Continental

Dialog ohne Worte & Head-up-Displays fürs Auto

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Babenhausen - Head-up-Displays projizieren Informationen in die Frontscheibe des Autos. Bei Continental in Babenhausen wurde eine Weltneuheit vorgestellt. Von Klaus Ackermann 

Der erste nannte sich noch Speedometer und wirkt wie ein feinmechanisches Fossil: Seit 111 Jahren produziert Continental Tachometer und Instrumentierungen. Jetzt stellte der Spezialist für elektronische Fahrzeugsysteme in seinem Werk in Babenhausen eine Weltneuheit bei den Head-up-Displays vor, die aktuelle Informationen übers Auto in die Frontscheibe projizieren. Mit dem Augmented Head-up-Display (AR-HUD) soll das Autofahren noch sicherer werden.

Als einen „Dialog ohne Worte zwischen Fahrer und Auto“, bezeichnet Eelco Spoelder, Leiter des Geschäftsbereichs „Instrumentation & Driver HMI“, die neue Form virtueller Kommunikation in Babenhausen, wo 2000 Beschäftigte an elektronischen Schmankerl fürs Automobil werkeln, darunter allein 800 Entwickler. Von Vorteil ist, dass der Fahrer beim Head-up-Display, mittlerweile auch in der automobilen Mittelklasse angeboten, Verkehrsgeschehen und Anzeige gleichzeitig im Blick hat. Fürs laufende Jahr rechnet Spoelder mit 1,5 Millionen produzierter Informationsübermittlern weltweit, eine Zahl die sich bis 2018 auf circa 5 Millionen erhöhen soll.

Erst 2017 serienreif

AR-HUD wird erst 2017 serienreif sein, seine Tugenden beeindruckten indes schon jetzt bei Probefahrten rund um Babenhausen. Dabei zeigt das elektronische Wunderding oberhalb der Motorhaube nur, was situativ notwendig ist, die reale Welt wird ergänzt – und nicht etwa von mannigfaltigen Informationen überlagert. Etwa beim Spurhalteassistenten: Flächige rote Katzenaugen warnen, wenn man dem Waldrand oder der Gegenfahrbahn zu nahe kommt. Und verschwinden nach Korrektur des Fahrfehlers sofort wieder, beim Testwagen noch von milden Tritten in den verlängerten Rücken begleitet. Nur der Steuermann hat diese sanften Mahner im Blick. Auch den adaptiven Tempomaten (ACC) kann das AR-HUD mit seinem nun stark vergrößerten Sichtfeld ergänzen. Markiert es doch den Vordermann mit einer Sichel knapp unterhalb des vorausfahrenden Fahrzeugs. Auch bei einem Spurwechsel findet es den neuen Vorausfahrenden. Gibt man Gas und setzt zum Überholen an, so ändert sich die Farbe der Sichel. Gerät das ACC an seine Regelgrenze, leuchtet die Sichel rot auf.

Vor allem das Navigieren ist jetzt weitaus leichter, weil Hinweispfeile in das Frontscheiben-Head-up-Display eingespiegelt werden, der Fahrer muss nicht mehr aufs Kombi-Instrument oder auf die Mittelkonsole schauen. Die winkelförmigen Pfeilspitzen, von den Continental-Ingenieuren auch Fischgräten genannt, weisen wie eine Fahrbahnmarkierung den Weg, drehen sich bei einer Abzweigung in die einzuschlagende Richtung. Erreicht man die Abfahrt verschwinden die Gräten bis auf die vorderste, die sich aufrichtet und so zum virtuellen Hinweisschild wird. Bei Spurwechsel zum Abbiegen dreht sich die Pfeilspitzenreihe und Helligkeit pulsiert, bis man sich auf der Abbiegespur eingeordnet hat.

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AR-HUD erweitert also die Wirklichkeit um grafische Hinweise, die passgenau in die reale Außenansicht eingefügt werden. Zukunftsmusik ist hier ein elektronischer Horizont, der Informationen über die vorausliegende Strecke und deren Topografie einspiegelt. Doch zunächst gilt es noch, den Einbauraum für die anspruchsvolle Technologie zu verringern, derzeit bei 13 Litern – elf Liter halten die Babenhäuser Entwickler bis 2017 für möglich. Da ist denn auch ein ausreichend großes Auto gefragt. Nach wie vor gelte für AR-HUD-Assistenzen die Devise „weniger ist mehr“, so deren Geburtshelfer. Schließlich verlangt die tatsächliche Verkehrsansicht schon genügend Aufmerksamkeit.

Quelle: op-online.de

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