„Ein deutliches Zeichen gesetzt“

Kundgebung für die Sanierung der Eichwaldschule

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Die Demo erwies sich als gut organisiert: Rund zwei Dutzend Plakate und Banner wurden angefertigt, der Schulelternbeirat stellte 15 Ordner in Leuchtwesten auf.

Schaafheim - Die beiden Standorte der Eichwaldschule – eine Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe – gelten als dringend sanierungsbedürftig. Von Michael Just

Ende der Geduld – das machten die Teilnehmer der Demo mit ihren Plakaten beim Zug durch die Gemeinde deutlich.

Um die Kreisverwaltung um Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) weiter unter Druck zu setzen, fand nun eine Demonstration der Eichwaldschüler, Lehrer und Eltern statt. Es ist kurz nach 13 Uhr vor der Eichwaldschule (EWS): Der Stolz steht Mia, Alexa, Svenja und Luca ins Gesicht geschrieben, als der Kameramann der Hessenschau ihr Banner mit der Aufschrift „Ende der Geduld, jetzt gibt’s Tumult“ in den Fokus nimmt und anschließend auf die vier Zwölfjährigen schwenkt. Wenige Meter weiter stehen Polizei, Feuerwehr und Medienvertreter, darunter vom Radio. „Heute morgen waren wir dort schon in den Nachrichten“, berichtet mit Tatjana Krapp die Elternbeiratsvorsitzende der EWS. Das Medieninteresse kommt nicht von ungefähr, denn Demonstrationen gibt es in Schaafheim eher selten. Die letzte war vor 40 Jahren. „Damals wehrte man sich gegen die Versetzung eines Lehrers. Das war auch an der Eichwaldschule“, erklärt Bürgermeister Reinold Hehmann (CDU), der ebenfalls bei der Demo dabei ist. „Lehrer Fertig muss in Schaafheim bleiben“, stand damals auf den Plakaten. Diesmal lauten die Forderungen anders: „Sanierung jetzt!“, „Zehn Jahre sind zu lang!“ oder „Neue Schüler können wir nur gewinnen, wenn dafür die Bedingungen stimmen“.

Seit Wochen brodelt es an der EWS, die einen Grund-, Real- und Hauptschulzweig vereint. Die Gebäude aus den 1970er Jahren sind veraltet und dringend sanierungsbedürftig. Ein Schimmelfall brachte diesen Sommer das Fass zum Überlaufen. Mit seinem Schulbauprojekt investiert der Landkreis als Träger von 2008 bis 2018 rund 400 Millionen Euro in sein Schulerneuerungsprogramm. In vielen Kommunen – darunter Dieburg, Babenhausen und Münster – lassen sich die Ergebnisse bestaunen. In Babenhausen wurde die Joachim-Schumann-Schule komplett neu errichtet, in Münster erhielt die Schule auf der Aue ein hochmodernes Gebäude für naturwissenschaftliche Experimente – nur an Schaafheim scheint die Modernisierungswelle vorbeizulaufen.

Daniel Rauschenberger, Vorsitzender der Schaafheimer Gemeindevertretung.

Das hat auch die Kommunalpolitik auf den Plan gerufen: Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Daniel Rauschenberger, rief einen Runden Tisch zusammen, an dem die Lokalpolitik, der Schulelternbeirat, der Förderverein und der Gewerbeverein beteiligt sind. „Alle Parteien ziehen zum Thema an einem Strang“, weiß Nicole Damm-Arnold von der freien Wählergemeinschaft (FWG). Rauschenberger ärgert besonders, dass Schuldezernent Christel Fleischmann immer wieder Versprechungen mache, die er nicht einhalte. „Das geht bereits seit zehn Jahren so“, formulierte Rauschenberger per Megafon bei der Kundgebung, die dem Demo-Zug vorangestellt war. Schon 2009 habe der Kreis einen Neubau für die Grundschule angekündigt. Erfolgt seien danach Jahr für Jahr nur Vertröstungen. 2015 stellte der Schulträger fünf Architektenentwürfe vor – trotzdem sei wieder nichts passiert. Genauso wie im Herbst dieses Jahres, als mitgeteilt wurde, dass es ein Gebäude in Modulbauweise für die Unterbringung der Schüler samt Sanierungsbeginn des Hauptgebäudes genen werde. Nun stünden für 2018 wieder neue Versprechen des Kreises im Raum. Auch die scheinen laut Rauschenberger substanzlos. So müssten für die Container Bäume gerodet werden – und das vor Beginn der Brutzeit im Februar. Anträge und Umsetzung vermisse man in Schaafheim bis dato aber vergeblich. In der Folge sei die Geduld am Ende.

Bilder: Einschulung 2017 in Babenhausen, Münster und Eppertshausen

Der Zugweg der angemeldeten Demo, die auch die Polizeipräsenz bewirkte, schloss die Wilhelmstraße, die Friedensstraße, den Kreisel und die Odenwaldstraße ein. Über 250 kleine und große Teilnehmer liefen mit und hielten dabei über zwei Dutzend selbstgemalte Plakate in die Höhe. Parallel wurde kräftig Lärm erzeugt. Trillerpfeifen, Ratschen und Vuvuzelas kamen zum Einsatz. Thorge (13) hatte vom Musikzug der Feuerwehr Schaafheim sogar eine Trommel besorgt, auf die er klopfte. Beim Eintreffen am Ausgangspunkt bedankte sich Rauschenberger bei den Teilnehmern. „Wir haben ein deutliches Zeichen gesetzt“, resümierte er und forderte dazu auf, die Plakate für weitere Aktionen aufzuheben, die momentan unvermeidbar erscheinen. Die ersten stehen bereits fest: Noch in diesem Monat ist eine Demo vor der Kreistagssitzung am 11. Dezember in Kranichstein geplant. Am 19. Dezember wird der Protest im Kreishaus mit gesammelten Unterschriften ausgedrückt. „2 500 haben wir bereits“, so Rauschenberger.

Quelle: op-online.de

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