Dorfentwicklungsprojekt IKEK

„Die Bürger wollen mitwirken“

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Auch für das DRK-Heim in Harpertshausen soll im Rahmen von IKEK eine Bestimmung gefunden werden.

Babenhausen - „Wir hatten einen sehr engagiert geführten Prozess aller Beteiligten. Die Bürger sowie die Verwaltung mit der Bürgermeisterin und den Fachbehörden haben gezeigt, dass sie mitwirken und Lösungen finden wollen. Von Michael Just

So wurde es eine runde Geschichte“, bilanziert Hartmut Kind von der Agentur SP PLUS. Das Projekt-Büro aus Bad Nauheim begleitet die Stadt Babenhausen bei der Dorfentwicklung IKEK. Ziel des integrierten, kommunalen Entwicklungskonzeptes ist es, unter Beteiligung der Bürger zukunftsfähige Projekte für die Entwicklung der Kommune, insbesondere der Stadtteile, zu erarbeiten. Ortsgestaltung, Bürgerhäuser, Hallennutzung, Nahversorgung, aber auch Verkehrssicherheit sind dabei wichtige Punkte.

Darüber hinaus geht es um soziale Belange, wie etwa die Vereine oder eine bessere Organisation des Ehrenamtes. Für IKEK ganz wichtig: In den verschiedenen Arbeitsgruppen des Projekts sollen nicht nur Lösungen für den eigenen Stadtteil, sondern übertragbare Konzepte für die gesamte Stadt ermittelt werden. Dafür ist die Nahversorgung mit kleinen Lebensmittelläden ein gutes Beispiel. „Vernetzen“ und „Zusammenwachsen“ lauten übergeordnete Stichworte. Die erzielten Ergebnisse bilden die Grundlage für eine öffentliche Förderung durch das Land und die Stadt.

Abschlussveranstaltung in der Stadthalle

Mit der jüngsten Abschlussveranstaltung in der Stadthalle ist die erste Phase von IKEK abgeschlossen. Mit 38 Sitzungen in zwölf Monaten wurde reichlich Zeit investiert. Man bildete Teams und Handlungsfelder, eruierte die Stärken und Schwächen der Stadtteile und definierte abschließend die Projekte, die man umsetzen will. Harpertshausen strebt beispielsweise eine Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt, eine Kulturscheune, ein Leerstandmanagement von Häusern, die bessere Gestaltung von Brachflächen oder ein neues Nutzungskonzept für das DRK-Heim, samt entsprechender Sanierung, an.

„Von allen Arbeitsgruppen hat die AG Kommunikation, Dorfgemeinschaft und Kultur den größten Zuspruch erhalten“, berichtet Heidrun Koch-Vollbracht. Wie sie lobt, ließ man darin kostspielige Forderungen außen vor. „Es spricht für sich, dass es vorrangig um ein gutes und besseres Miteinander im Stadtteil ging“, so die Harreshäuserin. Martina Seuß, die in der AG „Siedlungsentwicklung, Versorgung und Verkehr“ engagiert ist, führt als wichtiges Ergebnis an, dass die alten Ortskerne mit ihrer identitätsbildenden Substanz unbedingt erhalten werden müssen. Es dürfe nicht sein, dass die Neubaugebiete am Rand wachsen und innerorts die Leerstände wuchern. „IKEK bietet finanzielle Möglichkeiten, dass sich Hausbesitzer in der Ortsmitte nicht am Denkmalschutz abarbeiten müssen“, erinnert Seuß. Günther Eckert weist darauf hin, dass junge Familien Infrastruktur, Nahverkehr und Nahversorgung auf dem Dorf erwarten. „Dann sind sie auch bereit, ein altes Bauernhaus zu kaufen und zu sanieren“, so der Langstädter Ortsvorsteher. Als Konsequenz müsse man die Stadtteile lebendig gestalten.

„Politisch nicht engagiert“

Beim Blick auf die IKEK-Engagierten wird man den Eindruck nicht los, dass sich vorrangig die Ortsbeiräte in den Teams engagierten. Eine Auffassung, die Kind verneint: „Wir hatten über 140 Beteiligte, darunter auch viele, die politisch nicht engagiert sind.“ Froh zeigt sich der Mann aus Bad Nauheim darüber, dass die Bürger verstanden haben, dass allen Entwicklungsideen die Finanzprobleme der öffentlichen Hand gegenüberstehen. „Deshalb wurden in den Workshops keine Wunschschlösser gebaut. Dazu liegt die Bereitschaft vor, sich mit den politischen Entscheidungsträgern zu verständigen“, so Kind.

Wie sieht der nächste Schritt aus? Nach dem Ende der Konzeptphase geht‘s im IKEK- Fahrplan nach der Sommerpause weiter. Die erste Sitzung der Arbeitsgruppen ist für den 30. September in Sickenhofen datiert. „Dann müssen sich die Dörfer im Sinne der Stadt abstimmen. Das ist die Crux an der Sache“, kündigt Kind an. Sind die Projekte soweit ausgearbeitet, sollen sie der Politik zur Umsetzung vorgelegt werden. Insgesamt steht man bei IKEK noch am Anfang eines langen Prozesses, der auf zehn Jahre angelegt ist. Das erfordert Durchhaltevermögen von allen Beteiligten - auch deshalb, weil vorgesehen ist, dass das Projekt IKEK auch nach dieser Zeit noch weiterläuft.

Quelle: op-online.de

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