Chormusik erfordert hohe Präzision

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Die Hessische Kantorei trug in der Stadtkirche Musikalische Exequien von Heinrich Schütz vor.

Babenhausen (ves) ‐ Ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art bekamen die Besucher der Stadtkirche zu Gehör. Die Hessische Kantorei unter der Leitung von Christa Reich trug Musikalische Exequien von Heinrich Schütz und Motetten von Kurt Hessenberg und Eberhard Wenzel vor.

Das Violoncello spielte Erich Grabner, den Basso continuo auf der Orgel Dorothea Weber. Schütz komponierte seine Exequien 1635 bis 1636 anlässlich des Todes seines Landesherren Heinrich Posthumus Reuß. Der Fürst hatte noch zu seinen Lebzeiten eine Sammlung von Bibelversen und Liedtexten zusammengestellt, mit denen sein Sarg beschriftet werden sollte. Dieselbe Textsammlung übergab Heinrichs Witwe nach dessen 1635 an Schütz, der sie zur Grundlage des ersten Teils der Exequien, also der Begräbnis-Messe, nahm. So erklangen in dieser Form die Musikalischen Exequien erstmals bei der Trauerfeier für Heinrich Posthumus, die wegen seiner Verehrung für den Propheten Simeon aus dem Neuen Testament an dessen Begräbnistag stattfand.

Nach der Predigt schloss Schütz als zweiten Teil der Exequien die Vertonung eben dieses Textes als Motette an. Zur Bestattung des Sarges in der Familiengruft erklang die abschließende fünfstimmige Motette „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“. Die Musikalischen Exequien erschienen 1636 als Schütz' Opus 7 in Dresden im Druck.

Chormitglieder aus ganz Hessen

Die Hessische Kantorei wurde 1948 an Pfingsten von Kantor Philipp Reich gegründet. Die Mitglieder des übergemeindlichen Chores kommen aus den gesamten Bereichen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, als auch aus anderen Landesteilen. Der Chor hat es sich zur Aufgabe gemacht, für und mit den Gemeinden zu singen. Darum treffen sich die Mitglieder in der Regel nur einmal monatlich in der jeweiligen Gemeinde, in der der nächste Auftritt ansteht, um hier geistliche Orgelmusik zu gestalten. Die Noten für das nächste Konzert erhalten die Mitglieder bereits am Abend der aktuellen Veranstaltung und lernen diese bis zum nächsten Auftritt in eigener Regie. Die Hessische Kantorei tritt vor allem in Hessen auf, hat aber auch Konzertreisen ins Ausland übernommen.

Die 50 Sänger boten den Besuchern der Stadtkirche einen kirchenmusikalischen Glanzpunkt. Ständig wechselten in den Teilen der Exequien die Besetzungen und die Stimmen, die jeweils miteinander kombiniert werden. Diese Musik erforderte eine hohe Präzision der Sänger. Ein besonderer Höhepunkt stellte die Darbietung der „Abgeleibten Seelen“ dar. Diese „Seelen der Verstorbenen“ sangen von der Empore dem Chor entgegen.

Quelle: op-online.de

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