Edle Machos auf vier Hufen

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Der tierische Barkeeper springt souverän über ein Tuch

Hergershausen ‐ Sie haben Namen wie For Europe, Landgraf Georg oder Let‘s Dance und sind echte Schönheiten: die Deckhengste vom Erlenwiesenhof in Hergershausen. Von Veronika Szeherova

Beim Tag der offenen Tür mit Hengstschau präsentierte das Gestüt seine temperamentvollen, vierbeinigen Machos interessierten Laien wie auch Züchtern, die für ihre künftigen Fohlen noch den passenden Vater suchen. Unter acht Hengsten können sie in Hergershausen auswählen.

Seit nunmehr 19 Jahren ist die Schau gute Tradition auf dem Hof der Familie Weber und erfreut sich großer Beliebtheit beim Publikum. Einen Besucherrekord mit rund 2.000 Pferdefreunden gab es 1998, als eine Reitpferdeauktion Bestandteil des Programms war. „So eine Auktion wollen wir auch künftig wieder machen, aber erst, wenn wir eine zweite Halle haben“, sagt Inhaber Knut Weber. Doch auch diesmal war der Andrang groß: Die Sitzplätze in der Halle waren schnell vergeben, und auch die Stehplätze direkt an der Bande waren begehrt.

Gene von bekannten Springpferden

Eine solche Kulisse ist vor allem für die jungen Pferde ungewohnt. Mit großen Augen, gespitzten Orten und hoch erhobenem Kopf tänzelten sie in die Halle und machten es ihren Reitern dabei nicht immer leicht. Doch die Söhne der Familie Weber, Jan-Carsten und Björn, wie auch die anderen Reiter bei der Schau waren erfahren genug, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ihre Spezialität ist das Springreiten – deshalb stammen die meisten Hengste des Erlenwiesenhofs von bekannten Springpferdevererbern ab.

Einer der neuen Vierbeiner etwa ist der sechsjährige Quintino. Sein Vater Quintero la Silla ist für Reitsportkenner ein Begriff: Auf internationalen Springturnieren ist er hocherfolgreich mit dem schwedischen Springreiter Rolf-Göran Bengtsson unterwegs. Der dunkelbraune Quintino absolvierte seine Sprünge, auch die höchsten, souverän und locker.

Kleine Ponys mit sturem Kopf

Auch auf die dressurmäßige Ausbildung legt die Züchterfamilie viel Wert. Besonders Gisela Weber schwingt sich gern in den Dressursattel – vorzugsweise auf dem Rücken ihres erklärten Lieblings Landgraf Georg. Der 16-jährige Holsteiner zeigte mit ihr eine elegante Vorstellung mit anspruchsvollen Lektionen.

Ebenfalls routiniert zeigte sich Barkeeper, mit 17 Jahren der älteste Deckhengst des Gestüts. Mit dem jüngsten Sohn, Björn Weber, sprang er nicht nur über den Oxer und Steilsprung, sondern sogar über ein dunkles Tuch – ein großer Vertrauensbeweis.

Nicht nur die Hengste, auch die Verkaufspferde des Erlenwiesenhofs zeigten ihr Können. Mit neun Schulponys in verschiedenen Fellfarben lockerte der Reiternachwuchs das Programm auf. Gerade die kleinsten Ponys haben oft den stursten Kopf, das wurde deutlich. Doch insgesamt legten die kleinen Reitschüler einen tollen Auftritt hin. Die stolzen Eltern und Großeltern hatten einiges festzuhalten fürs Familienfotoalbum.

Hengstfohlen wird gleich Sieger

Ebenfalls voll Stolz wurde zum Abschluss der neue Star der Hengststation präsentiert – der dreijährige Siegerhengst Light Boy von der Körung 2010 in Kreuth. Nachdem er dort prämiert wurde, zog er im Dezember vorigen Jahres nach Hergershausen. Sein Züchter Christoph Stümpel aus Rheine hat ihn vorgestern bei der Hengstschau zum ersten Mal an seinem neuen Einsatzort besucht. „Wir züchten erst seit vier Jahren, und im ersten Jahr hatten wir nur Stutfohlen“, erzählt Stümpel. „Light Boy ist das erste Hengstfohlen, dass wir aufgezogen haben. Dass er gleich Körungssieger würde, damit haben wir nicht gerechnet und sind mächtig stolz.“ Zufrieden betrachtet er den braunen Hengst, der leichtfüßig durch die Bahn läuft und dabei alle Blicke auf sich zieht. Er scheint genau zu wissen, was für ein schöner Kerl er ist – und genießt es.

Wer ein Fohlen von Light Boy möchte, muss 600 Euro investieren. Eine Decktaxe, die durchaus noch höher werden kann, je mehr Erfolge der Hengst in Turnieren aufweist.

Ob 800 Euro Decktaxe oder „nur“ 200 Euro, für Knut Weber steht eins fest: „Ein Lieblingspferd hab ich nicht – sie alle sind meine Lieblinge.“

Quelle: op-online.de

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