Mit dem Rad durch vieler Herren Länder

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Jens Funk machte bei seiner Radtour so manchen Halt in einem Zelt, genannt Ger. Funk lebt auf den Philippinen.

Hergershausen - (st) Früher mit dem Rucksack, heute vor allem per Fahrrad: Jens Funk aus Hergershausen hat es schon immer in die weite Welt gezogen. Mit 16 Jahren bestieg der heute 42-Jährige seinen Drahtesel und radelte nach London. Später lagen die Ziele außerhalb Europas. Von Stefan Scharkopf

Lateinamerika, Afrika gehören dazu, ebenso wie viele Länder Asiens. Vor drei Jahren fuhr Funk mit seinem Mountainbike auf dem Karakorum Highway von Pakistan nach China.

Der Hergershäuser will künftig sein Geld als Anbieter von Fahrradtouren verdienen. Auch dazu gibt es Auskunft im Netz. Die E-Mail-Adresse: jens@bugoybikers.de. Im Internet: http://www.bugoybikers.de

Die jüngste exotische Tour führte ihn von der russischen Grenze entlang der transsibirischen Eisenbahn durch die Wüste Gobi zur chinesischen Grenze. Sechs Wochen sammelte er Impressionen aus einer Gegend, in der statistisch gesehen 1,7 Menschen pro Quadratkilometer wohnen. Neben der Abgeschiedenheit war der Transport von Verpflegung und Ersatzteilen eine Herausforderung. Sechs Wochen war Funk unterwegs. Gestern Abend stellte er in einer Multimedia-Show beim SV Kickers Impressionen seiner 1779 Kilometer langen Tour vor.

Was ihn reizt? „Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, erlebe ich die Gastfreundschaft der Menschen ganz besonders. Natur und Kultur des Landes ist man eben sehr nahe.“ Wenn nach stundenlanger Fahrt mal ein Zelt auftaucht, kehrt man ein. „Dass die Zelte, die Gers, offen stehen, ist hier normal. Man ist willkommen.“

Der Hergershäuser verbindet seine Reisen immer mit einem guten Zweck. So sucht die privat-kirchlich organisierte Schule „Center for Industrial Technology and Enterprise“ (CITE) in Cebu auf den Philippinen gebrauchte Fahrräder. Die Schüler kommen alle aus Familien, die am Rande oder unter dem Existenzminimum leben.

An dieser Schule arbeitete Jens Funk. Er kam als Entwicklungshelfer auf die Philippinen und unterrichtete Informatik. Seine Hauptaufgabengebiete waren neben der Aufstellung eines Lehrplans für den Ausbildungsgang „Systemprogrammierer“, die Beratung und Betreuung bei der Entwicklung von E-Learning-Modulen. Weiterer Bestandteil seiner Arbeit war die Aus- und Weiterbildung von IT-Lehrern. Das Programm war zunächst auf fünf Jahre begrenzt, wegen des großen Erfolgs wurde es um ein Jahr verlängert. Nun ist das Projekt zwar beendet, aber Funk ist geblieben. Mittlerweile lebt der 42-Jährige fest in Cebu, zusammen mit seiner Freundin Melanie, und kommt einmal im Jahr für etwa drei Wochen in seine alte Heimat.

Da Funk begeisterter Mountainbikefahrer ist, kam ihm vor Jahren eine Entwicklung auf den Philippinen zugute. „Das Land erlebt seit Jahren einen Fahrrad-Boom, der immer noch ungebrochen ist“, sagt er. „Allerdings spiegeln sich die sozialen Verhältnisse auf den Philippinen auch darin wider, dass Kinder aus armen Verhältnissen nie oder nur selten die Möglichkeit haben, ein eigenes Rad zu besitzen“. Jens Funk hatte schon vor drei Jahren über unsere Zeitung gebeten, sein Projekt zu unterstützen. Er möchte mit gebrauchten Fahrrädern aus Deutschland den Jugendlichen der Schule CITE helfen und hat dafür die Stiftung „Bike4U“ gegründet.

Die jungen Filipinos sollen sich sportlich betätigen und ihre Freizeit sinnvoll gestalten. Wie in vielen Entwicklungsländern sieht der Alltag für Jugendliche oft trostlos aus. Jens Funk möchte helfen, sie von der Straße zu holen und ihnen eine sinnvolle Alternative mit den Fahrrädern zu geben, etwa durch den Sport.

Nächste Woche verlässt der Weltenbummler seine alte Heimat, will im August aber wieder aus Cebu nach Deutschland kommen und von hier aus zu einer Reise durch Tadschikistan aufbrechen. Seine Touren zahlt er wie immer selbst, aber seine gefahrenen Kilometer kann man per Internet kaufen. Ein Kilometer kostet einen Euro. Das Geld fließt dem Rad-Projekt in Cebu zu. Wer dazu Fragen hat, kann per E-Mail oder über das Internet mit ihm Kontakt aufnehmen.

Quelle: op-online.de

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