Durchtrainierter „Eisbrecher“

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Hoch konzentriert: Der Radheimer Wolf Meissner beim Curling-Training in der Frankfurter Eissporthalle.

Schaafheim/Frankfurt ‐ „Eisbrecher“ steht in weißen Großbuchstaben auf der Rückseite von Wolf Meissners Jacke. Der Radheimer kommt einmal pro Woche in die Eissporthalle in Frankfurt, um mit seiner Curling-Mannschaft, den „Mainhattan Ice Wheelers“, zu trainieren. Von Katrin Görg

Die Wintersportler sind dann meist nicht allein auf dem Eis, eine zweite Curling-Truppe trainiert nur wenige Meter entfernt. Doch von Konkurrenz kann keine Rede sein – es stehen sich Fußgänger und Rollstuhlfahrer gegenüber. Beide Mannschaften spielen Curling, doch eine davon, Wolf Meissners, auf dem Rollstuhl. „Der wesentliche Unterschied liegt eigentlich nur darin, dass wir nicht wischen, um den Stein zusätzliche Zentimeter zu bewegen. Und beim Schieben des Steins benutzen wir einen Verlängerungsarm“, erklärt Meissner, der seit seinem Motorradunfall 1994 auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen ist.

Dass er ein aktiver Sportler ist, hat sich durch die Gehbehinderung nicht geändert. „Ich habe schon in jungen Jahren angefangen, Tischtennis in Schaafheim zu spielen. Das mache ich heute noch. Zwar bin ich nicht mehr regelmäßig im Training, trete aber immer wieder für Spiele an“, erzählt er. Im Schaafheimer Tischtennisverein schickt Meissner in der zweiten Mannschaft die Bälle über die Platte. Seine besten Erfolge erzielte er jedoch im Rollstuhl-Tischtennis, das er seit etwa sechs Jahren in Frankfurt ausübt. „2008 war ich deutscher Meister und 2009 habe ich mich sogar für die Weltmeisterschaft qualifiziert“, erinnert er sich stolz.

Dennoch möchte er diesen Sport nach sechs Jahren an den Nagel hängen: „Trotz meiner WM-Qualifikation wurde ich nicht dorthin mitgenommen. Ich verstehe bis heute nicht weshalb und werde deshalb nach der diesjährigen Deutschen Meisterschaft nicht mehr im Rollstuhlteam Tischtennis spielen.“ Dem Schaafheimer Tischtennisverein bleibe er aber weiterhin treu, auch wenn er hier nicht auf dieselben Erfolge zu hoffen wagt: „Als Rollstuhlfahrer ist es nahezu unmöglich, im Fußgängertischtennis in einer höheren Liga zu spielen. Das liegt daran, dass wir eben nicht auf dieselbe Weise flink und beweglich sind.“ Wenn es darum gehe, schnell einige Schritte nach hinten zu springen, um einen schnellen Ball noch zu erwischen, merke er, wo ihm die Grenzen gesetzt seien.

Außerhalb vom Mannschaftssport hält sich Meissner auf dem Fahrrad fit. „Ich habe ein sogenanntes Handbike. Der Vortrieb funktioniert dabei über meine Arme“, erzählt er. Und wenn der Sportler es bequemer haben möchte, setzt er sich wie andere auch in sein Auto und braust davon.

Sähe man ihm seine Behinderung nicht an, würde man sagen, er führe ein „ganz gewöhnliches“ Leben - mit Ausnahme seiner herausragenden sportlichen Erfolge nicht nur an der Tischtennisplatte.

Quelle: op-online.de

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