Clajo Herrmann in Offener Schule

Wenn das Navi südhessisch babbelt

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Der Förderverein Impuls holte Clajo Herrmann nach 2013 zum zweiten Mal an die OSB. Der Kabarettist kam mit seinem Programm „Männer schweigen wortlos“.

Babenhausen - Clajo Herrmann kommt mit seinem Solo-Programm „Männer schweigen wortlos“ in das Foyer der Offenen Schule. Von Michael Just 

Ist die Ehe oder Beziehung in einer Krise, nur weil der Mann seit zehn Jahren nichts mehr von sich gegeben hat? Laut Clajo Herrmann eindeutig nein: „Wenn Männer mal was gesagt haben, dann müsssen sie sich nicht ständig wiederholen.“ Das gelte in ganz besonderer Weise für das berühmte „Ich liebe dich“. „Sofern sich an diesem Zustand grundsätzlich nichts ändert, braucht es auch keine neue Ansage“, ist sich Herrmann sicher. Das Navi im Auto sei schließlich genauso angelegt: Hier habe die Ankündigung für eine Abfahrt so lange Bestand, bis diese kommt.

Apropos Navi: Laut Herrmann verfüge er bereits über eines dieser neuen Geräte, die in südhessischer Sprache babbeln. Sie sprächen die Autofahrer etwas direkter „(Gib acht du Simpel, da vorne kommt die Ausfahrt“) an. Unkonzentriertheiten, wie eine verpasste Abfahrt, zögen stets ein Donnerwetter nach sich: „Du Depp, wegen dir muss ich wieder rechnen. Als hätte ich nichts anderes zu tun.“

Die Hälfte des Pfarrerkabaretts

Am Mittwochabend war Kabarettist Clajo Herrmann mit seinem Programm „Männer schweigen wortlos“ in der Offenen Schule zu Gast. Rund 150 Personen wollten im Foyer die eine Hälfte des Ersten Babenhäuser Pfarrerkabaretts mit seinem Soloprogramm sehen. Eingeladen hatte Impuls und damit der Schulförderverein der OSB. „Wir wollen jährlich eine Kulturveranstaltung etablieren. Im letzten Jahr haben wir mit Clajo Herrmann angefangen“, berichtet Lehrer und Impuls-Mitglied Jan Willand. „Der Auftritt kam sehr gut an. Das schrie für 2014 nach einer Wiederholung“, ergänzt er. Für 15 Euro konnte man dabei sein - und das in völlig ungewohnter Atmosphäre: Denn im Foyer warteten keine aufgestellten Stuhlreihen sondern die im Boden eingelassenen Sitzquader, die dem Abend einen ungezwungen Reiz gaben.

Die Organisatoren hatten mit der Verpflichtung von Herrmann auf dessen Heimvorteil gesetzt, der gleich doppelt vorlag: So stellt der 59-Jährige nicht nur die eine Hälfte des Babenhäuser Pfarrerkabaretts dar, sondern wirkte vor seiner Bühnenkarriere als Religionslehrer an der OSB. In seinem 100-minütigen Auftritt regte Herrmann in äußerst kurzen Abständen zum Lachen an. Seine Pointen erwiesen sich bekanntermaßen als Selbstzünder, die bedacht und sprachlich anspruchsvoll aufgebaut waren. Der Wahl-Aschaffenburger widmete sich keinesfalls nur dem Titel seines Programms, sondern schnitt eine riesige Bandbreite an Themen an: Jeweils Stichworte genügten, um vom physikalischen „Gottesteilchen“ zu Kolumbus, Importgemüse oder den vielfach unterschätzten Menschenaffen zu wechseln. Ein Laptop und ein Handy auf der improvisierten Bühne schufen weiteren Spielraum, um die Errungenschaften der Neuzeit - sowie die damit einhergehenden menschlichen Gebahren - zu persiflieren.

Am meisten malträtierte Herrmann das Zwerchfell seiner Fans immer dann, wenn er geschlechtsspezifische Weisheiten in petto hatte, bzw. die Unterschiede von Mann und Frau thematisierte. „Ich bin heute Abend auch angetreten, um Grundmissverständnisse zu vertiefen“, sagte er dazu. Dazu passte die Frage, inwieweit Soldatinnen überhaupt in der Lage sind, sich ohne Text anzuschleichen und ob Frauen durch das viele Reden - und den damit verbundenen CO2-Ausstoß - die Ozonschicht kaputtmachen.

Dem stellte der Kabarettist eine oft schweigsame Männerwelt gegenüber, die meist nur auf dem Gerüst laut werde, wenn der Lehrling das Bier holen soll.

Für Herrmann haben wortlose Männer viele Vorteile: Ohne sie gebe es den Angelsport nicht, dazu könne man diverse Aufgaben sehr leicht erfüllen, wie etwa die des Protokollers im Schweigeseminar des Klosters Schmerlenbach.

Quelle: op-online.de

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