Dragoslav Stepanovic im Ochsenstadl

Anekdoten aus der Fußballwelt

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Sorgte für viele Lacher: „Stepi“ Stepanovic.

Langstadt - Was passiert, wenn ein Langstädter (Hansi Funk) zusammen mit einem Frankfurter (Ronnie Meister) eine Künstleragentur hat und letzterer der Nachbar von Dragoslav Stepanovic in Bergen-Enkheim ist? Von Michael Just 

Dann kommt es vor, dass der ehemalige Trainer von Eintracht Frankfurt plötzlich im Ochsenstadl sitzt und sein neues Buch vorstellt. Das heißt (natürlich) „Lebbe geht weiter“, hat 192 Seiten und wird vor Weihnachten gerne als Geschenk präsentiert. Die meisten kamen weniger wegen des Buchs als vielmehr, jene Kultfigur zu erleben, die als Spieler und Trainer Karriere machte und wegen ihrer Weisheiten manchmal in einem Atemzug mit den großen Philosophen dieser Welt genannt wird.

Die Fahrt nach Langstadt erwies sich kürzer als gedacht, und so blieb für Stepi noch Zeit, in einer Langstädter Gaststätte zu Abend zu essen. Beim ersten Blick in den Stadl lernte der 65-jährige gebürtige Serbe Inhaber Volker Krapp kennen. Und der war gleich begeistert: „Ein super Typ“, so dessen spontanes Urteil. Der Eintritt war frei, auf einer Bühne waren Tisch, drei Stühle und Mikrofone so platziert, dass es wie eine Pressekonferenz zu einem Bundesliga-Spiel wirkte. Zur Überraschung vieler stand keine Lesung an. Stattdessen stellten Funk und Meister Fragen zu seinem Leben, die der Autor locker und humorvoll mit serbo-hessischem Akzent beantwortete und die, so oder so ähnlich, auch in seinem Buch thematisiert werden.

Stepanovic war in den späten 1960er und 1970er Jahren einer der weltbesten Außenverteidiger. Er spielte 34 Mal für Jugoslawiens Nationalteam. 1976 wurde er in eine Weltelf berufen und war sogar beim Abschiedsspiel von Pelé dabei. In Deutschland spielte er für Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere war Stepi zunächst Kneipenwirt. Darum überraschte es, als er 1991 von seinem ehemaligen Mitspieler Bernd Hölzenbein, damals Manager bei der Eintracht, als Trainer verpflichtet wurde. Sein lockerer Umgangston machte ihn schnell beliebt, führte bei Misserfolg aber auch zu Zweifel an der Kompetenz. In der Saison 1991/1992 verpasste er mit der Eintracht in Rostock dramatisch die deutsche Meisterschaft.

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In Langstadt erlebten die Zuhörer einen Autor in Bestform, bei dem die Erinnerungen („Die Geschichte vergess´ ich nie“) wie am Fließband zwei Stunden lang heraussprudelten – so als wär´s gestern gewesen. Die Anekdoten reichten von seiner Zeit als junger Spieler in Belgrad bis hin zu seinen fast 20 Trainer-Engagements, die ihn auch zu den Offenbacher Kickers, nach Bilbao, Athen und sogar nach Shenyang Jinde in China führten. Zum Teil konnte man sich nur wundern, was dieser Mann schon alles erlebt hat. Es gibt unzählige Geschichten unter anderem mit Rudi Völler, Rainer Calmund, Bernd Schuster, Gyula Lorant, Dettmar Cramer oder Pelé. Wie Stepi sagte, habe Pelé ihm ein Video von dessen Abschiedsspiel versprochen, worauf er bis heute warte. In China erlebte Stepi, wie der Vizepräsident vor seinen Augen wegen Misserfolgs zusammengeschlagen wurde. Bei Rot-Weiss Frankfurt trainierte er den heutigen Dortmunder Erfolgstrainer Jürgen Klopp. „Ich hätte nie gedacht, dass das mal so ein guter Trainer wird“, führte Stepi an und schickte schmunzelnd hinterher: „Heute hat er mich vergessen, ich ihn aber nicht.“

Nach über zwei Stunden unterhaltendem Talk und zahlreichen, gerne erfüllten Fotowünschen kam es doch noch zum Bücherverkauf. Zuvor lüftete der Autor aber noch, dass sein Credo „Lebbe geht weider“ eigentlich von seiner Mutter stammt. Die verband damit gleich noch mehr Weisheiten, wie auf bestem serbo-hessisch klar wurde: „Jedes Problem gibt Lösung – muss schnell suchen – Lebbe geht weider –wartet nicht auf dich.“

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Quelle: op-online.de

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