Von der Eiche bis zur Faustmann-Formel

Babenhausen - Eine ganze Menge Kartoffeln schälen die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Babenhausen am Samstagvormittag vor dem Vereinsheim des Wanderklubs „Berg auf“. Die Erdäpfel sind für den deftigen Eintopf gedacht, den die rund 80 Teilnehmer nach dem 9,5 Kilometer langen Gemarkungsrundgang bekommen sollen. Von Ellen Jöckel

Nachdem im vergangenen Jahr die Bäche im Grenzgebiet erkundet wurden, gibt es diesmal Informationen zu den Themen Wasser, Wald und Naturdenkmälern. Die Tour wurde von Helmut Schroth, Günter Berz, Joachim Ewert und Wilfried Fassing vorbereitet.

Nach der Begrüßung durch Wanderführer Helmut Schroth geht es am Hexenturm vorbei zum Schlossplatz, wo eine Tafel an der Mauer der Stadtmühle auf Martin Faustmann hinweist. Auf das Wirken des berühmten Oberförsters in Babenhausen im 19. Jahrhundert geht Forstdirektor Kurt Schäfer beim Rundgang näher ein. Über die Stadtgrenze hinaus führt der Weg an der Harreshäuser Allee entlang.

Die Bäume an der Straße werden immer noch als Naturdenkmal unter dem Namen „Ulmenallee“ geführt, obwohl inzwischen robuste Linden und Kastanien den Weg säumen – der Ulmensplintkäfer hatte den gesamten Bestand an Ulmen zerstört. Traurig aussehende, zerfledderte Stümpfe sind alles, was von den prächtigen Bäumen übrig geblieben ist.

Vor der Bahnüberführung geht es weiter auf westlicher Seite der Gleise über Gersprenz und Lache hinweg bis zur Unterführung an der Kläranlage. Helmut Schroth, der auch Obmann der historischen Grenzsteine vom Altkreis Dieburg ist, erzählt unterwegs, der Wanderklub „Berg auf“ sei nun fünf Jahre hintereinander die Babenhäuser Grenze abgelaufen. Im vergangenem Jahr sei es dann an der Zeit gewesen, etwas darüber hinaus anzubieten. „So sind die Grenzgänge zu Gemarkungsläufen geworden, bei denen wir besondere Plätze besuchen, die mit der Geschichte Babenhausens zu tun haben“,sagt der Wanderführer.

Helmut Schroth ist sehr froh darüber, dass auch jüngere Generationen mitwandern. „Im nachhinein bin ich meinem Vater sehr dankbar, dass er mich immer mitgenommen und alles gezeigt hat, auch wenn ich damals nicht immer wollte“,erinnert sich Schroth. „Es ist wichtig, dass das Wissen an die Kinder weitergegeben wird“,betont der Organisator.

So sind auch Thomas Olstinski samt Freundin Manuela dabei. „Ich bin froh, dass mich meine Mutter motiviert hat, mitzukommen. Es ist interessant, was man dabei über die Geschichte von Babenhausen erfährt“, sagt der 28-Jährige. Beim Halt am Naturdenkmal „Schöne Eiche“ erfahren er und die anderen Teilnehmer, dass die 550 Jahre alte und 20 Meter hohe Eiche bei Harreshausen als Mutter aller Pyramideneichen in Europa gilt.

Dem Zellhäuser Weg folgend geht es weiter bis zur Stockstädter Eckschneise. Lothar Seipp vom Forstamt Dieburg gibt im Wald Informationen zu Kiefernzapfen, Beschilderungen und Merkmalen an Bäumen. Plötzlich stehen die Wanderer mitten im Wald vor einer brummenden Anlage: Es ist die Grundwasserreinigungsanlage des Zweckverbandes Wasserversorgung Offenbach (ZWO). Hier erklärt Norbert Felbinger vom ZWO, dass diese Anlage aufgrund der Belastung des Grundwassers 1987 über den betroffenen Brunnen errichtet worden ist. Der Grenzwert sei damals um das 1400-fache überschritten worden. „Über Messungen haben wir festgestellt, dass die Wasserqualität immer besser wird. Daher konnten wir im vergangenem Jahr einen Teil der Anlage bereits abstellen“,führt Felbinger aus. Verursacher der Verunreinigung durch krebserregende Chlorkohlenwasserstoffe sei nachweisbar der Fahrzeugteile-Hersteller VDO in Babenhausen gewesen. Daher habe der Konzern die Kosten für die Anlage übernommen.

Nach dem nachdenklich stimmenden Teil führt die Wanderung zur Gedenktafel des Oberförsters Martin Faustmann. Mit Details und witzigen Randbemerkungen bringt Forstdirektor Kurt Schäfer den Wandersleuten den 1822 in Gießen geborenen Betriebswirtschaftler und Rechenkünstler näher.

Seine letzten 19 Jahre war Faustmann Oberförster in Babenhausen. Berühmt geworden ist er durch seine Bodenertragswertformel, die nach ihm benannte Faustmann-Formel. 160 Jahre nach Veröffentlichung der Reinertragstheorie findet im Oktober diesen Jahres ein Faustmann-symposium statt, zu dem sich renommierte Forstwissenschaftler aus der ganzen Welt in Faustmanns Wirkungskreis einfinden werden.

Nach diesen umfangreichen Informationen aus der Gemarkung Babenhausen geht der Rückweg bei Frühlingssonnenschein an der Lache entlang zurück zum Wanderheim, wo der Duft des Eintopfs den hungrigen Wanderern bereits entgegenweht.

Quelle: op-online.de

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