Dienst für den Frieden

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Der Babenhäuser Alexander Glaser ist in den USA Dozent für Physik und arbeitet an der Kontrolle von Atomwaffen mit.

Babenhausen - Der Babenhäuser Alexander Glaser ist in den USA Dozent für Physik und arbeitet an der Kontrolle von Atomwaffen mit. Von Michael Just  

Harvard, Princeton, Stanford – so heißen die drei Elite-Universitäten der USA, wo die künftigen Führungskräfte des Landes geschmiedet werden. Die Aufnahmeprüfungen sind hart, dazu braucht es in der Regel gut betuchte Eltern, die 40000 bis 50000 Dollar Studiengebühren pro Jahr für ihren Nachwuchs übrig haben.

Auf der Dozentenseite ist für das smarte Klientel das Beste gerade gut genug. Deutsche trifft man in Princeton eher selten – und doch gibt es sie, so wie Alexander Glaser. Kaum zu glauben: Der Doktor der Physik und Assistenz-Professor ist ein Babenhäuser Junge. 22 Jahre wuchs er in der Gersprenzstadt auf und machte am Bachgau-Gymnasium sein Abitur. Der Weg zu einer der angesehensten Universitäten begann für ihn mit dem Physik-Studium in Darmstadt.

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Sein bis heute durchgängiges Thema: Die Kernenergie mit ihren Waffen – und wie sich diese für die internationale Sicherheit kontrollieren und abrüsten lassen. Das Seminar „Frieden unter dem nuklearen Schild“ und die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Ianus“ an der TU Darmstadt ebnen ihm als Student den Weg zu zwei Auslandsjahren am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge/USA. Durch Vorträge entstehen entlang der Ostküste wichtige Kontakte. Als er 2005 an der TU erfolgreich über einen umstrittenen Forschungsreaktor in München seine Promotion schreibt, liegen ihm kurz darauf – ohne Bewerbung – zwei Stellenangebote aus Harvard und Princeton vor. Da Darmstadt seiner spanischen Frau, die er in jungen Jahren bei einer Paris-Reise kennenlernte, nicht so gut gefällt, entschließt sich das Paar, nach Princeton zu gehen. Die Privatuniversität mit ihren 6 900 Studenten –die viertälteste Uni der USA –, offeriert zudem einmalige Möglichkeiten.

Der heute 44-Jährige gehört einer kleinen, spezialisierten Arbeitsgruppe an, die unter dem Titel „Science and Global Security“ eine gezielte Kontrolle von Atomwaffen anstrebt. „Es geht um eine naturwissenschaftlich orientierte Friedensforschung. Unsere Arbeit ist im Wesentlichen politisch“, erklärt der Physiker. Mit seinen Kollegen spricht er regelmäßig vor der UNO oder hilft Diplomaten, Rüstungsabkommen, etwa für nukleare Teststopps, zu unterzeichnen. Als Wissenschaftler weiß er, was für derartige Verträge relevant ist und wie man die Vereinbarungen, beispielsweise mit Detektoren zum Auffangen seismischer Wellen, kontrolliert. Auch die Analyse zum Stand der Atomprogramme des Iran oder von Nordkorea gehören zum Aufgabenfeld des Arbeitskreises. Dessen Meinung könnte am Ende durchaus mitverantwortlich für eine militärische Reaktion der USA sein.

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Der Deutsche ist Teil eines unabhängigen Expertenteams, das sich bei seinen nationalen Erhebungen oft den großen US-Waffenlabors gegenüber sieht. „Dann wird diskutiert“, sagt Glaser. Seit 2005 ist der Familienvater mit seinen Kindern von acht und zwei Jahren nun in den USA. Seit 2009 hat er die Stelle als Assistant-Professor inne. Nach Deutschland führt ihn der Weg meist nur einmal im Jahr für wenige Tage – auch wenn ihn seine Mutter gerne öfter sehen würde.

Die Frage, was er Deutsches in Amerika vermisst, ist schnell beantwortet: Das Kellerbier der Michelsbräu, eine bestimmte deutsche Zahncreme und elektronische Musik. Heimweh plagt den Auswanderer kaum, was verständlich ist. Die Elite-Uni verfügt über ein Stiftungsvermögen von 17 Milliarden US-Dollar und zeigt sich als Markenname, die ihr Image bestens pflegt. Die kleine Stadt Princeton hat für die jungen Studenten aus den besten Häusern Amerikas reichlich zu bieten. Die Auswahl zum Shopping oder an Top-Restaurants lässt keine Wünsche offen. Dazu sind New York und Washington recht nah.

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An der amerikanischen Mentalität schätzt Glaser das „We can do - Wir können es schaffen“ und dass die Amis oft „Dinge aus dem Stand“ umsetzen. Und wie ist es um seine Zukunft bestellt? Die entscheidet sich für den Babenhäuser Spross in zwei bis drei Jahren. Dann wird seine Junior-Professur möglicherweise in eine Dauerstelle umgewandelt. Einen amerikanischen Pass besitzt der Wissenschaftler nicht. Wird es mit der Professur nichts, endet auch das Visum und die Familie Glaser müsste die Staaten verlassen. Das nähme der 44-Jährige gelassen. „Ich hätte mit Europa kein Problem”, sagt er.

Noch ist Princeton seine Heimat. Beruflich und persönlich hängt sein Herz daran, die Weitergabe von Atomwaffen zu verhindern und die Kernspaltung ausschließlich für friedliche Zwecke zu nutzen. Der 44-Jährige ist kein erklärter Gegner der Atomkraft, steht er ihr aufgrund der Risiken aber skeptisch gegenüber. Dass Deutschland sich zum Atomausstieg entschieden hat, sieht der Physiker durchweg positiv. „Wenn es ein Land schafft, ist das Deutschland.

Das ist mittlerweile eine internationale Ansicht“, sagt er. An seinem Geburtsland bewundert er das Bewusstsein für die Umwelt und dass man willentlich Energie einsparen will. Davon seien die Amerikaner weit entfernt. Im Odenwald gebe es mehr Solarzellen auf dem Dach als in ganz New Jersey. Die USA ohne Kernenergie? „Das Umdenken passiert in Deutschland. In Amerika dürfte die Wende wohl kaum klappen.”

Quelle: op-online.de

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