Dramatisch und anrührend

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Protest gegen trockenen Stoff: Aufgefordert von ihrer Lehrerin, reißen Schüler auf der Bühne Seiten aus Deutschbüchern.

Babenhausen (pg) - Am Ende des Stücks folgte das Publikum dem Vorbild der Akteure und stellte sich aus Solidarität mit der liberalen und deshalb entlassenen Lehrerin in der Stadthalle auf die Stühle.

Vorausgegangen war die dramatische und anrührende Geschichte um eine Schülergruppe, die auf ihrer strengen und um den Erhalt der Tradition bemühten Schule um freies Denken ringt. Die Geschichte, die aus dem Film „Der Club der toten Dichter“ bekannt ist, wurde von Martin Maier-Bode in ein Bühnenstück verwandelt. Die Theatergruppe des neunten Jahrgangs der Offenen Schule hat diese Bühnenversion in einer überarbeiteten Fassung am Pfingstmontag auf die Stadthallenbühne gebracht, und zwar gekonnt.

Die kreative Inszenierung war im Wahlpflichtunterricht Theater unter der Leitung der Lehrer Pia Altermann, Wolfgang Seidl und Jan Willand in diesem Schuljahr erarbeitet worden. Das Publikum war begeistert. Langweile gab es keine Minute. In raschen, kurzen Szenenfolgen spielten die 18 Darsteller die Story um die neue Lehrerin (Alisa Link), die ihre Schüler am konservativen Aschaffenburger Internat mit unorthodoxen Lehrmethoden begeistert.

Da werden mit ihrer Aufforderung seitenweise trockener Lehrstoff aus den Büchern gerissen und Gedichte selbst geschrieben. „Macht etwas Außergewöhnliches aus eurem Leben“, fordert sie ihre Schüler auf. „Der Lehrerin geht es nicht um den Stoff, sondern um uns“, stellen die Schüler überrascht fest. An Stelle ihrer bisherigen Traurigkeit tritt Freude und Übermut.

Sie gründen den „Club der toten Dichter“ und lesen sich gegenseitig Gedichte vor. Dramatisch wird das Ganze, als die Schülerin Sandra ( Malin Weidner) gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Mutter bei einem Theaterstück an der Offenen Schule mitspielt. Dabei ertappt und aus Angst vor dem von der Mutter angedrohten Wechsel auf eine katholische Privatschule, nimmt sich das Mädchen das Leben und die Lehrerin wird als vermeintliche Urheberin der Katastrophe entlassen.

Beeindruckt hat bei dieser Aufführung das effektreiche, reduzierte Bühnenbild und die kreativen Ideen, die immer wieder für Überraschungsmomente sorgten. So wurden Szenen, die die Schüler außerhalb der Schule zeigen sollten, in Form von Videos auf den geschlossenen Stadthallenvorhang projeziert. Da sah man sie über Baumstämme klettern und springen.

Diese kunstvollen Videos, die für besondere Effekte sorgten, hatten Constantin Spiehl, Wolfgang Seidl und Jan Willand produziert. Auch die Theateraufführung im Stück, die ja nicht im konservativen Internat stattfand, wurde per Video auf einer großen Leinwand auf der Bühne gezeigt. Die Grenzen zwischen Bühnen- und Zuschauerraum wurden während der Aufführung immer wieder aufgehoben. So saßen die Schauspieler als Schüler, die ihrer strengen Direktorin bei einer Ansprache auf der Bühne zuhörten, beim Publikum im Saal.

Die jungen Darsteller machten ihre Sache gut und mit spürbarer Freude. Auf der Bühne im Einsatz waren: Christoph Weissner, Malin Weidner, Laura Peikert, Alisa Link, Constantin Spiehl, Milena Milesevic, Marlin Löffler, Tabea Roth, Carina Erben, Melanie Polak, Alessa Buchwald, Laura Rock, Alina Hafner, Svenja Nebel, Anne Wilken, Daniel Kattendiek, Kilian Treitl und Laura Sauerwein. Auch für die Kostüme und das Bühnenbild, als Bühnenarbeiter und für die Technik waren Schüler mitverantwortlich.

Quelle: op-online.de

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