Sie hatten sogar einen Sarg dabei

Continental-Mitarbeiter aus Babenhausen demonstrieren in Hannover

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Mehrere hundert Menschen demonstrieren in Hannover für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bei Continental.

Bei den lautstarken Protesten hatten die Continental-Mitarbeiter auch einen Sarg dabei. Sie zitierten den Vorstandsvorsitzenden herbei.

Babenhausen/Hannover - Beim Autozulieferer Continental hängt der Haussegen schief, seitdem das Management einen Konzernumbau samt Stellenstreichungen verkündet hat. Etliche Mitarbeiter stellen sich quer - am Rande der Aufsichtsratssitzung der AG in Hannover demonstrierten am Mittwoch nach einem Aufruf der IG Metall fast 1000 Menschen für den Erhalt Ihrer Standorte in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.

Lautstark forderten die Demonstranten eine Strategie und ein Zukunftskonzept bei Continental ein. Redner von allen Standorten fordern den Vorstand auf, sein Konzept zu erklären. Dazu protestierten die Demonstranten mit Tröten, Rasseln und Trillerpfeifen.

200 Babenhäuser Continental-Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau

Babenhausen: Viele Continental-Arbeitsplätze gehen in Oppenweiler verloren

Zwischen Dutzenden Transparenten war auch ein stilisierter Sarg zu sehen, der den Verlust von 340 Arbeitsplätzen im fernen Oppenweiler in Baden-Württemberg betrauert. "Rest in Peace" ("Ruhe in Frieden") haben die Kollegen aus dem bei Stuttgart gelegenen Städtchen auf eine schwarze Holzplatte geschrieben. Für die Leitungstechnik, die sie daheim in Baden-Württemberg produzieren, sieht das Management von Continental keine Zukunft mehr.

Im hessischen Babenhausen gibt Continental bis Ende 2025 schrittweise die analogen Anzeige- und Bedienelemente für Autos auf – der Standort als solcher immerhin soll erhalten werden. Auch vor dem dortigen Werkstor kam es schon zu großen Demonstrationen.

Mit stürmischem Missfallen wurde bei der Demonstration in Hannover der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart herbeizitiert, um ihm die Forderungen der Beschäftigten zu übergeben. Es ließ sich jedoch nur der Pressesprecher der Continental AG, Felix Gress, blicken. 

Babenhausen: Continental-Chef Degenhardt will sich Diskussion stellen

Gress ließ sich nicht auf eine verbindliche Diskussion ein, sagte jedoch zu, dass Degenhardt sich einem Dialog über die Konzernstratgie mit den Beschäftigten vor Ort stellen werde. „Wir begrüßen es, dass sich Herr Degenhardt einer Diskussion mit seinen Beschäftigten stellen will. Wir werden dieser haltlosen Strategie entgegentreten“, sagt Jochen Homburg, 1. Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Darmstadt der IG Metall.

IG Metall und IG BCE sind überzeugt, dass auch Managementfehler eine Ursache für die Entwicklung des Unternehmens und für den Stellenabbau sind. Der Conti-Aufsichtsrat solle daher zu einer externen Überprüfung Stellung nehmen, fordert Christiane Benner, Vizechefin der IG Metall und des Conti-Aufsichtsrats. Bis Ende Januar sollen die Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Tobias Möllers mit dpa

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