Monte Christo legt nach

Kampf um Wiederaufnahme im Doppelmord-Fall

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Das ZDF dreht einen Film über den Fall Darsow für die Sendung „37 Grad“. Kameramann Carsten Schöning filmte am Donnerstagabend Anja Darsow und den Verein bei seiner Versammlung.

Babenhausen - „Wir sind schwer enttäuscht, dass die Petition abgelehnt wurde“, sagte Josef Seidl, der Vorsitzende des Vereins Monte Christo bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend. Von Petra Grimm

Im Februar bereits hatte Anja Darsow, die Ehefrau des wegen des Doppelmordes am Ehepaar T. zu lebenslanger Haft verurteilten Babenhäusers Andreas Darsow, eine Petition an den Hessischen Landtag übergeben. Die darin formulierte Bitte um Wiederaufnahme der Ermittlungen durch andere Beamte und die Wiederaufnahme des Verfahrens vor einem anderen Gericht wurde von über 1 000 Bürgern unterschrieben.

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Seit Mai 2010 sitzt der Vater von drei Kindern, der immer seine Unschuld beteuerte und in einem reinen Indizienprozess verurteilt wurde, in der Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Haft. Das während der raren Besuchszeit im Gefängnis nur drei Personen erlaubt sind, dass also ein Kind immer zuhause bleiben muss, war ebenfalls Gegenstand der Petition. „Das dieser humanitäre Aspekt, nämlich die Besuchserlaubnis von drei auf vier Personen zu erweitern, gar nicht behandelt wurde, ist empörend. Die Landtagsabgeordneten im Petitionsausschuss haben sich damit gar nicht befasst, sondern die Petition nur zur sachlichen Befundung ans Justizministerium weitergereicht“, sagte Seidl, der enttäuscht ist, dass der politische Ausschuss „offensichtlich für nichts zuständig ist“. Aus dem Hessischen Justizministerium kam im September die Ablehnung mit dem Hinweis, man könne einen Antrag auf Wiederaufnahme stellen und dass bei Familie Darsow keine Ausnahme bei der erlaubten Anzahl der Besucher gemacht werden könne.

Beschwerde über einseitige Ermittlungen

Die Beschwerde über „die einseitigen Ermittlungen der Polizei und das Gericht, das den Angeklagten trotz der von der Verteidigung aufgezeigten Zweifel verurteilt hat“, sei ja bewusst an den Petitionsausschuss als politisches Gremium übergeben worden, sagte Anja Darsow: „Wir haben ja gehofft, dass über die Politik noch eine Tür geöffnet werden könnte. Aber von dieser Seite kam gar nichts. Dass die Antwort mit dem lapidaren Hinweis auf das Wiederaufnahmeverfahren aus dem Justizministerium kam, von der Stelle, die wir ja angreifen, das war schlimm.“

Der Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate beschäftigt sich derzeit im Auftrag der Ehefrau mit dem Fall und sucht nach Ansatzpunkten, mit denen ein Wiederaufnahmeverfahren begründet werden kann. „Wir hoffen, dass wir in vier Wochen von ihm eine Antwort erhalten. Denn die Wiederaufnahme ist unsere letzte Chance“, sagte die Ehefrau, die sichtlich angespannt direkt von einem Besuch bei ihrem Mann zur Jahreshauptversammlung kam. Begleitet wurde sie von einem Fernseh-Team des ZDF, das für die Sendereihe „37 Grad“ seit einem Jahr an einem Film über den Fall und die Bemühungen der Familie, die Unschuld Darsows zu beweisen, arbeitet. „Der Film wird wahrscheinlich im April ausgestrahlt“, sagte die ZDF-Redakteurin Eva Schiller.

Verein Monte Christo gibt nicht auf

Der Verein Monte Christo mit seinen rund 40 Mitgliedern will anderen Betroffenen auf seiner Homepage auch eine Plattform bieten. „Wir erhalten immer wieder Hilferufe wegen ähnlicher Fälle, wo der Satz in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten) nicht beachtet wurde. Der Fall Darsow ist kein Einzelfall in der deutschen Justiz“, sagte Seidl, der bei den Neuwahlen des Vereinsvorstands, ebenso wie sein Stellvertreter Steffen Otto und die Rechnerin Martina Darsow, die Schwester des Verurteilten, im Amt bestätigt wurde.

Weitere Infos über den Verein, Hintergründe des Falls und die Petition gibt es auf der Homepage www.montechristo-ev.de. Unter www.doppelmord-babenhausen.de hat Anja Darsow eine eigene Homepage ins Netz gestellt.

Für den kleinen, aber rührigen Verein geht der Kampf um die Freiheit Andreas Darsows weiter. Nachdem die erste Petition von der Ehefrau eingereicht wurde, überlegt man jetzt mit einer zweiten im Namen von Monte Christo nachzulegen. Die Versammlung diskutierte außerdem die Idee, zur Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit ein Video zu drehen und bei YouTube einzustellen. „Es wäre auch gut, wenn man einen Prominenten, beispielsweise einen Künstler, finden würde, der für Andreas Partei ergreift“, sagte Seidl.

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Quelle: op-online.de

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