehen Sie die Welt wieder mit anderen Augen.“ Und die Frösche können auch langsam wieder auftauchen.

Quelle: op-online.de

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