Damit aus der Feier kein Besäufnis wird

+
Jugendkoordinator des Polizeipräsidiums Südhessen Uwe Walzel (blaues Hemd) erläutert, was es für Folgen haben kann, wenn Jugendliche an Alkohol kommen – sowohl für den Trinkenden als auch für den Ausschenkenden.

Babenhausen - Die eine oder andere eigene Erfahrung hat Jugendpfleger Michael Spiehl dazu bewegt, etwas dagegen zu unternehmen, dass sich Jugendliche auf öffentlichen Veranstaltungen maßlos betrinken können. „Ich habe als Mitglied des Handballvereins bei den Altstadtfesten beobachten können, was da abgeht“, berichtet Spiehl. Von Ellen Jöckel

Sachbeschädigung, Scherben, besoffene Jugendliche, und keiner fühlt sich zuständig.“ Sein Appell sollte sich an diejenigen richten, die bei solchen Festen an den Tresen stehen – also an die Vereinsmitglieder. In Zusammenarbeit mit dem Jugendkoordinator des Polizeipräsidiums Südhessen Uwe Walzel samt Kollegin Kerstin Neumann hatte der Babenhäuser Jugendpfleger im Rahmen einer Sitzung des Gremiums Babenhäuser Vereine am Mittwochabend zu einem Infotreffen zum Thema „Alkohol und Jugendliche“ eingeladen.

Bereits in seiner Einführung nannte Michael Spiehl schockierende Zahlen: Mehr als 23 000 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren seien im Jahr 2007 wegen den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums ins Krankenhaus eingeliefert worden – Tendenz steigend. Jeder fünfte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren gebe sich exzessiven Trinkgelagen hin. Beim Faschingsumzug 2008 in Seligenstadt habe es, führte Spiehl aus, 100 Notfälle und ein 13-jähriges Mädchen mit einer Alkoholvergiftung gegeben.

Mehr Infos im Netz

Im Internet bietet die Polizei zahlreiche Informationen an - auf der Seite der Initiative ist auch eine Checkliste für Veranstalter zu finden und die Kampagnenmotive stehen als kostenlose Downloads bereit. Hier geht´s zur Seite der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Zu Beginn seines Vortrags führte Polizei-Jugendkoordinator Uwe Walzel den Vertretern von 22 Vereinen aus Babenhausen sowie Bürgermeisterin Gabriele Coutandin und Gisela Preißler von der Stadtverwaltung einen Spot vor, in dem zunächst ausgelassen feiernde Jugendliche in einer Diskothek zu sehen waren. Diese Bilder wurden dann augenblicklich durchbrochen von schockierenden Aufnahmen eines bewusstlos am Boden liegenden jungen Mann mit eingenässter Jeans. Der Internet-Clip ist Teil einer deutschlandweiten Initiative der Polizei gegen Komasaufen mit dem Namen „STAY GOLD“ und dem Slogan: „Don’t drink too much – stay gold“ (Trink nicht zu viel – bleib sauber). Passend dazu teilte Walzel Bierdeckel bedruckt mit den Kampagnen-Motiven aus, die alternative Welten zeigen; ein Beispiel: Die eine Seite zeigt das stark geschwollene und verletzte Gesicht eines Jugendlichen und etliche Striche als Symbol des konsumierten Alkohols. Die andere Seite hingegen zeigt fröhliche, Schwarz-Rot-Gold-geschminkte Gesichter mit nur zwei Strichen auf dem Bierdeckel-Rand.

Dieses Mittel könne dazu dienen, erläutert Walzel, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Er konfrontierte die Anwesenden mit konkreten Situationen – zum Beispiel dem von zwei Vereinsmitgliedern bei einem Fest, die vor der Entscheidung stehen, einem 15- und einem 16-Jährigen Alkohol auszuschenken. Dabei sollten die Vereinsvorsitzenden beurteilen, wer richtig und wer falsch handelt. Im Anschluss verdeutlichte der Polizist, mit welchen Geldstrafen zwischen 400 und 2 000 Euro oder gar einer Freiheitsstrafe bei einer Zuwiderhandlung zu rechnen sei. „Das deutsche Jugendschutzgesetz ist in seiner Form einmalig in der Welt. Die Gesetze sind präzise ausformuliert und umfassend“, betonte Walzel.

Dennoch: „Wir haben Probleme im Vollzug. Da sind wir als Polizei natürlich mitverantwortlich“, räumte er ein. Bewährt habe es sich, bereits im Vorfeld eines Festes in Gesprächen zwischen Polizei, Ordnungsamt und Vereinen zu überlegen, wie die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden können. Walzel appellierte eindringlich an die 29 Teilnehmer, andere Vereinsmitglieder für das Thema zu sensibilisieren und Grenzen zu setzen. „Wenn ein Kunde sich nicht ausweisen kann, sagen sie bitte ‚nein’“, rät er. Denn verantwortlich sei immer derjenige, der den Alkohol an verkauft und nicht der Vereinsvorsitzende, erklärt der Kriminalhauptkommissar. „Wenn diese Herangehensweise bei allen Babenhäuser Vereinen auf dem Altstadtfest Standard ist, dann hat das die Jugend schnell verstanden.“

Dass das Thema für Zündstoff sorgt war in der Runde in den Räumen des Tennisclubs zu spüren. Deutlich herauszuhören war die Sorge der Veranstalter, bei großen Menschenaufläufen wie dem Altstadtfest, die Kontrolle behalten zu können. Dabei wünschten sich die Vereinsvertreter mehr Rückendeckung durch die Polizei. „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz“, gibt Walzel zu. „Da, wo es geht, sollten Sie aber ein Signal gegen exzessiven Alkoholkonsum von Jugendlichen setzen.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare