Denkanstöße in Buchform

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Pfarrer Dr. Frank Fuchs hmit seinem Buch.

Babenhausen - Können literarische Erzählungen und die in ihnen beschriebenen Figuren und Handlungen dabei helfen, unsere eigene Lebenswelt besser zu verstehen? Im Idealfall wäre die Antwort ja. Von Petra Grimm

Und wenn wir uns über Literatur mit unserem eigenen Leben auseinander setzen können, was passiert dann, wenn sie Teil eines Gottesdienstes wird? Der Gottesdienst bekommt zweifellos eine besondere Note, und die Botschaft der Bibel wird lebendiger und im besten Fall auch moderner und verständlicher.

Das konnten in den vergangenen Jahren die Besucher der Literaturgottesdienste von Dr. Frank Fuchs erfahren. Seit er im Jahr 2006 die evangelische Pfarrstelle in Babenhausen übernommen hat, lädt der 47-Jährige regelmäßig jedes halbe Jahr zu diesen besonderen Gottesdiensten ein.

„Das Leben wahrzunehmen und mit dem christlichen Glauben ins Gespräch zu bringen, ist das Anliegen“, sagt Dr. Frank Fuchs, der seine in diesen acht Jahren gesammelten Gottesdienstentwürfe jetzt publiziert hat.

„Dem Leben auf der Spur“

Das gemeinsam von ihm und den beiden Theologen Christian Stäblein und Jochen Arnold herausgegebene Buch „Dem Leben auf der Spur. Mit Literaturgottesdiensten durch das Kirchenjahr“ enthält 19 Gottesdienstentwürfe verschiedener Pfarrer und Pfarrerinnen. Darunter sind acht Babenhäuser Gottesdienste und zusätzliche erläuternde Beiträge, die aus der Feder von Dr. Frank Fuchs stammen.

Das in der Schriftenreihe „gemeinsam gottesdienst gestalten“ im Lutherischen Verlagshaus, Hannover, erschienene Buch richtet sich zwar in erster Linie an ein Fachpublikum, wie Pfarrer, Studenten oder auch Prädikanten, bietet aber durch die Beschreibung der Gottesdienste auch interessante Denkanstöße für ein breiteres Publikum.

Denn „der Versuch, literarische Aussagen der Moderne in Verbindung mit biblischen Aussagen, Metaphern und Erzählungen zu bringen, kann überraschende neue Perspektiven eröffnen“, so Fuchs, der bei seiner Auswahl der Literatur Werke berücksichtigt, die religiöse Themen und Metaphern enthalten, wie zum Beispiel „Auferstehung“ von Leo Tolstoi. „Es können aber auch Inhalte herangezogen werden, die nicht explizit religiös sind. Sie sind dann theologisch zu deuten, wie zum Beispiel in dem Werk „Der Fremde“ von Albert Camus, wenn die Selbstentfremdung des Fremden dahin führt, die Sündenlehre zu verdeutlichen“, so der Pfarrer, der in Darmstadt geboren ist und in Frankfurt, Wien, München und Marburg Theologie studiert hat.

Faible für erzählende Theologie

Sein Faible für erzählende Theologie zeigt seine Doktorarbeit aus dem Jahr 2004, die sich mit „Konkretionen des Narrativen“ beschäftigt.

Die Literaturgottesdienste, die in dem Buch beschrieben werden, sind an das Kirchenjahr angelehnt, das zum einen die Bewegung des Lebens von der Geburt (Weihnachten) zum Tod (Ewigkeitssonntag) und andererseits den Wechsel der Jahreszeiten (Ostern als Frühlingsfest und Erntedank als Herbstfest) abbildet.

Auch die Spanne der menschlichen Emotionen wird im Verlauf des Kirchenjahres durch Fasten- und Bußzeiten mit nachdenklicher Grundhaltung und Festzeiten mit fröhlicher Stimmung durchschritten. An diesen Bogen kann „Literatur als Darstellung der Bewegung des menschlichen Lebens zwischen Glück und Scheitern“, so Pfarrer Fuchs, anknüpfen. Dass dabei nicht nur anspruchsvolle klassische Werke Einzug in die Gottesdienste finden, ist dem dreifachen Familienvater wichtig. Literatur für alle kommt zum Tragen. So war Astrid Lindgrens Michel aus Lönneberga, der an Weihnachten die Speisekammer seiner Familie plündert, um den alten Menschen im Armenhaus ein Festmahl zu bieten, Thema eines Weihnachtsgottesdienstes in Babenhausen. Die christliche Botschaft vom Teilen mit den Armen kann wohl kaum Generationen übergreifender und zauberhafter vermittelt werden.

Quelle: op-online.de

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