Exkursion zu den Przewalskis

Dann tauchen Pferde doch noch auf

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Der Nabu Langstadt unternahm nun mit den Kollegen aus Schaafheim eine Exkursion zu den „Rödern“.

Babenhausen - Erst eine Enttäuschung, dann eine Überraschung – beides gehörte zur Exkursion zu den Babenhäuser Wildpferden, die der Nabu Langstadt nun gemeinsam mit den Kollegen des Nabu Schaafheim unternahm. Von Michael Just 

Mit den Rädern fuhren beide Gruppen in ihrem Ort los, um sich dann an einer Wegkreuzung Richtung Babenhausen zu treffen. Am Ausgangspunkt in Langstadt fanden nur drei Personen zusammen, was wohl der Hitze geschuldet war. Dem kleinen Häufchen Pferde-Interessierter überbrachte die Mutter des Langstädter Nabu-Vorsitzenden Dirk Alexander Diehl keine gute Nachricht: „Mein Sohn ist krank und kann heute leider nicht kommen“, sagte sie.

Das war schade, denn mit den beiden Diplom-Biologen Dirk Alexander Diehl und seiner Schaafheimer Kollegin Yvonne Lücke hätte gleich doppeltes Fachwissen auf die Gruppe gewartet. David Larem (39) kam extra aus Eppertshausen mit dem Rad nach Langstadt, nachdem er in der Zeitung von dem Termin gelesen hatte. „Ich will die Pferde mal sehen. Ich hätte den Weg auch alleine gefunden, aber in der Gruppe macht es mehr Spaß“, sagte der Laborant.

Die Schaafheimer Abordnung führte dazu, dass die Gruppenzahl höher kletterte. Am Zaun wuchs die Spannung bei den Teilnehmern, schließlich gehören die Przewalskis zu einem Artenschutz- und Auswilderungsprojekt von internationalem Rang. „Ich war schon zweimal hier. Einmal sah ich die Pferde nicht, das zweite mal nur einen Schweif, der aus einem Busch ragte“, erzählte Yvonne Lücke. Ihr Vater hatte da schon mehr Glück: Er beobachtete die Tiere bereits recht nah, was er mit der Handykamera und durchwachsenen Fotos festhalten konnte. Bei einer anderen Gelegenheit hatte er eine gute Kamera am Mann. Das honorierten die Vierbeiner nicht: Sie blieben auf großer Distanz. Und diesmal? Nach dem Eintreffen war zunächst Ernüchterung angesagt. Der Blick vom Ausguck-Hügel rückte keine der fünf Stuten ins Blickfeld. Auch das Fernglas brachte nichts, fast endlos erschien das viele Hektar große Areal mit seinen unzähligen Büschen und Bäumen. „Oft stehen die Pferde in einem natürlichen Unterstand in Richtung Flugplatz. Der lässt sich von hier aber nicht einblicken“, sagte ein anderer Besucher, der regelmäßig kommt.

Die Zeit, bis sich die Tiere vielleicht doch noch zeigen, nutzte Yvonne Lücke für eine Reihe von Informationen über das FFH-Schutzgebiet und die Wildpferde. So machte die EU für ihren Mitgliedsstaaten 1992 einst klare Vorgaben, dass diese unter dem Namen Natura 2000 ein zusammenhängendes Netz europäischer Schutzgebiete ausweisen. In Hessen tat man das mit 595 FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitate) und 60 Vogelschutzgebieten. Mit dabei: Babenhausen und seine trockenen Sandheideflächen hinter der Kaserne. Um dieses Refugium zu erhalten, das viele seltene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet, darunter Heidelerche und Neuntöter, sind seit ein paar Wochen die Wildpferde als Landschaftsgärtner im Einsatz. Mit ihrem Abbiss sollen sie aufkommenden Bewuchs zurückhalten.

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Laut Lücke hätten die Przewalskis nicht das sanfte Gemüt, das man vom Hauspferd kennt. „Ein Störenfried im Gehege, wie etwa ein Hund, wird in der Regel eingekesselt und dann totgetrampelt“, sagte sie. Das sei ein typisches Verhalten von Wildpferden, was für die Auswilderung und das Leben in freier Wildbahn wichtig sei.

Auch nach einer halben Stunde auf dem Hügel blieben die Vierbeiner für die Nabu-Gruppe immer noch unsichtbar. Für David Larem, den Eppertshäuser Gast, wurde die Zeit knapp: Er beschloss, auf eigene Faust den mehrere Kilometer langen Zaun ein paar 100 Meter nahe der Schaafheimer Straße abzufahren. Nach zehn Minuten dann die Überraschung: Auf einer Lichtung im Wald standen die ockerfarbenen Pferdchen mit der Stehmähne, dem Aalstrich und der Mehlschnauze. Relativ dicht beisammen, verharrten sie beinahe regungslos. Nur der Schweif bewegte sich. Rund 40 Meter betrug die Entfernung. Die Blicke der Tiere wirkten scheu, aber auch ein wenig neugierig. Der Fluchtinstinkt setzte nicht ein, da die Tiere aus dem Zoo Menschen gewöhnt sind. David Larem machte mit dem Handy ein Foto. Kurz darauf fuhr er zum Haupteingang zurück, wo er auf die Nabu-Gruppe traf. Er gab ihr den entscheidenden Hinweis, wo die Pferde stehen. Die Naturfreunde trafen die Przewalskis an besagter Stelle an und Yvonne Lücke machte ein Foto, das diesmal mehr als nur den Schweif zeigte.

Rundgang durch Babenhäuser Kaserne

Quelle: op-online.de

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