Am Standort weiter investieren

Kreistag billigt Kostensteigerung für Kreisklinik

+
Der Bau hat inzwischen begonnen: Mit großer Mehrheit billigte der Kreistag Darmstadt-Dieburg jetzt die Mehrkosten für das neue Bettenhaus an der Kreisklinik in Umstadt. Foto: sr

Der Neubau des Bettenhauses an der Kreisklinik in Groß-Umstadt darf statt der noch vor zwei Jahren anvisierten 80 Millionen Euro jetzt 97,5 Millionen Euro kosten – mit Hubschrauberlandeplattform sogar über 100 Millionen.

Darmstadt-Dieburg –  Dazu hat der Kreistag jetzt mit großer Mehrheit Ja gesagt – aber erst, nachdem Sprecher aller Fraktionen die Sache noch einmal kommentiert hatten. Änderungsanträge der Linken sowie der Fraktionsgruppe aus Freien Wählern und Piraten blieben Marginalien.

Für Marianne Streicher-Eickhoff waren diese Änderungsanträge gar „der verzweifelte Versuch, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen“ – eine Formulierung, die etwas Bitterkeit in eine ansonsten ziemlich sachlich geführte Aussprache goss. Eines war den Änderungsanträgen aber dennoch gemeinsam: Sie zielten auf eine Grundsatzdebatte über den Klinikstandort, wie sie bereits 2010 – in der Anfangsphase der Sanierungs- und Ausbauplanung – von der CDU eröffnet worden ist. Daran erinnerte jetzt deren bau- und gesundheitspolitische Sprecher Heiko Handschuh – um gleich Entwarnung zu geben: Eine Neuauflage sei nicht die Intention seiner Fraktion, die dem neu kalkulierten Kostenrahmen für den vorhandenen Standort zustimmen werde.

Als „alternativlos“ hatte Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) diesen Weg schon im Vorfeld mit einer sprachlichen Wendung merkelscher Dimension bezeichnet. Mit dem Bau des Zentrums für seelische Gesundheit, des Hauses der Gesundheit durch einen privaten Investor und die Planung eines neuen Bettenhauses mit einem Landeszuschuss von 40 Millionen Euro ist aus seiner Sicht die Grundsatzfrage des Standorts schon längst beantwortet.

Kritisch gegenüber Standort 

Nicht so für Karl-Heinz Prochaska von den Freien Wählern. Der ging kritisch mit dem Standort und der Baustelle ins Gericht, die für Patienten, Personal und viele Anlieger eine erhebliche Belastung sei. Sie beeinträchtige das Neubaugebiet Auf dem Steinborn, und der Standort sei verkehrstechnisch schon immer ungünstig gewesen, da jeder Rettungswagen mindestens einen Bahnübergang passieren müsse. Ähnlich argumentierte Werner Bischof von der Linken, der deshalb einen sofortigen Baustopp beantragte. Für Prochaska war das auch kostenmäßig zu vertreten, denn die bisher getätigten Investitionen in den Bettenhaus-Neubau beliefen sich auf nicht mehr als sieben Millionen Euro, die man mit den einfacheren Voraussetzungen an einem neuen Standort nahe der B45 locker wieder einsparen könne.

Für die große Mehrheit der Kreistags-Parlamentarier ist der Standort aber eben alternativlos. Sprecher der Ampel-Koalition beschäftigten sich da lieber mit den Hintergründen der Kostensteigerung, die einhergehen mit einer Verschiebung des Fertigstellungstermins um 18 Monate bis in 2023. Der Landrat habe im Vorfeld nachvollziehbar dargelegt, dass es keine Kosten treibenden Umplanungen gegeben habe, die Mehrkosten ausschließlich aus den konjunktur-bedingten Kostensteigerungen des Baugewerbes resultierten (wir berichteten). Allerdings plane man eine Einrichtung der öffentlichen Gesundheits-Fürsorge für die nächsten 40, 50 Jahre, und deshalb plane, man sehr sorgfältig, so FDP-Sprecher Horst Schulze.

Hubschrauberlandeplatz spielt Nebenrolle

Handschuh rechnete die 18 Monate in Geld um und kam allein dafür auf einen Kostensteigerungsbetrag von neun Millionen Euro. Eine Nebenrolle spielte der Hubschrauberlandeplatz, der mit gut vier Millionen Euro veranschlagt wird, nach Meinung der allermeisten Sprecher aber sinnvoll auf dem Dach des neuen Bettenhauses positioniert ist.

Nach einer Gesamtrechnung der investiven Projekte des Landkreises, mit der Handschuh für die nächsten 10 bis 15 Jahr auf rund eine Milliarde Euro kam, und einem Beitrag des Babenhäuser Bürgermeisters Joachim Knoke (SPD) zur Informationsweitergabe der Kreisverwaltung an die Presse und die Kreistags-Mitglieder sowie schließlich nach dem so eindeutigen Beschluss, nutzte die Klinik-Betriebsleiterin Pelin Meyer die Gelegenheit, der Presse gegenüber ihre Dankbarkeit für diesen Beschluss auszudrücken. Am Ende werde das neue Bettenhaus einer der Grundpfeiler einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung sein.  

sr

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare