Nur das, was gefällt, wird aufgehängt

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Künstler Arno Räder und Galerist Norbert Brähler mögen alles was schön und grün ist. Aber Leerräume zwischen ihren Exponaten dürfen nicht sein. Skulpturen füllen diese Leere.

Babenhausen - Babenhausen Sie lieben es, sich mit schönen Dingen zu umgeben, sagen sie. Hauptberuflich bereisen sie als Flugbegleiter die ganze Welt, nebenberuflich sind die Babenhäuser Arno Räder und Norbert Brähler Künstler und Galerist. In ihrer Galerie „gARTenhaus“ reihen sich knallige Gemälde neben Skulpturen. Gemeinsam wollen sie junge Bildhauer fördern und fahren ihre Bilder auch schon mal zum Probehängen zu ihren Kunden. Von Melanie Welters

Neun Jahre ist es her, dass Sie gemeinsam die Galerie im Gärtnerei-Ambiente eröffnet haben. Wie entstand diese Idee?

Norbert Brähler: Früher haben wir in der Mühle in Harreshausen gewohnt und ein Haus im Grünen gesucht. Das alte Gärtnereigrundstück hat uns sofort gefallen- ein Haus, ein großer Garten, der damals noch Acker war. Perfekt, dachten wir. Blieb nur noch die Frage, was wir mit dem Gewächshaus machen. Da hat sich die Galerie einfach angeboten.

Wie lange hat es gedauert, die alte Gärtnerei für diesen Zweck herzurichten?

Arno Räder: Eingezogen sind wir direkt und haben dann nach und nach umgebaut. Ein Jahr später haben wir die Galerie eröffnet, nachdem wir uns für das Grundstück entschieden hatten, sind wir eingezogen und haben auch die Galerie eröffnet. Der Garten ist mit den Jahren immer mehr gewachsen. Jetzt kann man zum ersten Mal sagen, dass alles harmonisch umwachsen und vollendet ist. Nur um den Bambus, der unter dem kalten Winter gelitten hat, müssen wir uns vielleicht noch ein bisschen kümmern.

Sie sind nicht hauptberuflich Künstler und Galerist …

Brähler: Stimmt, wir sind beide Flugbegleiter. Vorher habe ich bei einer Bank gearbeitet.

Was fasziniert Sie an Ihrem künstlerischen Nebenjob?

Räder: Die Malerei war immer da. Malen zu können und gleichzeitig auszustellen ist ein Riesen-Geschenk. Es ist selten, in einer Region wie dem Rhein-Main-Gebiet einen Ort zu finden, der ruhig und ungestört, aber trotzdem zentral liegt und nicht weit von mehreren großen Städten entfernt ist. Ich gehe aus dem Haus und 20 Meter weiter bin ich schon im Atelier.

Brähler: Es ist herrlich, sich mit schönen Sachen zu umgeben, die Galerie direkt neben dem Haus zu haben.

Ist die Kunst Ihr einziges Hobby?

Räder: Malen ist schon sehr zeitaufwändig, da bleibt wenig Zeit für anderes …

Brähler: Wir arbeiten aber gerne und viel im Garten - das ist unser zweites Hobby.

In Ihrer Galerie kombinieren Sie Gemälde mit Skulpturen. Warum?

Brähler: In anderen Galerien ist der Raum zwischen den Exponaten meistens leer. Die Skulpturen füllen bei uns diese Leere und stellen gleichzeitig einen Bezug zwischen zwei verschiedenen Kunstformen her.

Woher beziehen Sie denn die unterschiedlichen Exponate?

Brähler: Die Bilder sind grundsätzlich von Arno Räder. Was die Skulpturen angeht, bewerben sich mittlerweile viele Bildhauer direkt bei uns. Dann überlegen wir: „Was hierher passt und uns gefällt?“ Oder wenn wir spontan etwas sehen, was uns sehr anspricht, fragen wir nach. Das funktioniert immer gut.

Die Bilder der aktuellen Sommerausstellung sind fast ausschließlich sehr bunt und ausdrucksstark ...

Räder:Das ist nicht immer so. Genauso oft male ich auch schlichte, ruhige Bilder; meistens im Sommer. Im Winter ist es umgekehrt, da überwiegen sehr knallige Farben. Deshalb ist auch die Sommerausstellung immer farbiger.

Die Quellen Ihrer Inspiration sind …?

Räder: Ich male ausschließlich zu klassischer Musik, vor allem von großen romantischen Komponisten wie Strauß, Mahler, Bruckner und Sibelius.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Bild?

Räder: Ja, das war 1994. Ein Textbild mit viel Weiß. Die Farbe kam erst mit dem zweiten Bild, das war dann ein sehr knalliges buntes.

Was möchten Sie mit Ihrer Galerie, Ihren Kunstwerken erreichen?

Räder: Einfach den Leuten etwas Schönes zeigen.

Brähler: Wir möchten den Menschen die Kunst näher bringen und so ihr Leben verschönern. Wir wollen junge Bildhauer unterstützen. Dabei urteilen wir nur nach den künstlerischen Fähigkeiten und danach, was uns gefällt. Nicht wie andere Galerien nach dem Werdegang der Künstler.

Ist es auf dem Land schwieriger Menschen den Zugang zur modernen Kunst zu eröffnen…

Brähler: Hier draußen ist es, glaube ich, einfacher als in der Großstadt. Da ist das Angebot viel größer und die Menschen haben Hemmungen, Galerien zu besuchen. Sie suchen ehrliche Kunst. Wir probieren viel aus, fahren Gemälde auch mal zum „Probehängen“ zu den Leuten. In der Provinz sinkt die Hemmschwelle der Besucher, und sie bleiben auch stundenlang in Galerie und Garten.

Quelle: op-online.de

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