Delikatesse in Weiß und Grün

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Bei den Scheuermanns hat die Familie gut zu tun: die Senior-Chefs Hedwig (links) und Friedrich (rechts) sowie Regina und Bernd Scheuermann.

Sickenhofen - Der Name ist Programm: „Spargelanbau Scheuermann Sickenhofen“ prangt auf dem T-Shirt von Bernd Scheuermann. In diesen Tagen steht das, was er mit seinem Betrieb aus der Erde holt, wieder besonders im Fokus der Feinschmecker: Es ist Spargelzeit. Von Jens Dörr

Nun landet der Asparagus in Weiß und Grün wieder vermehrt auf dem Teller, wird der Spargel gerade in der hiesigen Region überall angeboten.

Wie auf den meisten Feldern Südhessens sei es auch bei Scheuermann „an den Ostertagen losgegangen“. Da war der lange und kalte Winter vergessen, weil schon vorher einige sehr sonnige Tage für die Kehrtwende gesorgt hatten. „Denn die Sonne ist mit das Wichtigste für eine gute Spargelernte“, weiß Scheuermann. Früher war der Mann mit dem Schnauzbart Landwirt in Vollzeit, betreibt dieses Metier heute aber nur noch im Nebenerwerb. „Das hatte sich einfach nicht mehr gelohnt“, sagt Scheuermann, der nun hauptsächlich als Gärtner bei der Stadt Dieburg beschäftigt ist. Nichtsdestotrotz arbeite er täglich weitere vier bis fünf Stunden in der Landwirtschaft, wirft Scheuermanns Frau Regina ein. Sie hat, wie ihr Mann, zurzeit ebenfalls alle Hände voll zu tun mit dem Spargel, verkauft das Edel-Gemüse zweimal wöchentlich auf dem Markt in Aschaffenburg und zudem noch im Hofladen in der Hergershäuser Straße in Sickenhofen. Die gute Laune lässt sich Regina Scheuermann durch die Mühen dieser Tage nicht verderben, sie ist während des Interviews mit unserer Zeitung viel am Lachen.

Zur Freude gereichen dürfte auch der Zusammenhalt in der Familie. Schon seit 40 Jahren baut sie Spargel an, noch immer helfen die Senior-Chefs Friedrich und Hedwig Scheuermann im Betrieb mit, wo sie können. Auch Sohn Michael, ein Betriebswirt, packt manchmal mit an. „Der macht das inzwischen freiwillig, für ihn ist es auch körperlicher Ausgleich“, erzählt Regina Scheuermann. Das fleißige Team komplettiert Sohn Thorsten. Am Anfang der diesjährigen Saison mussten die Scheuermanns die Delikatesse noch selbst stechen, auf Dauer sei das aber nicht zu schaffen. Deshalb sind - wie jedes Jahr - fünf Kroatinnen als Ernte-Helferinnen nach Sickenhofen gekommen. Die Frauen wohnen bei den Scheuermanns und sorgen dafür, dass der weiße Spargel aus den Dämmen geholt wird. Diese befinden sich auf insgesamt zwei Hektar Anbaufläche, zudem besitzen die Scheuermanns noch 50 Hektar Getreide-Flächen und Wiesen.

Zweimal täglich gehen die Kroatinnen die Dämme ab - Spargel kann an warmen Tagen bis zu vier Zentimeter wachsen. Das Ergebnis der Anstrengungen liegt dann gewaschen und sortiert in Körben zum Verkauf bereit. „Die Preisunterschiede kommen durch das unterschiedliche Aussehen der Spargel zustande, schmecken tun die alle gleich“, erklärt Bernd Scheuermann. Dabei sei besonders die Dicke des Spargels wichtig, aber auch die Länge sowie „geschlossene Köpfe“. Die teilweise violette Einfärbung störe nur wenige - „manche verlangen das an unserem Marktstand geradezu“, sagt Regina Scheuermann.

Wenn es um die Spargelernte geht, ist stets auch die Diskussion um vermeintlich faule deutsche Arbeitslose nicht weit. Wie es bei den Scheuermanns ablief? „Uns wurden mal deutsche Ernte-Helfer geschickt“, berichtet Bernd Scheuermann. „Die sind dann bei mir auf dem Hof umgefallen, um zu simulieren, was ihnen vor Schwindel passiert, wenn sie sich dauernd bücken müssen.“

Quelle: op-online.de

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