Wissen erweitern auf Chinesisch

Delegation aus Fernost besucht Hergershäuser Wasserwerk

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Laborleiter Ralf Picolin (in der gelben Jacke) führte die chinesische Delegation – unterstützt durch einen Übersetzter – durch das Wasserwerk Hergershausen. Hier stehen sie in der großen Halle mit den Kiesfiltern.

Hergershausen -  Die großen mit jeweils über 60 Tonnen Kies gefüllten blauen Filtergehäuse, der mehrere hunderttausend Liter fassende Reinwasserbehälter und die gewaltigen Pumpanlagen – es sind keine historischen Sehenswürdigkeiten, die im digitalen Smartphone-Speicher der Chinesen landen. Von Norman Körtge

Es ist das Innenleben des Wasserwerks Hergershausen, so etwas wie das Herzstück des Zweckverbandes Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG), das die Asiaten an diesem Vormittag besichtigen. Die Führung durch die im Wald an der K183 gelegenen Gebäude ist für die 15-köpfige Reisegruppe eine willkommene Abwechslung von der Theorie. Den wegen der Technik haben sie die lange Flugreisen nicht angetreten. „Technisch machen wir den Chinesen nichts mehr vor. Die haben in den vergangenen Jahren Quantensprünge hingelegt“, berichtet der technische Betriebsleiter Wolfram Wittwer. Vielmehr gehe es den Chinesen, die unter anderem auf Einladung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Deutschland sind, um Organisationsformen und Wasserschutz.

Für Ersteres zeichnet Laborleiter Ralf Picolin verantwortlich, der eine umfangreiche Powerpoint-Präsentation vorbereitet hat und von einem Dolmetscher unterstützt wird. 30 bis 45 Minuten sind dafür vorgesehen. Doch es werden 75 Minuten. Grund: Die Chinesen haben erstaunlich viele, teils ins Detail gehende Nachfragen. Der Mimik, Gestik und den Fragen der Chinesen nach zu urteilen, sind die Tatsachen, dass hierzulande auch fürs Abwasser bezahlt werden muss und jedes Haus seine eigenen Wasserzähler hat, ein neuer Erkenntnisgewinn. Auch dass der ZVG sich über Grund-, Gebrauchs- und Abwassergebühren finanziert und Einnahmen unter anderem in die Erneuerung des Leitungsnetzes investiert, können sich die Asiaten offenbar nicht so richtig vorstellen. „Der chinesische Staat schießt viel zu“, berichtet Wittwer im Nachgang. Das technische Interesse ist geweckt, als Picolin über das Ortungsverfahren bei Rohrbrüchen berichtet. Mittels Schallwellen könne der Schadensbereich sehr genau eingrenzt werden, so Picolin.

Vom Wasserwerk geht es anschließend auf einen Acker bei Langstadt. Dort findet ein Feldversuch statt. Wie Christoph Puschner, beim ZVG unter anderem zuständig für Kooperationen mit Landwirten, erklärt, gehe es dabei darum, die Nitratbelastung durch das Düngen der Felder zu verringern. Vorbeugener Grundwasserschutz also. Dafür werden nach der Ernte Zwischenfrüchte wie Ackersenf, Ölrettich und das schön lila blühende Phacelia, umgangssprachlich besser bekannt als Bienenweide, ausgesät. Die Pflanzen sollen das noch im Erdreich befindliche Nitrat aufnehmen. Bei der Zusammenstellung der Saatgutgemische und je nach Bodennutzung gelte es immer wieder dies zu optimieren, sagt Puschner. Saatgut im Wert von 33000 Euro stellt der ZVG dafür im Jahr zur Verfügung, Kooperationen gibt es mit 70 Landwirten.

„Es war für die Chinesen vielleicht etwas zu detailreich“, gibt sich Puschner nach der Exkursion selbstkritisch, zumal es auch kalt war. Aber gelernt hätten die Gäste auf jeden Fall etwas, ist sich der ZVG-Mitarbeiter ziemlich sicher.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Quelle: op-online.de

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