Ein Dissident mehr im Parlament

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„Sie war‘s“, scheint Wolfgang Praunsmändel sagen zu wollen.

Babenhausen ‐ Hinter ihm hängt – fast wie das Poster eines Popstars – ein Wahlplakat von der Frau, auf die er momentan gar nicht gut zu sprechen ist: Schwer enttäuscht sei er von Bürgermeisterin Gabi Coutandin, sagt Wolfgang Praunsmändel. Von Niels Britsch

Die Verärgerung geht so weit, dass der Sickenhöfer gar die Fraktion der SPD in der Stadtverordnetenversammlung verlassen hat. Er werde aber sein Mandat weiterhin als parteiloser Abgeordneter wahrnehmen, kündigt er an. „Ich bin ein alter Weggefährte, der für sie durchs Feuer gegangen ist“, sagt er pathetisch. Der Grund für die Unstimmigkeiten: In einem Gespräch habe er erwähnt, dass Gabi Coutandin gar nicht Bürgermeisterin geworden wäre, wenn damals Eric Spiehl für die SPD kandidiert hätte.

Dabei habe er jedoch niemals Zweifel an ihren Fähigkeiten geäußert, deswegen stehe er auch zu seiner Aussage. „Ich habe mir erlaubt zu sagen, dass die Bürgermeisterin nicht die erste Wahl war – seitdem macht die Familie Coutandin Front gegen mich.“ So sei er von der Rathauschefin aufgefordert worden, sein Mandat niederzulegen. Claus Coutandin weigere sich gar, in der Stadtverordnetenversammlung weiterhin neben ihm zu sitzen, behauptet der streitbare Kommunalpolitiker. Anstatt die Angelegenheit mit ihm in einem persönlichen Gespräch zu klären, habe man versucht, die Fraktionskollegen gegen ihn aufzubringen.

Bereits vorher hatte es Zwist gegeben

„Warum sollte Wolfgang Praunsmändel aus der SPD-Fraktion austreten, wenn er Zwist mit mir hat“, fragt Gabi Coutandin. „Wenn er und die Fraktion nicht mehr zusammen arbeiten können, sollte das sachliche Gründe haben.“ Sie kann auch nicht ganz nachvollziehen, dass die Kandidatenkür der SPD jetzt noch für solche Probleme sorgt: „Das liegt bereits mehr als zwei Jahre zurück. Es kann ja gut sein, dass Wolfgang Praunsmändel einen anderen Kandidaten lieber gesehen hätte. Aber es hat kein anderer seinen Hut in den Ring geworfen.“

Bereits vorher hätte es Zwist zwischen der Bürgermeisterin und ihm gegeben, berichtet Praunsmändel: In Sickenhofen gebe es einen öffentlichen Weg, den jedoch ein Anwohner gepachtet hatte. „Dabei haben die Anlieger ihn mit ihren Gebühren bezahlt“, so Praunsmändel. Er habe sich dafür eingesetzt, dass die kleine Straße wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werde. „Ob sie wichtig ist, oder nicht, stand dabei nicht zur Diskussion.“ Die Bürgermeisterin habe ihm jedoch vorgeworfen, er würde seine Kompetenzen überschreiten und er hätte dem Pächter der Straße sogar gedroht. „Dabei kenne ich ihn gar nicht persönlich und ich habe noch nie jemandem einen Drohbrief geschrieben.“ Es sei sein gutes Recht, öffentlich Druck auszuüben: „Dazu bin ich sogar verpflichtet, wenn es um das Wohl der Bürger geht.“ Als leidenschaftlicher Politiker setze er sich eben für Sickenhofen ein.

„Der Magistrat und ich haben uns nach dem Beschluss des Ortsbeirates gerichtet“, erläutert Gabi Coutandin. Momentan werde die Situation der Straße rechtlich abgeklärt, darauf habe man Praunsmändel hingewiesen.

Dieser verließ zwar die SPD-Fraktion, aber deswegen hat er nicht vor, aus der Partei auszutreten: „Ich bin ein überzeugter Sozialdemokrat!“ Eigentlich wollte er mit der Legislaturperiode sein politisches Mandat beenden, doch die angeblichen Kränkungen scheinen ihn angestachelt zu haben. „Ich werde bei der nächsten Wahl wieder antreten“, sagt er. Im Stadtteil werde über die Gründung einer Vereinigung „Bürger für Sickenhofen“ nachgedacht, verrät er. „Da überlege ich, mitzumachen.“

An den Mehrheitsverhältnissen in der Stadtverordnetenversammlung wird der Austritt nichts ändern, zumal Praunsmändel angekündigt hat, nicht gegen seine ehemalige Fraktion zu stimmen.

Quelle: op-online.de

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