„Die Bohrungen sind sicher“

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Gerhard Gossens (Kampfmittelräumdienst des RP) erläutert die Vorgehensweise auf dem betroffenen Gelände. Ihm hören zu: Dr. Peter Watzlaw (SEB-Vorsitzender), Holger Gehbauer (technischer Betriebsleiter DA-Di-Werk) und Martina Müller (Büroleiterin des Kreisschuldezernenten Christel Fleischmann). Etwa 2800 Sondierungsbohrungen soll es geben.

Babenhausen ‐ Es sollte ein Informationsgespräch zwischen Fachleuten und Eltern sein - gekommen war ein ganzer Expertenstab. Die für Diskussionen sorgende Suche nach Blindgängern an der Offenen Schule war Thema bei der jüngsten Sitzung des Schulelternbeirats (SEB). Sind Kinder und Lehrer gefährdet oder nicht? Von Jasmin Frank

Der Vorsitzende des SEB, Dr. Peter Watzlaw, begrüßte gleich mehrere Experten: Holger Gehbauer, Technischer Betriebsleiter des Da-Di-Werks im Bereich Gebäudemanagement, Gerhard Gossens, Abteilungsleiter Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt, Dieter Eitel vom Staatlichen Schulamt und die Büroleiterin des Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Christel Fleischmann, Martina Müller.

Die Hauptmitteilung des Abends wurde schnell deutlich: Es droht keine Gefahr. „Dass hier eine Sondierung des Bodens vorgenommen wird, ist ein ganz übliches Vorgehen in Regionen, die in der Nähe von Abwurfschneisen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg liegen“, so Gehbauer, der damit klar stellte, dass die Gefahr gerade deshalb gering gehalten werde, weil eben die Fläche untersucht würde. Genauso bewertete auch Fachmann Gossens die Situation: „Ein Unglück geschieht immer nur dann, wenn vorher niemand nachgeschaut hat, ob noch Bomben im Boden liegen. Dann kann es schon mal sein, dass so ein Überbleibsel versehentlich auf einer Baggerschaufel landet. Wenn wir vom Kampfmittelräumdienst vor Ort sind, können alle beruhigt sein, denn wir gehen fachgerecht vor und dann passiert auch nichts.“

Noch vor Weihnachten 2800 Sondierungsbohrungen

Wichtig war den etwa 60 Eltern aber, zu erfahren, wie denn nun konkret vorgegangen werde. Besondere Sorge bereiteten ihnen die bereits begonnenen Bohrungen. „Hier hätten wir besser informieren müssen“, meinten die Zuständigen und gaben unumwunden zu, dass die Kommunikation besser hätte laufen können, zumal sie als Fachleute vieles für selbstverständlich gehalten hätten, was sich Laien eben nur schwer erschließe. „Diese Bohrungen sind sicher und dienen dazu, das Gelände besser untersuchen zu können. Eine Bombe hat als metallischer Körper ein Magnetfeld, das mit moderner Technik gut gemessen werden kann. Mit der Bohrung können Anomalien in einem bestimmten Radius festgestellt werden. Wenn alles in Ordnung ist, wird immer innerhalb dieses Bereiches das nächste Loch gebohrt. So entsteht ein Raster, das Sicherheit gewährt, bis schließlich das gesamte Areal freigemessen ist“, informierte Gossens. Insgesamt sollen noch vor Weihnachten alle 2800 Sondierungsbohrungen mit jeweils fünf Metern Tiefe vorgenommen worden sein, die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf gut 120.000 Euro.

Sollte dabei ein so genannter „Störkörper“ gefunden werden, ist dieser dann Sache der Experten. Es wurde zudem darauf hingewiesen, dass während der Schulzeit eher in den der Schule weiter entfernten Bereichen gebohrt würde und im Falle eines Bombenfundes natürlich keine Menschenleben gefährdet würden. „Wir müssen das Gebiet dann evakuieren, was übrigens nicht nur die Schüler betrifft, auch die Arbeiter auf der Baustelle wollen ja wieder gesund nach Hause kommen“, stellten die Fachleute fest.

Sondierung außerhalb der Schulzeit

Trotz der informativen Darstellung kamen im Anschluss noch viele Fragen auf, so wollte auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin wissen, wie denn das einprozentige Restrisiko zu bewerten sei, worauf Gossens erwiderte, er könne von null Risiko sprechen. Zu guter Letzt wurde noch die Frage einer Evakuierungsübung erörtert, wobei der Plan entwickelt wurde, keine Großübung zu machen, um keine Panik bei den Kindern hervorzurufen, sondern den Fluchtweg klassenweise zurückzulegen. Auch eine Vereinbarung für die Zeit nach dem Abriss des jetzigen Schulgebäudes wurde getroffen: Die Sondierung dieses Geländes solle außerhalb der Schulzeit stattfinden. Auch solle die Kommunikation in Zukunft optimiert werden.

Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas wurde auch einmal gelacht, als Fachmann Gehbauer in seiner Einführung versehentlich meinte, die Aktion sei „bombensicher“. Nach diesen Infos waren Elternschaft und Schulleitung überzeugt, dass alle offenen Fragen geklärt sind, so dass Unterricht und weitere Sondierungsbohrungen parallel laufen können.

Quelle: op-online.de

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