Cowboys kennen keine Hektik

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Kerstin Hillerich vom Akazienhof ging als einer der Lokalmatadoren ins Rennen. Im „Reining“ wurde sie Zweite, beim „Trail“ Vierte.

Babenhausen - Amerika und seine Cowboys, die große Viehherden zusammen treiben, sind geografisch weit weg und trotzdem wurde dieses Szenario am Ostersamstag auf dem Akazienhof lebendig: Bei den „Akazienhof Open“ der Westernreiter gab es Aufgaben zu erfüllen, die den Cowboy-Alltag bestimmen. Von Michael Just

Dazu gehörten beim „Trail“ ein Gatter aufzumachen, Hindernisse zu umgehen oder das Pferd über eine Brücke zu dirigieren. Alles Dinge, die im Sattel doppelt schwer sind und die nicht wenige Vierbeiner scheuen. Rasant wird‘s stets beim „Reining“, das ausschließlich im Galopp geritten wird. Dessen bekanntestes Manöver ist der „Sliding Stop“, wenn das Pferd so bremst, dass es mit den Hinterbeinen rutscht. Bei den ganz großen Turnieren und Prüfungen in Deutschland darf in der Rubrik „Working Cowhorse“ auch mal ein junges Rind gelenkt werden.

Das gibt es in Babenhausen, wo am Samstag rund 60 Pferde an den Start gingen, noch nicht. „Wir hatten die Jahre zuvor auch schon 85 Teilnehmer“, erzählt Uwe Bader, Leiter des sportlichen Bereichs, der gewisse Absagen aufgrund des Wetters verkraften musste. Der größte Tribut an Kälte und Nieselregen war, dass die Veranstaltung in der Halle stattfand. Auch wenn Teilnehmer aus München und Bamberg kamen, so blieb die Veranstaltung, die als Einsteiger-Turnier gilt, doch überschaubar.

„Stressfreier als im gewohnten Reitsport zugeht“

Beim Westernreiten wird der Alltag der Cowboys zur Turnieraufgabe.

Wie Bader meint, ist Hektik hier ohnehin ein Fremdwort: „Ich habe immer das Gefühl, dass es bei uns stressfreier als im gewohnten Reitsport zugeht.“ Dazu mag auch die lockere Country-Musik beitragen, die während der Prüfungen stets leise im Hintergrund läuft. Der Cowboyhut stellt übrigens kein „Show-Element“ dar: Wie das langärmelige Hemd ist er vorgeschrieben. Allen Westernreitern ist gemein, dass sie keine „Maskerade“ veranstalten, sondern primär gut ausgebildete Pferde präsentieren wollen. Mit den „Quarter-Horses“ gibt es dafür sogar eine eigene Rasse, die durch ihr ruhiges, nervenstarkes und lernfähiges Wesen überzeugt. „Man kann aber auch alle anderen Rassen verwenden“, weiß Bader.

„Wir mussten in jedem Urlaub einen Reiterhof finden“

Die 29-jährige Kerstin Hillerich hat mit dem fünfjährigen „Roques Gay Bar Sugar“ ein solches Quarter-Horse, das im Akazienhof untersteht. Mit einer handvoll meist weiblicher Kolleginnen gehörte sie deshalb zu den Lokalmatadoren des Turniers. Im Reining wurde sie Zweite, beim Trail Vierte. Schon mit drei Jahren saß sie zum ersten Mal auf dem Pferd. „Wir mussten in jedem Urlaub einen Reiterhof finden“, erzählt Mutter Rosi Bergmann. Eine Reitbeteiligung führte später zum Westernreiten. „Sugar“ hat Hillerich vor drei Jahren bekommen. Bisher wurde fleißig gelernt: „So eine Ausbildung macht Spaß, vor allem wenn man die Fortschritte sieht“, sagt die Hausfrau und Mutter. Zwischen sechs und zehn Turniere reitet sie pro Jahr. Der bisher größte Erfolg war der Gewinn der Turnierreihe des „Rhein-Main-Circuit“. Was ihr beim Westernreiten mit am meisten imponiert sind die ruhigen, fast „coolen“ Pferde. Und nicht zu vergessen die Reitweise, bei der die Zügel ganz locker hängen und das Pferd überwiegend mit dem Körpergewicht und den Beinen dirigiert wird. Eben so, wie es die Cowboys auch machen.

Quelle: op-online.de

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