„Leerstand prägt Erscheinungsbild“

Babenhausen - Wie entwickelt sich der Einzelhandel in einer älter werdenden Gesellschaft? Hält der Trend zur Ansiedelung von großen Fachmärkten an den Ortsrändern weiterhin an?

Umfassend setzt sich der dritte Band der Reihe „Darmstadt-Dieburg Statistik konkret“ mit der Entwicklung des Einzelhandels in allen 23 Städten und Gemeinden in Darmstadt-Dieburg auseinander. Landrat Klaus Peter Schellhaas hat das Zahlenwerk, erarbeitet von seiner Abteilung Strategische Planung, Kreisentwicklung, jetzt vorgestellt. „Der Strukturwandel im Einzelhandel hat auch die Entwicklung des Einzelhandels im Landkreis geprägt. Da bereits 2007 eine erste Bestandsanalyse vorgenommen wurde, können wir nun die konkreten Veränderungen vor Ort betrachten“, so der Landrat. Betrachtet wurde eine Momentaufnahme der Einzelhandelslandschaft, wie sie sich 2012 darstellte.

Der 200 Seiten umfassende Statistik-Band macht deutlich: Die Entwicklung des Einzelhandels im Kreis entwickelt sich parallel zu den allgemeinen Entwicklungen des Einzelhandels in Deutschland – die Grüne Wiese wird bedeutender, für innerörtliche Geschäfte wird es schwieriger, die Handelsfunktion der Ortsmitten schwächt sich weiter ab. Das veränderte Konsumverhalten und der damit einhergehende Wandel der Betriebstypen führten zu diesen Entwicklungen. „Insgesamt betrachtet war die Versorgungssituation im Kreis im Jahr 2012 sehr gut“, bilanziert der Landrat. In allen 23 Städten und Gemeinden wurden zusammen 2 031 Einzelhandelsfunktionen festgestellt – eine Steigerung im Vergleich zum Jahr 2007.

Insgesamt fällt die Branchenvielfalt im Kreis recht groß aus, sagt die Autorin, Dr. Tamara Eschler aus der Abteilung Strategische Planung, Kreisentwicklung. Eine besondere Herausforderung sei der Umgang mit Leerständen. Neben dem Wandel des Einzelhandels und des Konsumverhaltens werde die demografische Entwicklung künftig zunehmenden Einfluss auf die Anforderungen für den Einzelhandel haben. In Babenhausen wurden 2012 insgesamt 112 Einzelhandelsgeschäfte kartiert. Im Durchschnitt gibt es somit ein Geschäft je 143 Einwohner. Im Vergleich mit den anderen Kommunen befindet sich Babenhausen beim Geschäftsbesatz damit im oberen Mittelfeld. In der Kernstadt werden 85 Einzelhandelsbetriebe aufgelistet, in Sickenhofen neun, in Hergershausen acht, in Harpertshausen und Langstadt jeweils vier und in Harreshausen zwei.

Lebensmittel-Versorgung in Babenhausen gut

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist in Babenhausen insgesamt betrachtet sehr gut. Eine fußläufige Versorgung mit Lebensmitteln gibt es jedoch nur für geringe Teile der Bevölkerung in der Kernstadt. Fünf der sechs Lebensmittelmärkte befinden sich im Gewerbegebiet Im Riemen, ein Netto-Discounter im Norden der Stadt. Allerdings wird es nun besser, da in der Stadtmitte in ein paar Tagen der Norma-Markt eröffnet. In den kleinen Ortsteilen ist, mit Ausnahme von Harpertshausen, die Grundversorgung mit Lebensmitteln nicht vor Ort sichergestellt.

Die Einzelhandelsgeschäfte in der Kernstadt werden durch 55 einzelhandelsnahe Dienstleistungen ergänzt. Die meisten davon gehören mit 38 Betrieben dem Bereich Gastronomie/Vergnügungsstätten an. In Babenhausen gab es zum Stichtag insgesamt 18 leerstehende Ladenlokale, 14 davon in der Kernstadt. „Die Leerstände prägen dort dort das Erscheinungsbild der Straßen. Mit teilweise zugeklebten Fensterscheiben wirken sie abweisend und lenken vom sonst ansprechenden Ortsbild ab“, schreibt die Autorin. Nach dem Aus von Tengelmann und Schlecker gab es – bislang – keine größeren Magnetbetriebe mehr, die Laufkundschaft anziehen. Die Autorin verweist auf Aktivitäten der Stadtverwaltung wie die Aktion „Kunst im Ladenleerstand“, die Beauftragung eines Einzelhandelskonzeptes und den direkten Dialog mit Eigentümern und möglichen Interessenten. Erschwert werde die Situation laut der Stadtverwaltung durch „hohe Ladenmieten, mangelnde Sanierungs- und Renovierungsbereitschaft der Immobilienbesitzer und hohe Energiekosten“. Bei der Bestandsaufnahme 2007 gab es zwei Leerstände im Bereich von Platanenallee und Fahrstraße, im Jahr 2012 wurden dort mit neun Leerständen deutlich mehr verzeichnet.

( s)t

Quelle: op-online.de

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