Was sagen Schmauchspuren aus?

Babenhausen/Darmstadt (bea) ‐ Der fünfte Verhandlungstag im Doppelmordprozess vor dem Darmstädter Landgericht gehörte den Sachverständigen. Die Aussagen der Gutachter werden entscheidend für den Ausgang sein, da es weder Zeugen noch Tatwaffe gibt und der Angeklagte seine Unschuld beteuert.

Richter Volker Wagner ließ an diesem Freitag zuerst den mutmaßlichen Standort des Täters bei den Schüssen auf die Ehefrau klären. Laut Sachverständigen sollen die beiden Schüsse auf die getötete Frau vom Zimmereingang und vom Fußende des Bettes abgegeben worden sein, zur Reihenfolge der Schüsse wollte er keine Angabe machen.

Entscheidender für den Prozess sind wohl die Aussagen zu den Schmauchspuren, die an Kleidungsstücken des Angeklagten gefunden wurden. Untersucht wurden eine Bundeswehrhose und ein Paar grüne Gartenhandschuhe, sowie ein Bundeswehrhemd nicht nur durch das Landes- sondern auch durch das Bundeskriminalamt (BKA). Am Hemd wurde eine praktisch nicht vorhandene „Belegung“ mit Schmauchpartikeln festgestellt, an den Handschuhen sowie der Hose wurden mehr Partikel gefunden.

Laut Dr. Rainer Schulze, Sachverständiger vom LKA, seien die Spuren auf der Hose und den Handschuhen eindeutig Schmauchspuren, aber „es sei nicht zwingend anzunehmen, dass diese Handschuhe bei der Tat getragen wurden“. Schulze fügte hinzu, dass er bei mehreren Schüssen, die auf die drei Opfer abgegeben worden waren, eine größere Intensität von Schmauchpartikeln erwartet hätte. Um die Zusammensetzung der Partikel ging es im weiteren Verlauf der Verhandlung. Schmauchpartikel bestehen in der Regel aus Blei, Antimon und Barium, denen noch andere Stoffe, wie hier Aluminium anhaften können. Die Beimischung von Aluminium ist häufig bei amerikanischer Munition bei den Anzündsätzen zu finden.

Auch bei der Bundeswehr kommt laut dem Anwalt des Beschuldigten Christoph Lang diese Materialverteilung in der Panzerfaust vor. Sein Mandant sei an der Panzerfaust ausgebildet worden, so Lang. Wann und wo die Schmauchpartikel an die Kleidungsstücke des Angeklagten gekommen sind, konnte an diesem Verhandlungstag durch die Sachverständigen nicht abschließend geklärt werden.

Schmauchspuren lassen sich durch Waschen sehr gut beseitigen, führte einer der Sachverständigen aus. Beim Händewaschen würden anhaftende Teilchen fast hundertprozentig beseitigt. Auch das Waschen von Kleidung führe sehr effektiv, nämlich zu einer 99-prozentigen Abtragerate der Partikel.

Untersucht wurden auch die Schaumstoffteilchen, die am Tatort gefunden wurden. Geladen war dazu der Maschinenbauer Dr. Sander von der BASF, der die Teilchen nach gründlicher Untersuchung als Bauschaumstoff identifizierte, sich aber aufgrund der geringen Menge nicht auf eine bestimmte Marke festlegen konnte. Auch nach Referenzuntersuchungen mit gebräuchlichen Bauschäumen konnte Sander keine hundertprozentige Übereinstimmung mit den Teilchen feststellen. Das sei aber auch schwierig, da es ein sehr großes Angebot gebe und der am Tatort gefundene Schaumstoff auch durch den Schusskanal verändert worden sein könne.

Für einen weiteren Schussversuch ordnete Richter Wagner die Verwendung des Füll- und Montageschaums der Firma Berner an. Dieses Material hatte mit den am Tatort gefundenen Teilchen die größte Übereinstimmung.

Ein psychiatrisches Gutachten, wie vom Arzt der überlebenden Tochter Astrid Toll gewünscht, ordnete Richter Wagner an. Die Tochter habe bereits erklärt, dass sie keine Erinnerung an das Geschehen habe und der behandelnde Arzt hatte in Zweifel gezogen, ob bei dem vollständigen Erinnerungsverlust und der psychischen Belastung eine Befragung vor Gericht überhaupt sinnvoll sei.

Das Verfahren wird am Mittwoch, 16. März, 9 Uhr vor dem Darmstädter Landgericht fortgesetzt. Auch am sechsten Verhandlungstag werden Sachverständige das Wort haben.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Michael-Grabscheit / Pixelio.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare