Interessantes bei Kasernen-Matinee

Durch Army weltweit vertreten

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Babenhausen - Der Startschuss für die zukünftige Entwicklung der Babenhäuser Kaserne und ihre zivile Nutzung ist in der vergangenen Woche durch den Besitzerwechsel von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zur Konversionsgesellschaft Kaserne Babenhausen mbH gefallen. Von Petra Grimm 

Da passte die friedlich-fröhliche Nutzung des ehemaligen Exerzierplatzes durch ein vom CDU-Stadtverband organisiertes Bürgerfest ganz besonders gut.
Die zweite Auflage der „Matinee der Babenhäuser Schätze“, eine Kulturveranstaltung auf hohem Niveau, die vor zwei Jahren im Schlosshof bereits sehr gut besucht war, lockte am Sonntag rund 700 Besucher in den denkmalgeschützten Teil der schon lange nicht mehr zugänglichen Kaserne. „Wir sind überwältigt von der Resonanz. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Vor allem weil es gestern beim Aufbau noch geregnet hat“, sagte CDU-Vorsitzende Heidrun Koch-Vollbracht. Die fast 500 Sitzplätze unter großen Sonnenschirmen waren rasch besetzt, sodass viele Besucher stehend oder entspannt auf dem Boden sitzend die Darbietungen auf der Bühne verfolgten. Und nicht nur das Programm, sondern auch die Möglichkeit, diesen besonderen Ort auf sich wirken zu lassen, sorgte für Begeisterung. Der Hergershäuser Mathias Brendle sprach vielen aus der Seele: „Eine tolle Kombination aus historischen Informationen und musikalischer Unterhaltung“.

An der zweistündigen Zeitreise durch die Geschichte der Kaserne, die untrennbar mit der Entwicklung der Stadt verwoben ist, beteiligten sich Akteure aus Babenhausen und der Umgebung. „Wir wollen den Babenhäusern, die ja oft einen sehr kritischen Blick auf sich und ihre Stadt haben, zeigen, welche Schätze hier zu entdecken sind. Wir laden die Bürger ein, mit uns auf Schatzsuche zu gehen. Denn Babenhausen hat im Bereich Kunst und Kultur wirklich viel zu bieten“, sagte Koch-Vollbracht.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Das bewies das Babenhäuser Blasorchester unter der Leitung von Uwe Wittenberger unter anderem mit schwungvollen Märschen und die in Harreshausen lebende Opernsängerin Sabine Bussalb, die von Stefan Braun am Klavier begleitet wurde. Mit Liedern aus Operette und Musical und ihrer hervorragenden Stimme sorgte sie für berührende Momente auf dem weitläufigen, von historischen Gebäuden gesäumten Platz. Das temperamentvolle Boogie-Woogie Tanzpaar Gisela und Jörg Burgemeister vom 1. Langenselbolder Rock’n’Roll Club wirbelte passend zur amerikanischen Phase der Kaserne über die Bühne. Da wippten die Füße vieler Zuschauer beschwingt mit.

Moderator Klaus Mohrhardt ließ gemeinsam mit Dieter Aumann in einem mit heiteren Anekdoten gewürzten Zwiegespräch die Kasernengeschichte Revue passieren. Eigentlich setzten sie schon viel früher an, denn bereits seit 1869 mit dem Einzug der „Roten Dragoner“ in die Schlosskaserne ist Babenhausen Garnisonsstadt. Welch enormer wirtschaftlicher Aufschwung für die Gastronomie, Landwirtschaft, den Handel und das Handwerk damit einherging, machten die beiden deutlich. Augenzwinkernd sprach Mohrhardt auch den durch die Soldaten in der Stadt belebten „Heiratsmarkt“ für die Babenhäuser Mädchen an, der bis in die Zeiten der US-Armee reichte. „Durch den Eintrag von Babenhausen als Geburtsort im Pass sind wir quasi weltweit vertreten“, sagte er.

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Bauunternehmer Dieter Aumann war nicht nur wegen seines heimatkundlichen Wissens und seiner Eloquenz ein hervorragender Partner für Mohrhardt, sondern auch, weil seine Familien- und Firmengeschichte eng mit der Kaserne verbunden ist. Der Bogen spannt sich von seinem Großvater Adam Aumann, der nach der Grundsteinlegung der Kaserne 1899 mit seinem ersten Auftrag als Subunternehmer für Erdarbeiten die gleichnamige Baufirma gründete, über den Bau von 350 „Baracks“ für die US-Armee bis zu Dieter Aumanns Söhnen Kevin und Markus, die das Familienunternehmen inzwischen leiten und als zwei von vier Geschäftsführern der Konversiongesellschaft Kaserne Babenhausen an deren zukünftiger Entwicklung beteiligt sind.

Die Investoren, neben dem heimischen Bauunternehmen Aumann auch die Gießener Firma Revikon, hatten einen Pavillon mit Plänen aufgebaut und beantworteten Fragen der Veranstaltungsbesucher. Mit Kevin Aumann und Daniel Beitlich von der Firma Revikon stellte Koch-Vollbracht am Ende des Programms zwei der beteiligten Geschäftsführer vor und dankte für ihren Mut, der Matinee diesen besonderen Raum zu überlassen. Der ehemalige Exerzierplatz im denkmalgeschützten Kreativquartier des insgesamt 600 000 Quadratmeter großen Areals, auf dem außerdem ein Wohn- und ein Gewerbegebiet geplant sind, solle so erhalten bleiben und auch in Zukunft ein Ort für Feste und Veranstaltungen sein, versicherten die beiden Geschäftsführer. Ans Publikum gerichtet sagte Kevin Aumann: „Wir sind selbst Babenhäuser und werden schon dafür sorgen, dass das hier was Vernünftiges wird.“

Quelle: op-online.de

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