Bullterrier-Treffen

„Das sind keine aggressiven Bestien“

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Treue Blicke überwogen bei den meisten Tiere – die besagten Bestien waren nicht auszumachen.

Babenhausen - Hessische Freunde von Bullterriern trafen sich in Babenhausen. Sie hatten ein Ziel: Aufklärung. Von Michael Just

„Mamas Liebling“, „Steuerzahler“ oder „Ich kann Karate“ steht auf dem Geschirr, das manche Hunde an ihren nicht so großen, aber kompakten Körpern tragen. Die vierbeinigen Gäste erregen in der Schaafheimer Straße Aufsehen: Auf dem Gelände des Vereins für Deutsche Schäferhunde treffen sich die Besitzer von Bullterriern.

Als Kampfhunde werden die Tiere oft bezeichnet, was deren Herrchen und Frauchen ungern hören. Genau deshalb hat Organisatorin Heike Krammig von den Hessischen Bullterrier-Freunden das Treffen organisiert. Unter der Motto „Erst kennenlernen, dann urteilen“ will sie zeigen, dass „das tolle und ruhige Vierbeiner sind, die auch in Familien passen“, wie sie sagt. „Sie entsprechen ganz und gar nicht den Vorstellungen in vielen Köpfen, dass sie aggressive und blutrünstige Bestien sind“, erläutert die 49-jährige Frührentnerin. Nahezu alles hänge vom Halter ab. Gekommen war die Hanauerin mit Shaina, einer sechsmonatigen Miniatur-Hündin.

Das von Krammig ins Leben gerufene Treffen war das erste seiner Art: „Die hessischen Bullterrier-Freunde kommen fast jedes Wochenende bei irgendeinem Tierheimfest zusammen. Wir wollten aber noch jährlich ein Großtreffen in Hessen, bei dem auch Fans aus anderen Bundesländern oder dem Ausland kommen können“, klärt die Tierfreundin auf. Eine Frau reiste aus der Schweiz an. Insgesamt kamen rund 200 Besucher mit 120 Hunden. Dass das Treffen in Babenhausen stattfand lag daran, dass Krammig Mitglied im hiesigen Schäferhundeverein ist. Die Hanauerin schätzt das Areal in direkter Nachbarschaft zum Ausführen ihrer Tiere und dass man Bullterriern im Verein nicht mit Vorurteilen begegnet.

Bilder vom Bullterrier-Treffen in Babenhausen

Treffen hessischer Bullterrier-Freunde

Der Tag an der Schaafheimer Straße bot den Teilnehmern Gelegenheit zum Austausch. Auf einem kleinen Agility-Parcours konnten die Hunde Gehorsam und körperliche Ertüchtigung beweisen. Werbung in eigener Sache machte auch Soka-Run: Der Verein aus Offenbach wirbt in Städten dafür, dass die Rasselisten in den Rathäusern durch Hundeführerschein und Halterkunde für jeden Besitzer ersetzt werden. Jene Listen sorgen unter anderem dafür, dass Liebhaber von bestimmten Bullterrierrassen in einigen Kommunen 500 bis 600 Euro Hundesteuer berappen müssen.

Evi Hollenbach mit ihrem Schoko - den einäugigen Pitbull holte die Babenhäuserin aus Mitleid aus dem Tierheim. Ihr Mann ist Hundeführer mit einem Schäferhund im lokalen Verein für Deutsche Schäferhunde.

Für seine zwei Bullterrier Gismo und Banou bezahlt Boris Kremer im bayerischen Kahl 1 200 Euro im Jahr. Er hofft auf den erfolgreichen Ausgang einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, die sich – gegen die aus seiner Sicht – deutsche Behördenwillkür bei der allgemeinen Festlegung und Erhöhung der Hundesteuer wendet. Für den Mittvierziger, der im Rettungsdienst arbeitet, ist es nicht immer einfach, zwei Bullterrier zu besitzen. „Einige Leute springen lieber auf die Straße vor ein Auto, als mit einem Bullterrier auf dem gleichen Trottoir zu laufen“, sagt er. Manchmal werde er sogar beschimpft. „Damit die Sache höflich bleibt, ist es fast immer besser, alles zu ignorieren“, so Kremer.

Zu hören waren die Hunde am Sonntag jedenfalls kaum. Das große Gebell, wie man es von anderen Hundeplätzen kennt, blieb weitgehend aus. Auch wurden die oft mit Kampfhundebesitzern verbundenen Klischees in Babenhausen nicht erfüllt: Zwar blitzte mal ein größeres Goldkettchen in der Sonne und hier und da ließen sich reichlich tätowierte Unterarme ausmachen. Zum Gros der Besucher hätte durchaus aber auch ein Dackel oder Pudel optisch an die Leine gepasst.

Das trifft auch auf die Babenhäuserin Evi Hollenbach zu. Ihren Pittbull Schoko, der nur ein Auge hat, hat sie aus Mitleid – und völlig unabhängig von der Rasse – aus dem lokalen Tierheim geholt. „Ich habe keine Killerbestie“, sagt sie, „Hunde werden höchstens dazu gemacht.“ Mit dem Sechsjährigen hat die Bürokauffrau die Begleithundeprüfung absolviert, dazu setzt sie ihn erfolgreich in einer Man-Trailing-Gruppe ein, die nach vermissten Personen sucht. Jetzt will sie eine Ausbildung mit Schoko zum Rettungshund machen. „Das sind Arbeitshunde. Die können und machen das begeistert“, erklärt die 53-Jährige. Ob sie danach in einer Rettungshundestaffel unterkommt, weiß sie nicht. „Viele Staffeln lehnen diese Hunde ab. Mit Bullterriern wird man schnell diskriminiert und kriminalisiert“, bedauert Hollenbach. Für sie dagegen ist Hund gleich Hund.

Quelle: op-online.de

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