Spannende Aufgabe

Diehl pflegt verletzte Fledermäuse 

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Hat sich eine Fledermaus verirrt, oder verletzt, sollte sie aus Sicherheitsgründen nur mit einem Tuch angefasst werden.

Langstadt - Dirk Alexander Diehl hat eine spannende Aufgabe: Er pflegt verletzte oder verirrte Fledermäuse wieder gesund. Von Fabian Sell

Fledermäuse im Keller. Fledermäuse auf dem Dachboden. Fledermäuse in Fensterspalten. Mit Situationen wie diesen ist Dirk Alexander Diehl aus Langstadt vertrautDenn wenn im Altkreis Dieburg jemand eine verletzte Fledermaus findet, nimmt er sie auf. Mitte Juli ereignete sich sein letzter Fall: Eine Familie aus Dieburg kam aus dem Urlaub nach Hause – und fand zwischen einem Türspalt im Keller eine verletzte Fledermaus. Zwei Tage lang pflegte Diehl das kleine Säugetier. Dann verstarb es.

„Ohne den Katzenbiss hätte sie es vielleicht überlebt“, vermutet der Biologe. Eine Quetschung am Handgelenk und ein Katzenbiss am Flügel – so lautete die Diagnose, als Diehl die etwa vier Wochen junge Fledermaus annahm. Der Ernährungszustand sei eigentlich nicht so schlecht gewesen, doch der Katzenbiss bereitete ihm Sorgen. Denn ein Katzenbiss bedeute immer auch eine Infektionsgefahr. Diehl behandelte die Katze mit einer Wund- und Heilsalbe, gab ihr Antibiotika und verabreichte ihr tagsüber alle zwei Stunden einen Muttermilchersatz.

Ein verstorbener Flattermann

Dieser Todesfall sei eine Ausnahme: Der Großteilseiner Pflegefälle werde wieder gesund. Anders ist es bei den erwachsenen Tieren: „Es überleben etwa 50 Prozent. Dass liegt daran, dass die erwachsenen Tiere oft schwerwiegende Verletzungen haben“, sagt Diehl. Außerdem seien diese nicht so leicht zu finden; denn im Gegensatz zu den Jungtieren würden sie sich häufig besser verstecken.

Doch was ist eigentlich zu tun, bevor man eine gefundene Fledermaus weitergibt? „Man sollte die Fledermaus in ein ausbruchsicheres Behältnis geben“, so Diehl. Die Luftlöcher dürften dabei nicht größer als drei bis vier Millimeter sein. Anfassen sollte man die Fledermäuse mit einem Tuch. Der Grund: Verletzte Fledermäuse können Krankheiten übertragen und möglicherweise beißen.

Der verstorbene Flattermann aus Dieburg jedenfalls war eine Zwergfledermaus – eine in dieser Region sehr häufige Art. „Die Zwergfledermaus ist der Espresso unter den Flattertieren“, sagt Diehl, und meint: Die Zwergfledermaus ist eine sehr kleine Art, die bequem auf einer Streichholzschachtel Platz nehmen kann. Auch die Flügelspannweite des dunkel gefärbten Tieres ist mit 20 Zentimetern gering.

Eisprung verzögert sich

Ebenso wie andere Arten erfüllt die Zwergfledermaus zugleich eine wichtige Aufgabe im Ökosystem: „Fledermäuse dämpfen das Insektenvorkommen, die ihre Verbreitungs- und Paarungsflüge nachts haben“, sagt Diehl. Mini-Flugmäuse erbeuten Fluginsekten. Damit sind sie allerdings auf gutes „Insektenflugwetter“ angewiesen. „Regen, Wind und niedrige Temperaturen sind ein Problem.“

Eben dieses Problem gab es laut Diehl im vergangenen Frühjahr. Die Zwergfledermäuse fanden wenig Nahrung. Diehl pflegte auch geschwächte, erwachsene Tiere. Ein weiteres Problem: Der Eisprung verzögerte sich aufgrund der mangelnden Ernährung. Daher hätten die Zwergfledermäuse erst Mitte Juni Nachwuchs bekommen – später als gewöhnlich. Doch: „Durch die sehr guten Bedingungen im Juli konnten sie es wieder aufholen.“ Insofern seien die Pflegefälle beim Nachwuchs dieses Jahr auch gering ausgefallen: Statt 100 bis 150 Jungtieren habe es in Südhessen nur etwa 50 Pflegefälle gegeben.

Doch warum werden junge Fledermäuse überhaupt zu „Pflegefällen“? Dies, sagt Diehl, passiert beispielsweise, wenn eine Mutter in der Aufzuchtsphase das Quartier wechselt und das Fledermausbaby dabei verloren geht. Wenn die Fledermäuse hingegen nach zirka vier Wochen ihre ersten Flugversuche wagen, verirren sie sich etwa dann, wenn sie ihr Heimquartier nicht mehr finden oder Häuser als vermeintliche Quartiere ausmachen.

All jenen, die eines der nachtaktives Tiere in den eigenen vier Wänden entdecken, rät Diehl: Wenn sie eine Fledermaus gefunden haben, könnte es sein, dass weitere in der Wohnung sind.“ Denn alle Arten der Fledermäuse kommunizieren mit Hilfe von Lauten. Auf diese Weise locken sie Artgenossen an, oder versuchen es zumindest.

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Quelle: op-online.de

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