„Campus Babenhausen“ als Wunsch

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Kreis-Schuldezernent Christel Fleischmann, Architekt Thomas Eßmann, Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück, der stellvertretende Schulleiter Uwe Schimsheimer und Bürgermeisterin Gabi Coutandin legten den Grundstein für den Neubau.

Babenhausen - Es ist das mit Abstand größte Einzelvorhaben im ohnehin ehrgeizigen Schulbau- und Sanierungsprogramm des Landkreises: Knapp 25 Millionen Euro gibt der Schulträger für den Neubau der Joachim-Schumann-Schule aus. Von Stefan Scharkopf

Als einen „denkwürdigen Tag“ bezeichnete Schuldezernent Christel Fleischmann gestern die Grundsteinlegung.

Herbeigesehnt habe man den Tag, so Fleischmann, seit etwa 2009. Zunächst war lediglich vorgesehen, dass die Offene Schule energetisch saniert wird. Als sich ein Architektenbüro aber an die Arbeit machte, wurde klar, dass es damit nicht getan ist. Schadstoffe, die in den Siebzigerjahren verbaut wurden, und die Tatsache, dass die Schule sprichwörtlich auf Sand gebaut wurde, Decken und Stützen langsam in Schieflage gerieten, änderten die Pläne. Die Entkernung bis auf das Betonskelett und die Sanierung lohnten sich nicht. Jetzt, so Fleischmann, entstehe ein Neubau mit Passivhausstandard, gegründet auf fünf Meter tiefen Pfählen.

Der Altbau hat eine Bruttogrundfläche von etwa 15 500 Quadratmetern. Die neue Schule fällt durch die kompakte Bauweise mit 11 600 Quadrametern (ohne Mensa) kleiner aus.

Auf der Baustelle sind bereits Fortschritte zu sehen.

Die Architektur muss mit dem pädagogischen Profil der Schule einhergehen. Merkmal ist der bleibende Verbund der Jahrgänge von Schulanfang in der 5. Klasse bis Schulende in der 9. bzw. 10. Klasse. Das bedeutet, dass die Schüler ihre Klassenräume in dieser Zeit behalten. Den einzelnen Jahrgangsbereichen sind kleine Lehrerzimmer, die Teamräume, zugeordnet. Während des Unterrichts können die Klassenraumtüren geöffnet sein. Die Schüler sollen auf den Differenzierungsflächen Gruppenarbeit leisten und werden über die geöffneten Klassenraumtüren beaufsichtigt. „Dadurch entsteht ein familiärer Charakter der Klassenverbände. Diese bilden einen stärkeren Zusammenhalt mit vermehrter sozialer Kontrolle untereinander“, sagte der stellvertretende Schulleiter Uwe Schimsheimer.

Schule und Mensa getrennt

Gebaut wird auf dem Grundstück neben der Altbaufläche. So ist es möglich, einen Neubau zu errichten, gleichzeitig den Altbau im Wesentlichen stehen zu lassen und weiter zu nutzen. In den alten Räumen kann das pädagogische Konzept bis zum Umzug ohne Unterbrechung beibehalten werden.

Im Neubau wird die Mensa von der Schule getrennt. Dadurch werde ihre Funktion als zentrale Mittagsversorgung für die Joachim-Schumann-Schule, die Flanaganschule und die Bachgauschule gestärkt, wie Fleischmann sagte.

Wie es in den Planungsunterlagen heißt, wird die Schule über einen Hof im Norden mit Anschluss an die künftige Mensa erschlossen. Zwei Pergolen führen von der Bürgermeister-Willand-Straße zum Schulneubau und binden damit die Schule an die Straße an.

Das wesentliche Entwurfs-prinzip ist die Planung von Jahrgangsbereichen mit familiärem Charakter. Sie sind als zweigeschossige Maisonette-ähnliche Bauten mit einer mittleren Halle konzipiert, um die sich die Klassenräume anordnen und die alle direkt jeweils über zwei Treppenhäuser erschlossen werden. Es muss also kein Schüler durch einen anderen Jahrgangsbereich laufen, um seinen eigenen Bereich und damit auch seine Klasse zu erreichen. Jedem Jahrgangsbereich ist eine eigene WC-Anlage mit Putzraum zugeordnet. Kritisiert wird von einigen Eltern und Lehrern allerdings, dass es in den Klassenräumen keine Waschbecken mehr geben wird.

Keine Rückkehr zur integrierten Gesamtschule

Der Neubau von Schule und Mensa werde sich auch positiv auf die Stadt auswirken, so Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Sie hofft, dass mit der Grundsteinlegung der Startschuss gefallen ist für „eine Schullandschaft, auf die Babenhausen und der Landkreis stolz sein können“. Coutandin wünscht sich einen „Campus Babenhausen“ mit einer Mensa für alle Schüler, gymnasialer Oberstufe am Platz und einer Leichtathletikanlage. Letztere wird auch innerhalb des Sportentwicklungsplans, den die Stadt derzeit ausarbeitet, mit in die Diskussion kommen.

Der kommissarische Schulleiter Uwe Schimsheimer stellte in seiner Rede die einzelnen Entwicklungsstufen der Joachim-Schumann-Schule vor und ließ auch den tiefen Einschnitt nicht unerwähnt, als die Schule in eine Kooperative Gesamtschule mit G8-Zweig umgewandelt wurde. Bei aller Freude über den Neubau herrscht Bedauern darüber, dass das Kultusministerium die Rückkehr zur Integrierten Gesamtschule mit G8/G9 nicht mitmachen will.

Vertreter von Verwaltung, Schulleitung, Kollegium, Kommunalpolitikern und bauausführenden Firmen ließen es sich nach der Grundsteinlegung schmecken. Bewirtet wurden sie durch die Jugendlichen von „Schüler kochen für Schüler“, ein Projekt, das im Umkreis seinesgleichen sucht.

Quelle: op-online.de

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