Stellungnahme an die Stadtverordneten

Landwirte in Babenhausen gegen weiteren Kiesabbau

„Wollen Sie Berge versetzen?“ – über die großformatigen Stellenausschreibungen am „Akazienhof“ (oben) können Landwirte gar nicht lachen.
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„Wollen Sie Berge versetzen?“ – über die großformatigen Stellenausschreibungen am „Akazienhof“ (oben) können Landwirte gar nicht lachen.

Im Norden Babenhausens wachsen die Sandberge im neuen Abbaugebiet „Akazienhof“ in die Höhe und zwischen der B 26 und Langstadt zeugen der Sickenhöfer See und der Schwalbensee von der Rohstoffgewinnung.

Babenhausen - Wenn es nach dem Willen der Abbauunternehmen Heidelberger Sand und Kies GmbH und Krichbaum geht, dann werden die Seen dort noch um einiges größer werden oder es kommen noch welche dazu. Gemeinsam haben die Abbaugebiete, dass Ackerfläche verloren geht. Nicht verwunderlich, dass sich die „heimischen Landwirte aus Babenhausen und den Ortsteilen“ in einem Schreiben an den Magistrat und die Stadtverordneten gewendet haben.

Für die Landwirte besteht „ein klarer Zielkonflikt bezüglich der Zukunft von uns landwirtschaftlichen Betrieben und der von Abbauunternehmen“. Selbst wenn ein weiterer Abbau von Sand und Kies mit dem Argument der regionalen Rohstoffversorgung ermöglicht werde, stehe dies im Gegensatz zur regionalen Lebensmittelversorgung. „Die gegenwärtige Pandemie hat uns allen vor Augen geführt, welche Bedeutung eine Versorgung vor Ort mit Lebensmitteln für unsere Gesellschaft hat“, schreiben die Landwirte. Da Boden eine endliche Ressource darstellt, die sich eben nicht regeneriert, wenn man sie wissentlich zerstört, kann die Tätigkeit von Abbauunternehmen nie nachhaltig sein. Dies gelte selbst dann, wenn entsprechende naturschutzfachliche Kompensation geleistet werde. „Verlorener Boden für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung, als erreichbare Futterquelle für unsere Tiere, Grundwasserneubildung und bestehender Lebensraum wird nicht kompensiert.“

Somit stelle sich die Frage, welchen Wert die politischen Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene und Behörden der regionalen Verwaltung den jeweiligen Interessengruppen bezüglich der betroffenen Flächen und des Bodens beimessen: „Will man Unternehmen unterstützen, die in maximal einer Generation sämtliche vorhandenen Vorräte an Kies und Sand abbauen werden, ohne einen angemessenen gesellschaftlichen Beitrag für unsere gemeinsame Heimat Babenhausen zu leisten? Oder will man Betriebe erhalten, deren Erwerbstätigkeit direkt an die landwirtschaftlichen Flächen in ihrer Umgebung gebunden ist, mit dem Ziel, diese auch in den nächsten Generationen weiter zu führen?“

Viele Ackerflächen sind nur gepachtet.

Die Entscheidung bezüglich des Endes des Kiesabbaus in Babenhausen sei keine Frage nach dem ob, sondern nach dem wann: „Wird es sofort sein und man erhält die Lebensgrundlage für die Betriebe und vorhandene Lebensräume? Oder aber lässt man es zu, dass weiter Flächen für Grundwasserneubildung, Lebensraum und die Erzeugung von Lebensmitteln und das alles gemeinsam unwiederbringlich zerstört werden?“

Während Abbauunternehmen auf eigenes Risiko hin Flächen ankaufen, müssten die Landwirte anschließend fürchten, bei unliebsamen Aussagen die Pachtflächen gekündigt zu bekommen. Die gezahlten Kaufpreise sind in diesen Dimensionen schlicht mit landwirtschaftlicher Erzeugung nicht zu erwirtschaften. Pachtverträge werden inzwischen von den Abbauunternehmen meist nur einjährig vergeben, „unsere Planungshorizonte richten sich dagegen nach Generationen“. Wer nach Verlässlichkeit der Politik gegenüber Unternehmen schreit, der sollte diese auch uns Landwirten zukommen lassen. „Unsere Großeltern und Eltern haben mit der Hoffnung auf politische Verlässlichkeit ihre Höfe an unsere Eltern und uns selbst weitergegeben. Wir haben abhängig von den vorhandenen Flächen Investitionen in Maschinen, Ställe und Erneuerbare Energien getätigt und brauchen dafür ebenfalls verlässliche Rahmenbedingungen. Es wäre somit nur gerecht, wenn die gleichen Maßstäbe auch für den Fortbestand unserer Betriebe gelten würden.“

Alleine im Stadtteil Langstadt, dessen Gemarkung stark von den geplanten Abbauvorhaben betroffen ist, befinden sich fünf Haupterwerbsbetriebe und ein Nebenerwerbsbetrieb mit gesicherter Hofnachfolge. Hinzu kommen weitere Betriebe in fast allen Ortsteilen. Die aktuellen Abbauvorhaben der tätigen Unternehmen würden in Summe innerhalb einer Generation neben der bereits abgebauten Fläche mindestens einem weiteren dieser Betriebe die Fläche entziehen. „Insbesondere hofnahe Flächen würden uns dadurch verloren gehen, die aufgrund der guten Erreichbarkeit nicht durch Ausgleichsflächen in anderen Gemarkungen ersetzt werden könnten.“

„Wir fordern Sie dazu auf, der weiteren Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen und damit der Grundlage unserer Nahrungsmittelversorgung und Lebensraum, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Einhalt zu gebieten. Wir hoffen darauf, dass sich die politischen Entscheidungsträger bei den entscheidenden Behörden für ein Ende des Kiesabbaus in Babenhausen einsetzen. Wir können nicht noch weiter der Sandkasten für das Rhein-Main-Gebiet sein“, heißt es abschließend. (nkö)

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