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Clapton und der FC Bayern

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Wolfgang Sauer erklärt den Haushalt.

Babenhausen ‐ Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben, doch Wolfgang Sauer sieht seinen neuen Job als Herausforderung: Seit 60 Tagen ist der 54-Jährige Leiter des Fachbereichs Finanzen bei der Stadt. Von Niels Britsch

Der studierte Betriebswissenschaftler hat 25 Jahre bei einem international agierenden Unternehmen im Bereich Buchhaltung und Controlling gearbeitet.Die meiste Zeit war er dort im Bereich Rechnungswesen in leitenden Funktionen tätig und hatte zwischen 15 und 150 Mitarbeiter unter seinem Kommando. „Als Neu-Einsteiger in den Bereich kommunale Finanzen kann ich frischen Wind hereinbringen und mit einer unverstellten Sichtweise an die Sache herangehen.“

Die ersten zwei Monate hat er sich erst einmal einen Überblick verschafft, Fakten gesammelt und die Grundsätze der hessischen Gemeindeordnung auswendig gelernt.

Trotz der defizitären Haushaltslage hat er die Entscheidung bisher nicht bereut. Er hat sich hohe Ziele gesteckt: „Ich möchte solide Vorschläge zur Haushaltsplanung machen, was natürlich mit einer Konsolidierung einhergeht. Das wird die nächsten Jahre eine Daueraufgabe sein.“ Dabei beurteilt er die Lage durchaus optimistisch: „Wenn man die Dinge richtig anpackt, hat Babenhausen die Zukunft noch vor sich.“

„Es geht nicht um radikales Sanieren.“

Zwar stehe die Stadt mit 4,1 Millionen Euro im Minus, „das sagt aber aus kaufmännischer Sicht nicht viel aus, da es keine Neuverschuldung gibt und wir trotz hoher Investitionen stetig die Schulden abbauen.“ Sauer hat sich auch schon Gedanken gemacht, wie die Stadt weiter sparen kann: „Es geht nicht um radikales Sanieren.“

Die bei privaten Unternehmen beliebten Maßnahmen wie Einsparungen beim Personal durch Entlassungen seien nicht geplant, beruhigt er. „Und das ist auch gut so. Aber natürlich gibt es Sachen, die auf den Prüfstand müssen.“ Anhand des Beispiels Wasserturm verweist er dabei auf die große Anzahl städtischer Gebäude, „die enorme Kosten verursachen.“

Bei Privatisierungen kommunaler Kernaufgaben sei er zwar skeptisch, eine Ausnahme mache er aus diesem Grund bei den Gemeinde-Immobilien.

Dienstherrin von Wolfgang Sauer ist zwar Bürgermeisterin Gabi Coutandin, seine Vorschläge müssen jedoch von der schwarz-grünen Stadtverordnetenmehrheit abgesegnet werden – darin sieht er jedoch kein Problem: „Diese Situation wird mir die Aufgabe nicht erschweren.“

Er glaube, dass die Vernunft jenseits aller politischen Lager obsiegt. Dennoch äußert der verheiratete Familienvater in Richtung der Verantwortlichen eine Bitte: „Von der Politik wünsche mir die Kraft und den Willen zu mutigen und gegebenenfalls auch unpopulären Entscheidungen.“

Elektro-Gitarren und Eric Clapton

Im Hinblick auf die roten Zahlen der Eigenbetriebe nennt er als solche Maßnahme beispielsweise eine Steuer- und Abgabenerhöhung, wobei Babenhausen als Standort attraktiv bleiben müsse. So sei die Ausweisung von Gewerbegebieten wichtig. „Infolgedessen scheint mir die Verdoppelung der Gewerbesteuer mittelfristig nicht unmöglich zu sein“, so die Hoffnung Sauers.

In seiner Freizeit sammelt der Anhänger der Musik von Eric Clapton alte Elektro-Gitarren, hin und wieder spielt er sie auch. Zu seinen Hobbys gehört auch eine Leidenschaft, die in diesen Breitengraden oftmals als Laster angesehen wird: Der Fußball-Anhänger ist Bayern-Fan. Achtung also im Rathaus: Falls der Finanzfachmann in den kommenden Tagen mit einer überschwänglich guten Laune anzutreffen ist, hat dies weniger mit dem Haushalt zu tun, sondern der FC Bayern hat mal wieder einen Titel geholt.

Quelle: op-online.de

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