„Die kitzeln so auf der Hand“

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Haarige Biester in der Stadthalle zu Besuch.

Babenhausen ‐ „Eigentlich krieg ich immer Gänsehaut, wenn ich diese haarigen Biester sehe“, sagt Fabian. Der Schüler gehört am Sonntagmorgen um kurz nach 11 Uhr zu den ersten Besuchern der Ausstellung „Welt der Riesenspinnen – King Baboon Tarantula“ in der Stadthalle. Von Michael Just

Wie er erzählt, schaut er sich gerne Gruselfilme mit Insekten an, in denen diese zu übergroßen Monstern mutieren. Kurz darauf sitzt auf Drängen seines Freundes eine Vogelspinne auf Fabians Mütze, die langsam in Richtung Stirn des Jungen krabbelt. Regungslos steht der Elfjährige wie zu einer Säule erstarrt da und fixiert mit starrem Augen den Boden. Wer zum richtigen Zeitpunkt in der Halle ist, erlebt wie Sidney Sperlich eine Spinne zum Anfassen herausholt. Der 21-jährige aus Helmstedt/Niedersachsen steht mit seinen Geschwistern und dem Cousin hinter der Ausstellung.

„123 Vogelspinnenarten gibt es, 68 haben wir hier“

Seit seinem elften Lebensjahr praktiziert er dieses Hobby und hat zuhause im großen Gewölbekeller 200 Terrarien stehen, die er abwechselnd auf seine jährlich 20 bis 30 Ausstellungen mitnimmt. „123 Vogelspinnenarten gibt es, 68 haben wir hier“, erzählt der ehemalige Stunt-Fahrer, der jedes Terrarium akkurat auf einem eigenen Tisch in einer langen Reihe platziert hat. Seine Liebe zu der Tarantula (Vogelspinne) und damit der größten Spinnenart der Welt kann er in einem Satz erklären: „Es fasziniert mich, wie sie jagen, sich bewegen oder farblich gekennzeichnet sind.“ Laut Sperlich begegnet er den Tieren, die wie die „theraphosa blondi“ (Goliath-Vogelspinne) vom Körper bis zu zwölf und der Beinspannlänge bis zu 30 Zentimeter groß werden kann, nicht mit Angst, aber mit Respekt.

Nicht so aggressiv wie im Horrorfilm

Von den Horrorfilmen zeigt er sich weniger begeistert, weil man damit ein falsches Bild erzeugt: „Darin sind sie aggressiv und werden in eine Angstecke gerückt.“ Dabei sei doch das Gegenteil der Fall, dass sie dem Menschen aus dem Weg gehen. So hätten viele Zeitgenossen mehr Angst vor Vogelspinnen als sie eigentlich müssten.

Vor allem Kinder und Jugendliche zieht es am Sonntag in die Ausstellung. Nicht nur für sie ist alle paar Meter ist das Schild „Bitte nicht klopfen aufgestellt“. Das erweist sich schon deshalb als wichtig, weil die meisten Tiere nachtaktiv sind und ihren „Spargang“ auch nicht für die Babenhäuser Tierfreunde ändern wollen. „Ich hab` überhaupt keine Angst und will mal eine auf die Hand“, sagt die dreijährige Zoe. Damit ruft sie Erstaunen bei einem Besucher am Nachbar-Terrarium hervor.

Zoe mag die Vogelspinne

„Das wundert mich. Frauen und Spinnen geht doch sonst gar nicht“, lautet der mit einem Augenzwinkern versehene Kommentar. Der Streichel-Wunsch ist schon aus dem Grund kein Problem, weil alle Vogelspinnen behaart sind. „Angenehm und ein bisschen kitzlig“, lautet das gängige Resumee. Die Aufgeschlossenheit der kleinen Zoe gegenüber den Tropenbewohnern, die entweder in Erdröhren, auf dem Boden oder auf Bäumen leben, gefällt Sperlich: „ Erwachsene denken gegenüber Kindern beim Thema Spinnen viel zu viel.“

Ganz Mutige, wie der elfjährige Fabian, ließen sich eine Spinne auf den Kopf setzen.

Wird der außergewöhnliche Spinnenfreund als Initiator der Ausstellung erkannt, ist er einer großen Wissbegier ausgesetzt: „Was wird gefüttert?“, „Sind die Spinnen giftig?“ heißen nur zwei Fragen. Gefüttert werden laut dem Helmstedter vor allem Wüstenheuschrecken. Aber auch eine Maus oder eine Ratte bekämen gewisse Tarantula-Arten runter: So verflüssige ein Sekret der Spinne das Innere des Opfers, das sich auf diese Weise aussaugen lasse. Beim Thema Giftigkeit kann er das Vorurteil ausräumen, dass ein Vogelspinnen-Biss lebensgefährlich für den Menschen ist. „Alle Vogelspinnen sind giftig. Ihre Attacken sind aber eher mit einem schmerzhaften Wespenstich vergleichbar“, führte der 21-Jährige an. Besonders wird aufgehorcht, als es um das Thema Paarung geht, bei der die Männchen in höchster Gefahr sind, vor oder nach der Paarung von den Weibchen gefressen zu werden. „Ich wusste ja schon immer, dass man sich vor den Frauen in Acht nehmen muss“, witzelt ein Besucher.

Quelle: op-online.de

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