Bummelgass´: Autos rein oder raus?

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Geht es nach dem Wunsch der Gewerbetreibenden, sollte Zielverkehr in der Bummelgass´ erlaubt ein.

Babenhausen - Die Häuser sind schön, es gibt einiges an Begrünung, Sitzbänke laden zum Verweilen ein, die Parkplätze in der Peripherie sind kostenlos, der Marktplatz hat Potenzial, um zu einer Kommunikationsstätte werden zu können – positive Einschätzungen zur Bummelgass´. Von Stefan Scharkopf

Demgegenüber: Es wird zu schnell gefahren, es fehlt an Lebendigkeit, es herrscht Leerstand, der auch nach Leerstand aussieht, es gibt keine Schilder, die auf die - leider zu wenigen - Geschäfte hinweisen. Bei einer Bürgerversammlung stellten die Vertreter der Stadt die Frage, ob die Bummelgass´ wieder zur Bummelgass´ werden soll und sammelten zuvor positive und negative Eindrucke zur innerstädtischen Einkaufsmeile. Diese sollen dann in den Fraktionen beraten werden.

„Die Bummelgass´ ist leider noch keine reine Fußgängerzone“

Früher mal als Fußgängerzone deklariert, ließ man während der Altstadtsanierung den Verkehr rollen. Während der Arbeiten waren die Gewerbetreibenden in der Flaniermeile besonderen Beschränkungen ausgesetzt, weil potenzielle Kunden nicht kamen. Also hatte die Stadt entschieden, Autos zuzulassen. An diesem Zustand hat sich nichts geändert. Es gibt aber Rathauspolitiker, die sich für die Rückkehr zur alten Lösung aussprechen. Zum Verdruss der meisten Gewerbetreibenden. „Die Bummelgass´ ist leider noch keine reine Fußgängerzone. Daher macht es auch keinen Sinn, die Autos zu verbannen“. „Wenn es mal blühende Landschaften gibt und unzählige Menschen die Fahrstraße entlang gehen, kann die Stadt ja eine neue Regelung aufstellen“ – Zitate von Kaufleuten bei der Bürgerversammlung.

In der Tat: Sylvia Kloetzel von der Wirtschaftsförderung der Stadt hatte zur Einstimmung auf den Abend einige Fotos auf die Leinwand projiziert: aufgenommen unglücklicherweise an einem Samstagnachmittag gegen 16.30 Uhr – gähnende Leere.

Während etwa Ortsvorsteher Adolf Breer den Verkehr raus haben will, plädieren die Geschäftsleute für eine differenzierte Vorgehensweise. Motto: „So wenig Verkehr wie nötig, so viel bummeln wie möglich.“

Problem: Bummelgass wird als willkommene Abkürzung genutzt

Bei der Diskussion trat deutlich zutage, dass es weniger die Leute sind, die schnell mal aus dem Auto springen, um etwas zu erledigen, sondern diejenigen, die besonders zu Feierabendzeiten die Bummelgass´ als willkommene Abkürzungsstrecke nehmen, die Schrittgeschwindigkeit nicht einhalten und oft genug – aus Unwissenheit oder absichtlich – entgegen der Einbahnstraße fahren.

Wie Ordnungsamtsleiter Heiko Duda sagte, könne der ungewollte Verkehr nicht wie gewünscht überwacht werden, weil das Personal dazu fehle. Die beiden Ordnungshüter, die dafür in Frage kommen, hätten auch noch andere Aufgaben: Sie müssten sich beispielsweise um illegal abgelagerten Müll kümmern oder auch in den Stadtteilen Präsenz zeigen. Radarkontrollen seien wegen des Straßenverlaufs nicht möglich. Messungen per Laserpistole dagegen schon, aber dafür bräuchte man die Unterstützung durch die Polizei.

Debattiert wurde auch darüber, wie die Innenstadt attraktiver gestaltet werden kann. Die Betreiber müssten mehr Freiheit haben, Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, so Heinrich Grimm vom städtischen Bauamt, die Geschäfte besser in Szene zu setzen. Das Lichtkonzept sehe das vor, die technischen Voraussetzungen dafür seien bereits gegeben. Jetzt müsse das Konzept nur noch vorangetrieben werden.

Die Anregungen aus der Bürgerversammlung werden die Fraktionen jetzt beraten, bevor die Stadtverordnetenversammlung eine Entscheidung fällt, ob die Bummelgass´ autofrei werden soll oder nicht.

Quelle: op-online.de

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