Alleinstehende Frauen

Im Damenkränzchen ist keine allein

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Hergershausens Damenkränzchen trifft sich seit nunmehr 20 Jahren wöchentlich zum Austausch. Helga Billing (vorn sitzend die Zweite von links) gründete die Institution.

Hergershausen - Seit 20 Jahren besteht das „Hergershäuser Damenkränzchen“, in dem sich alleinstehende Frauen zusammenfinden, um gemeinsam und nicht einsam zu sein. Von Petra Grimm 

Gegründet wurde die wichtige Institution von Helga Billing, die bei jedem der wöchentlichen Treffen einen festen Stamm von 20 Frauen begrüßt.
Einsamkeit im Alter ist ein großes gesellschaftliches Problem und ein Gesundheitsrisiko, wie inzwischen ausreichend erforscht ist. Als soziales Wesen braucht der Mensch den Austausch mit anderen, der im Alter oft durch Gebrechen und fehlende Mobilität erschwert wird. Damit muss man sich aber nicht abfinden, wie die fröhliche Damentruppe in Hergershausen unter Beweis stellt.

Jeden Dienstag versammeln sich in der Alten Schule rund 20 Frauen, um gemeinsam Karten zu spielen und sich bei einer Tasse Kaffee auszutauschen. Einmal im Monat gehen sie zusammen Essen, sie haben ein Theaterabonnement in der Kulturhalle Rödermark und besuchen viele Veranstaltungen in Hergershausen, wie Konzerte und Vereinsfeste, gemeinsam. „Dann macht es einfach mehr Spaß“, sind sich die Frauen einig, die seit 20 Jahren eine Gemeinschaft bilden, die offensichtlich nicht an Attraktivität verliert.

Der Startschuss fiel am 30. Januar 1998. Da traf sich das „Hergershäuser Damenkränzchen“ zum ersten Mal in der Bürgerhaus-Gaststätte. Helga Billing, die damals seit einem halben Jahr verwitwet war, hatte die Initiative ergriffen und schrieb 52 alleinstehende Frauen in Hergershausen an. In ihrem Brief schlug sie vor, sich einmal im Monat zu gemeinsamen Aktivitäten zu treffen. „19 Frauen waren bei diesem ersten Treffen dabei“, erzählt die inzwischen 82-Jährige. Bei dieser Anzahl hat es sich bis heute ungefähr eingependelt, auch wenn sich die Gruppenzusammensetzung über die Jahre, bedingt durch Todesfälle und neue Mitglieder, natürlich verändert hat. Einige Frauen sind bereits von Anfang an dabei. Und nicht alle sind hier, weil sie sich sonst langweilen. Die 76-jährige Elke Nelhübel beispielsweise, eine Frau der ersten Stunde, hat ein immer noch ereignisreiches Leben: „Ich gehe noch zweimal die Woche arbeiten, bin in der Rheumaliga und gehe zur Wassergymnastik.“ Trotzdem kommt sie jeden Dienstag zum Damenkränzchen. „Ich fühlte mich hier von Anfang an wohl“, erzählt die Hergershäuserin.

Es sind auch Frauen aus anderen Orten, beispielsweise Klein-Umstadt, Münster, Harpertshausen, Dieburg oder auch, wie Ottilie Schilling, aus Klein-Welzheim dabei. Die 77-Jährige besucht die Gruppe seit 2001. „Damals habe ich noch in Hergershausen gewohnt. Seit 2010 lebe ich bei meinem neuen Lebensgefährten in Klein-Welzheim, aber die Treffen sind mir immer noch so wichtig. Die langjährige Vertrautheit, die mich hier mit den Frauen verbindet, würde mir fehlen.“ Bis aus Klein-Umstadt kommt Elisabeth Putz seit 16 Jahren angereist. „Ich habe damals in der Zeitung darüber gelesen“, sagt die 77-Jährige, die sich gerne an die gemeinsamen Urlaube mit der Gruppe und die Weihnachtsmarktbesuche erinnert. Das Damenkränzchen bringe Abwechslung in ihren Alltag. So geht es auch Inge Zang (82), früher leidenschaftliche Jägerin und Anglerin. Sie erzählt von ihrem ereignisreichen Leben an der Seite ihres Mannes, das nach dessen Tod ruhiger geworden sei. Sie lobt die emotionale Unterstützung und den Zusammenhalt, den sie beim Damenkränzchen findet: „Die anderen merken, wenn es einem nicht so gut geht. Hier wird keiner im Stich gelassen.“

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Ein Anstoß, zur Gruppe zu kommen, war für viele der Tod des Mannes. Diese Erfahrung verbindet die Frauen, die sich auch an Silvester zusammentun, um gemeinsam zu feiern. Das sei so ein klassischer Tag, an dem man als Ältere oft alleine ist.

„Als wir noch jünger waren, sind wir regelmäßig zusammen in zweiwöchige Urlaube gefahren. Wir waren in Italien, aber auch auf den Kanaren und Mallorca. Kürzere Reisen innerhalb Deutschlands haben wir auch gemacht“, erzählt Billing, die diese Unternehmungen immer organisiert hat.

Alleinstehende Frauen sind eingeladen, einmal vorbeizuschauen. Die Damen treffen sich jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr bei Herigar in der Alten Schule in Hergershausen, Rodgaustraße 18.

Quelle: op-online.de

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