Corona-Krise

Bäcker will nicht für die Tonne produzieren

Brot und Brötchen aus Babenhausen.
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Brot und Brötchen aus Babenhausen.

Bäcker wie Heinz Lautenschläger verzeichnen in der Coronavirus-Krise einen deutlichen Umsatzrückgang und werben für das Grundnahrungsmittel aus lokaler Produktion.

Babenhausen – Seit 46 Jahren steht Heinz Lautenschläger in der Backstube, aber „dass er so etwas noch erlebt“, hätte er nicht für möglich gehalten. Etwa 35 Prozent weniger Umsatz habe er am vergangenen Samstag in den Filialen verzeichnet, berichtet der 63-jährige Bäckermeister. Der Verlust wiegt umso schwerer, da die Samstage traditionell zu den umsatzstärksten in der Woche zählen. Und auch gestern Vormittag zeichnete sich ab, dass deutlich weniger Backwaren über die Ladentheken gehen werden. „Wir werden die Produktion runterfahren müssen. Schließlich wollen wir nicht für die Tonne produzieren“, sagt Lautenschläger.

Deshalb ist es ihm ein echtes Anliegen, darauf hinzuweisen, dass neben den Lebensmittelmärkten auch die Bäckereien nach wie vor geöffnet haben und regionale Erzeugnisse anbieten. „Als ehemaliger Obermeister spreche ich da sicherlich für alle Bäcker hier im Umkreis“, sagt Lautenschläger: „Wir haben das Angebot wie immer.“ Er will auch deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, da zum Beispiel beim bloßen Vorbeifahren an der Filiale an der Platanenallee der Eindruck entstehen könnte, dass geschlossen ist. Normalerweise stünden dort Tische und Stühle auch draußen. Nun eben nicht mehr.

Bäckermeister Heinz Lautenschläger.

So oder so werde die Coronavirus-Krise sein Geschäft treffen. Denn neben den beiden Babenhäuser Filialen und denen in Ober-Roden und Münster sowie dem Beliefern etwa des Altheimer Lädchens und Mickas Laden in Langstadt, beliefert Lautenschläger normalerweise auch fünf Hotels und zwei Schulen. Sowohl die Bildungseinrichtungen als auch die Beherbergungsbetriebe haben allerdings bekanntlich geschlossen. Außerdem gehören Stihl in Dieburg und Continental in Babenhausen zur Kundschaft. Komme es dort nun zu Kurzarbeit, fallen weitere Aufträge vorerst weg.

Letztendlich werde sich der fehlende Umsatz auch auf seine Beschäftigten auswirken. Nicht nur in einer verringerten Backwaren-Produktion, sondern auch an den Verkaufstheken. Lautenschläger musste bereits reagieren und hat anstatt zwei nur noch jeweils eine Verkäuferin pro Schicht eingeteilt.

Keine einfache Zeit für Lautenschläger und seine Handwerkskollegen in der Region. Einen Schatten wirft die Krise auch auf eine rosige Zukunftsperspektive. „Ich möchte demnächst an die nächste Generation übergeben: meine Tochter und ihren Mann“, freut sich Lautenschläger darüber, dass er in der Familie Nachfolger gefunden hat.

VON NORMAN KÖRTGE

An der Bachgauschule in Babenhausen wurde eine Schülerin positiv auf das Corona-Virus getestet. Jetzt wird begonnen, alle Mitschüler und Lehrer zu testen.

Quelle: op-online.de

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