Sparkasse schließt Filialen

Drei Kunden pro Stunde sind zu wenig

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Die Ein-Mann-Filiale in der Hergershäuser Jahnstraße wird zum SB-Center.

Babenhausen - Bis zum Sommer möchte die Sparkasse Dieburg 17 von ihren derzeit 47 Filialen in Selbstbedienungsstellen umwandeln. Damit ist auch der Stellenabbau verbunden. Von Jens Dörr 

Bereits gestern haben wir über die Sparkasse Dieburg berichtet, die bis zum Sommer insgesamt 17 ihrer bislang 47 Filialen in Selbstbedienungs-Center ohne Personal umwandelt. Das teilten am Montag am Hauptsitz in Groß-Umstadt Vorstandsvorsitzender Manfred Neßler und sein Stellvertreter Markus Euler auf der Bilanz-Pressekonferenz zum Geschäftsjahr 2017 mit.
„Dass wir die Geschäftsstellen schließen, geht auf das veränderte Nutzungsverhalten der Kunden zurück“, sagte Neßler. Euler erwartete, dass sich „der Zahlungsverkehr weiter ändern“ werde. Heißt konkret: Für ihre Bankgeschäfte suchen immer weniger Sparkassen-Kunden eine Filiale auf. Das Gros werde online von zuhause aus oder von unterwegs via Smartphone über die Sparkassen-App abgewickelt. Jene Filialen, an denen der Schalter ab Sommer der Vergangenheit angehören wird und die bislang in der Regel von einem einzelnen Mitarbeiter besetzt sind, seien zuletzt nur noch von drei bis fünf Kunden pro Stunde aufgesucht worden.

Neßler stellte heraus, dass man die kleineren Ortschaften nicht unbedingt habe verlassen wollen: „Sich dem Trend, der zunehmend in die Digitalisierung geht, entgegenzustellen, macht aber keinen Sinn.“ Euler räumt unterdessen ein, dass dies auch weitere Auswirkungen auf die eigene Belegschaft haben werde: „Es ist klar: Wir werden weniger Menschen brauchen. Die Kunden fragen weniger nach.“ Für das Jahr 2014 hatte die Sparkasse Dieburg noch 520 Mitarbeiter (darunter mehr als 50 Auszubildende) ausgewiesen. Nun sind es knapp 60 Personen weniger. Der Stellenabbau sei in den vergangenen Jahren ohne Kündigungen vollzogen worden.

Konkret von der Umwandlung „richtiger“ Filialen in SB-Standorte, die zumindest die Vor-Ort-Bargeldversorgung weiter sichern, betroffen sind allein fünf Geschäftsstellen in Groß-Umstadt und seinen Stadtteilen: Heubach, Semd, Kleestadt, Klein-Umstadt sowie der Standort Gustav-Hacker-Siedlung werden in diesem Jahr ihr Antlitz wandeln. Mit Hergershausen, Sickenhofen und Langstadt sind auch drei Babenhäuser Standorte dabei. Gleiches gilt für die Geschäftsstellen im Münsterer Ortsteil Altheim, in Radheim/Mosbach, Habitzheim, Klein-Zimmern, Ueberau, Spachbrücken, Ober-Roden (Standort im Breidert) und Rollwald. Komplett geschlossen werden die bisherigen SB-Standorte Hering und Wiebelsbach. Die beiden Ortsteile werden künftig nur noch durch die fahrbare Geschäftsstelle der Sparkasse betreut.

Darüber hinaus soll als 17. Veränderung einer bisherigen Sparkassen-Filiale der Dieburger Standort in der Frankfurter Straße nicht mehr für die allgemeinen Bankgeschäfte am Schalter genutzt werden können. In diesem Domizil werden die Kunden neben Automaten künftig nur noch die Beratung im Bereich Immobilienfinanzierung finden. Der Publikumsverkehr soll sich in Dieburg künftig ausschließlich am Standort am Marktplatz abspielen, der zu diesem Zweck saniert und modernisiert werden soll. Unter anderem soll in den kommenden Monaten die Eingangshalle mit den Beratungsplätzen neu gestaltet werden. Wenn dies abgeschlossen sei, folge der Umzug einiger Mitarbeiter aus der Frankfurter Straße an den Dieburger Marktplatz.

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Alle derartigen Entscheidungen hat der Verwaltungsrat der Sparkasse Dieburg auf Vorschlag des Vorstands getroffen. Mit den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen habe man in den vergangenen Wochen Rücksprache gehalten, so Neßler und Euler. Die Pressekonferenz am Montag war als erster Schritt in die Öffentlichkeit gedacht. In nächster Zeit will die Sparkasse Dieburg ihre Kunden auch direkt über die anstehenden Änderungen informieren.

Die Geschäftszahlen 2017 lesen Sie in der heutigen Ausgabe der Offenbach-Post (31. Januar).

Quelle: op-online.de

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