Ehepaar Fendt denkt nicht an Ruhestand

Respektlose Besucher fordern Schausteller heraus

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Die Schiffschaukel mit vier Gondeln - hier auf der Eppertshäuser Kerb 2018 - zählt zu den Attraktionen der Fendts.

Babenhausen – Helmut und Angelika Fendt sind beide 62 - doch an Ruhestand denken sie nicht. Das Schausteller-Ehepaar aus Babenhausen führt seit vielen Jahren die „Vergnügungsbetriebe Angelika Fendt“, in die inzwischen auch Sohn Marco eingestiegen ist. Von Jens Dörr

Derzeit geht es in ihrem kleinen Unternehmen wegen der veranstaltungsfreien Zeit etwas ruhiger zu. Doch 2019 ist längst durchgeplant: An fast 40 Ereignissen werden die Fendts wieder mit ihren Attraktionen mitwirken. Mitunter haben sie die ganze Planung inne.

Helmut Fendt

„Teils kommen wir nur als Beschicker, teils sind wir auch selbst in die Organisation eingebunden“, sagt Helmut Fendt, der in Babenhausen auch durch seine Mitwirkung im Gremium der Vereine sowie in der Fastnacht einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Seine Brötchen verdient er unterdessen als Schausteller, gibt mit dem Familienbetrieb mehreren Menschen Arbeit und hat so einiges anzubieten: zwei Schießbuden, ein Kinderkarussell, eine Schiffschaukel mit vier Gondeln, „Greifer“-Automaten, Bühnenwagen, Getränkewagen sowie einen gerade neu angeschafften Süß- und Spielwaren-Wagen.

Vor allem aber kann das Babenhäuser Unternehmen mit dem großen Fachwissen der Fendts wuchern: Insbesondere deshalb greifen andere Veranstalter immer wieder auf das Planungs- und Organisationstalent der Vergnügungsbetriebe zurück. Die Stadt Groß-Umstadt weiß es bei ihrem Adventsmarkt zu schätzen, den Babenhäuser Weihnachtsmarkt managen die Fendts für das Rote Kreuz, das Altstadtfest in Babenhausen läuft über das Vereinsgremium. Den Hut haben die Fendts auch beim Babenhäuser Ostermarkt auf, der auch 2019 den Startschuss in die Saison darstellt.

Was folgt, sind Woche für Woche neue Veranstaltungen; in der Region etwa Kerb-events in Langstadt, Eppertshausen oder den Groß-Umstädter Stadtteilen. „Zu 90 Prozent machen wir Stammtermine“, sagt Helmut Fendt, der mit seinem Team zum Beispiel auch viel in Rodgau unterwegs ist. Nach einem „zufriedenstellenden“ vergangenen Jahr, als lediglich zu heiße Sommertage und der Sturm Fabienne während der Langstädter Kerb ins Kontor schlugen, setzt er 2019 auf Kontinuität. „Was Neues nehmen wir praktisch nicht mehr hinzu.“ Ab und an trennen sich die Fendts auch von Veranstaltungen (siehe Infokasten).

In der aktuellen Veranstaltungspause, die die Familie am ehesten zum Durchschnaufen und für Urlaub nutzen kann, beschäftigen die Familie vor allem planerische und steuerliche Tätigkeiten, aber auch TÜV-Prüfungen und die Überholung der Geschäfte. Die Personalplanung zählt längst zur vielleicht größten Herausforderung: Neben Helmut, Angelika und Marco Fendt benötigt der Betrieb drei weitere Mitarbeiter, um das Pensum gut zu bewältigen. „Wie für alle Schausteller ist es aber auch für uns schwierig geworden, zuverlässiges Personal zu finden.“ Das habe weniger mit den Kosten zu tun als mit dem Umstand, „dass kaum noch jemand am Wochenende arbeiten will“. Da aber herrscht auf den Märkten Hochkonjunktur, ist der Bedarf der Schausteller an Mitarbeitern am größten. „2017 war die Fluktuation bei uns so groß, dass wir fast vorm Hinschmeißen waren“, erinnert sich Helmut Fendt.

Bilder: Horror auf Burg Frankenstein

Davon ist man – nach erfreulicheren personellen Zugängen in jüngerer Vergangenheit – wieder weit entfernt. Zwar gebe es auch hässliche Aspekte, zum Beispiel die steigende Respektlosigkeit gerade unter den jüngeren Veranstaltungsbesuchern. Insgesamt, das spürt man auch unmittelbar, machen die Fendts ihr Geschäft aber noch immer gern. „Wenn man seine Arbeit ordentlich erledigt, wird man zwar kein Millionär, kann aber davon leben.“ Mit den derzeitigen – recht traditionellen – Attraktionen sei man zudem für die Zukunft gerüstet: „So lange es Kinder gibt, drehen sich auch Karussells.“

Quelle: op-online.de

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