Schüsse in der Idylle

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Kameramann Tomas Erhardt und sein Team haben alles im Blick.

Hergershausen - Mit einem dumpfen, donnernden Schlag fällt die riesige Pappel auf das Feld am Hergershäuser Ortsrand. Noch 200 Meter entfernt zittert die Erde unter den Füßen der Beobachter. Von Petra Grimm 

Bei der Aktion, die von Kameramann Tomas Erhardt gefilmt wird, ist niemand zu Schaden gekommen. Dafür haben die beiden Profis Dieter Löbig und Jens Wunderlich mit der Motorsäge gesorgt, in ihrer Mitte Mühlenbesitzer Thomas Winter in Holzfäller-Montur.

Er stellte diese Woche nicht nur seine malerische Hofreite einem Filmteam der Firma „all in production“ zur Verfügung, sondern spielte auch eine Statistenrolle. Im Auftrag des ZDF dreht die Filmproduktionsgesellschaft, die ihren Hauptsitz in München hat, derzeit den Taunuskrimi „Wer Wind sät“, nach einem Roman von Nele Neuhaus. Felicitas Woll und Tim Bergmann spielen das Ermittlerduo in dem 90-minütigen Film aus der Krimireihe, die sich um authentische Drehorte bemüht, wie die Produzentin Annette Reeker betonte. „Aber uns war klar, wir werden einen solchen verwunschenen Hof, wie er im Buch beschrieben ist, im Taunus nicht finden. Auch Nele Neuhaus war begeistert von diesem Anwesen hier, das wir durch einen so genannten Location-Scout und einen Hinweis aus der Region gefunden haben. Man hat auch nicht überall so einen Gastgeber wie Thomas Winter, der uns den Hof wirklich überlassen hat und sich toll selbst einbringt. Auch bei Genehmigungen hat er geholfen. Er hat wohl von allem Ahnung“, schwärmte die Produzentin. So kam es, dass das 40-köpfige Team am Montag, Donnerstag und am gestrigen Freitag sein Lager nicht vor einem alten Gehöft im Taunus, sondern vor der 1692 erbauten Langfeldsmühle im Babenhäuser Ortsteil aufschlug und für ungewohnten Trubel in der sonst beschaulichen Idylle sorgte.

Mühlenbesitzer Thomas Winter (rechts) mit den beiden Profi-Baumfällern Dieter Löbig und Jens Wunderlich. Winter hatte eine Statistenrolle.

Insgesamt 23 Drehtage sind geplant, neben den drei Tagen in Hergershausen ist das Team auch beispielsweise in Kronberg und auf dem Feldberg im Einsatz. „Ein Drehtag kostet 30 000 Euro“, erklärte die Produzentin. Da darf keine Zeit verschwendet werden und manchmal wird auch, wie am Donnerstag, bis spät in die Nacht hinein gearbeitet. Im fertigen Film sind von der Arbeit eines Tages dann nur einige wenige Minuten zu sehen. Jede Störung - da reicht schon ein lauter Hubschrauber, der über den Hof fliegt - führt zu einer Unterbrechung der Aufnahmen.

Am Montag waren jede Menge „Polizisten“ und „Spurensicherer“ in weißen Anzügen auf dem Hof unterwegs. Denn auf dem Drehplan stand die Szene, in der der erschossene Hofbesitzer und Windkraftgegner Ludwig Hirtreiter, gespielt von Bernd Stegemann, gefunden wird. Am Donnerstagnachmittag zerrissen dann wirklich Schüsse die Luft. „Waffe mit einem Schuss geladen und übergeben!“, ertönte es laut im Hergershäuser Feld. Danach der warnende Hinweis, dass während der gleich folgenden Aufnahme ein Schuss fällt. Fast alle, die nicht gerade ein Mikrofon hielten, eine Kamera führten oder als Darsteller in Aktion waren, steckten ihre Finger in die Ohren.

Der bekannte Schauspieler Bernd Stegemann in einer Drehpause mit tierischen Darsteller.

Diese Schüsse waren Warnschüsse, mit denen der alte Hirtreiter wutentbrannt die drei Baumfäller vertreiben will: „Seid ihr wahnsinnig. Das sind meine Bäume. Haut ab, hier wird nicht gefällt, nur über meine Leiche!“ - „Das kannst Du gerne haben, wenn Du da stehen bleibst“, schrie „Baumfäller“ Thomas Winter zurück und deutete auf den nächsten Baum in der Reihe. Dann feuerte Hirtreiter zornig einen Schuss ab und die drei Männer mit ihren Säge liefen sicherheitshalber davon. Nach der dritten Aufnahme dieser Szene war Regisseur Marcus O. Rosenmüller zufrieden und eine junge Dame begann belegte Brötchen im Filmteam zu verteilen.

„Vielleicht zeigen wir den Film, wenn er ausgestrahlt wird, in der Mühle auf Großbildleinwand. Das wäre doch eine Idee“, sagte Lothar Winter, während er seinen Sohn Thomas bei den Dreharbeiten beobachtete. Darauf müssen die Fans der Hergershäuser Mühle und der Krimis von Nele Neuhaus aber noch ein bisschen warten. Denn der Sendetermin im ZDF für diese Folge wird erst im Herbst 2015 sein.

Quelle: op-online.de

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