„Das Licht kommt wieder“

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Ein Lagerfeuer brannte im Hof der Alten Schule.

Hergershausen ‐ Frau Holle aus dem Märchen der Brüder Grimm, die Schnee fallen lässt, die fleißige Schwester mit einem Goldregen belohnt und die faule mit Pechregen bestraft, kennen die meisten von uns. Von Petra Grimm

Aber wer weiß schon, dass sie im vorchristlichen Volksglauben eine mächtige Göttin war, die in wilden, stürmischen Nächten in einem von weißen Kühen gezogenen Wagen herumfuhr, an der Spitze eines wütenden Heeres? Dass sie - unterstützt vom Storch - für die Geburt der Kinder verantwortlich ist und dafür sorgt, dass auf den Feldern der fleißigen Bauern viel wächst? 

Wer jetzt bei der Sonnenwendfeier des Vereins Herigar in der Alten Schule der Odenwälder Märchenerzählerin Ilse Krüger zuhörte, erfuhr nicht nur allerhand über die Figur der Frau Holle, sondern auch viel über diesen besonderen Tag, den 21. Dezember, und die Raunächte. „Die Sonnenwende ist die dunkelste und längste Nacht des Jahres. Der Jahreskreis schießt sich. Von jetzt an wird es jeden Tag um einen Hahnenschrei heller.

Vortrag einer Märchenerzählerin

Das Licht kommt wieder“, sagte Ilse Krüger, die Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft und der Odenwälder Erzähl- und Spielgemeinschaft Hollerbusch ist. Sie wusste viel über Brauchtum rund um die zwölf Raunächte zu berichten, die mit der Sonnenwende beginnen. Der Begriff Raunacht komme von Räuchern. „Denn früher haben die Menschen Haus und Ställe beispielsweise mit Salbei geräuchert, um Krankheiten und böse Geister zu vertreiben“, erzählte sie. Viele Tätigkeiten waren während dieser rauen Nächte verboten, so durfte unter anderem nicht gesponnen oder Wäsche gewaschen werden.

Wer eine Tür laut zuschlug, musste damit rechnen, im Sommer vom Blitz getroffen zu werden, so der Volksglaube. „Die Türen zur Anderswelt stehen in den Raunächten offen und ihre Wesen erfüllen unsere Wünsche, wenn sie wohlgesonnen sind“, sagte Krüger. Das erinnere an die Hoffnungen und Vorsätze, die wir noch heute in der Silvesternacht artikulieren.

Der interessante Vortrag der Märchenerzählerin aus Brombachtal war nicht der einzige Programmpunkt der Sonnenwendfeier. Beeindruckende Fotos von Mathias Brendle und Brigitte Herget, die an die Wand projiziert wurden, zeigten das Dorf in winterlicher Idylle. Außerdem brannte im Hof der Alten Schule ein Lagerfeuer, das vor allem für Familien mit kleineren Kindern ein Anziehungspunkt war. Von der großen Resonanz auf die Einladung war der Vorstand des neuen Vereins, der seit vergangener Woche auch im Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt ist, doch überrascht.

Nicht mit so viel Zuspruch gerechnet

Der Vorrat an Glühwein und Leberkäsbrötchen war rasch aufgebraucht. „Wir haben gar nicht mit diesem Zuspruch gerechnet. Wir haben gedacht, da kommen vielleicht 50 Leute“, sagte die zweite Vorsitzende Maren Gatzemeier. Es müssen aber weit über 100 gewesen sein. Die zahlreichen Kinder, die fröhlich über den Hof rannten, nicht mitgezählt.

Mancher, der den Tag der offenen Tür kürzlich versäumt hatte, nutzte die Möglichkeit, das neue Dorfgemeinschaftshaus zu besichtigen. „Mit dem wichtigsten ist das Haus jetzt eingerichtet“, sagte Gatzemeier. Von den 15 000 Euro, die die Stadt zur Verfügung gestellt hatte, wurden eine Küche, Tische und Stühle und ein paar gebrauchte Schränke angeschafft. „Jetzt fehlen etwa noch Putzutensilien oder eine Leinwand, auf der wir Filme oder Fotos zeigen können“, sagte Gatzemeier. Über Spenden freut sich Herigar deshalb auch weiterhin. Von den Vereinszielen wurden einige am Montagabend erreicht. Das Haus war mit Leben erfüllt und das Miteinander von Jung und Alt wurde gefördert, denn es waren alle Generationen vertreten.

Jahr mit Apfelwein und Künstlern ausklingen lassen

Die nächste Veranstaltung von Herigar in der Alten Schule ist bereits am Mittwoch, 30. Dezember, ab 16 Uhr. Beim „Hergershäuser Jahresausklang“ soll das Jahr mit heißem Apfelwein und Apfelsaft, Brezeln und verschiedenen Angeboten örtlicher Künstler verabschiedet werden. Für die Kinder ist ein Programm geplant und für Live-Musik wird Backroots Two sorgen.

Was der Volksglaube mit Blick auf den Jahreswechsel sagt, war von Ilse Krüger übrigens auch zu erfahren: „Wem es gelingt, dreimal unbemerkt in den Hühnerstall herein und wieder heraus zu kommen, der hat ein glückliches Jahr vor sich.“

Quelle: op-online.de

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