Durchbruch am einstigen Schutzwall

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Der neue Durchbruch, wo das Tor mit dem Bogen entsteht. Die Arbeiten stehen in Zusammenhang mit dem geplanten Alt- stadtrundgang

Babenhausen - „Das nennt sich im Fachbegriff ‚Hydraulischer Kalk’“ sagt einer der Maurer und deutet auf das Gemisch, das er kurz zuvor in einer Wanne angerührt hat, um damit Ausbesserungen an der historischen Stadtmauer vorzunehmen. Von Michael Just

Der Spezialmörtel dient laut Verpackungsaufschrift „zur Erhaltung wertvoller Bausubstanz.“ Seine Eigenschaft zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er weicher als Stein ist. Wie der Arbeiter erklärt, werde heutzutage oft der Fehler gemacht, dass mit Zement gemauert wird. „Ist der Mörtel härter als der Stein kann es bei starken Witterungsschwankungen zu einer Beschädigung der Steine kommen. „Dabei ist bei historischer Bausubstanz eine kaputte Fuge allemal besser als ein zerbrochener Stein“, weiß der Experte.

Derzeit finden Sanierungsarbeiten an der alten Stadtmauer zwischen Fahrstraße und Wilhelmstraße statt. Dort wird aber nicht nur ausgebessert, sondern es entsteht auch ein neuer Durchgang durch den einstigen Schutzwall. Auf Höhe der Neugasse wird das Tor ein Teil des geplanten Altstadtrundweges sein, der künftig die Sehenswürdigkeiten der Gersprenzstadt verbindet. Mit 1,25 Meter Breite und 2,25 Meter Höhe soll sich die Öffnung mittels eines repräsentativen Torbogens nahtlos in das große Teilstück der historischen Stadtmauer einfügen.

Originalmaterial gemischt mit neuen, speziellen Bruchsteinen

Wer die Mauerreste auf der Seite des ehemaligen Feuerwehrgelände kennt, blickt derzeit noch auf einen wenig repräsentativen Abschnitt. Immer wieder tun sich Löcher und Beschädigungen auf, herausgefallene Mauerstücke liegen auf dem Bogen und auf der Krone wächst das Unkraut. Auch das soll sich nun ändern. So hat der Bauhof bereits einen Teil der alten Durchbrüche und Löcher in den letzten Monaten verfüllt und grob verschlossen. Die Spezialfirma mauert diese jetzt noch im Stile vergangener Tage zu. Dafür werden neben Originalmaterial auch spezielle Bruchsteine aus einem Steinbruch verwendet, die sich ohne optischen Unterschied in die jahrhunderte alte Wehrkonstruktion einfügen. „Damit erhalten wir eine einheitliche Front, bei der keiner erkennt, dass da mal ein Loch war“, erklärt einer der Arbeiter. Dass mit dem historischen Relikt in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder fahrlässig umgegangen wurde, zeigt eine andere Stelle, die sich nicht weit vom neuen Durchbruch befindet: Von Anliegern wurde die Mauer hier als glatte Wand verputzt und weiß angemalt. Dieser Teil wird nun abgeschlagen und ebenfalls in den Ursprungszustand zurückgeführt.

Wie Heinrich Grimm vom Fachdienst Bauwesen der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung sagt, sollen die Arbeiten in mehreren Bauabschnitten in den nächsten Jahren an dieser Stelle weiter gehen. Im ersten Abschnitt stehe der neue Durchgang und das Schließen alter Durchbrüche im Vordergrund.

In den weiteren Bauabschnitten soll die Mauerkrone gesäubert und neu befestigt werden. Dafür trägt man die obersten Steine ab und setzt sie mit besserem Halt wieder auf. Zudem findet eine Ausbesserung aller Fugen statt. Sind diese porös und bringen damit Steine ins Wackeln, wird nachgefugt.

Um ein einheitliches Bild darzustellen werden optisch zu große Fugen neu verfüllt. Die Arbeiten im ersten Teilbereich sind bis Ende September terminiert. Dafür bewilligte der Magistrat einen Betrag von 30 000 Euro.

Quelle: op-online.de

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