„Ein offenes Visier ist mir wichtig“

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Kurt Kratz in seinem Garten.

Babenhausen -  Sechs Ortsvorsteher gibt es in Babenhausen. Nach der Kommunalwahl wurden die Posten teils neu vergeben, teils blieb es bei den seitherigen Inhabern. In lockerer Folge stellen wir alle sechs Ortsvorsteher vor. Heute: Ortsvorsteher von Harpertshausen, Kurt Kratz (SPD). Von Michael Just

Was macht an der Arbeit als Ortsvorsteher am meisten Spaß?

Es ist die direkte Rückmeldung der Leute. Es ist meine Umgebung, in der ich lebe und die ich mitgestalten kann.

Was haben Sie in ihrer Amtszeit bisher mitbewegt?

Nach der Eingemeindung 1972 stellten wir den Kanal- und den Straßenbau fertig, haben das DRK-Heim, das auch Bürgerhaus ist, errichtet, das Baugebiet „Hinter dem Stiegel“ mitentwickelt, die Friedhofshalle und zwei Spielplätze geschaffen, den Umbau des Feuerwehrhauses und zweimal die Renovierung des Kinderschwimmbades erledigt. Bei der Aktion Ortsverschönerung entstanden zahlreiche Grünflächen. Auf meiner Idee beruht, dass die Konfirmations- und Kommunionkinder jedes Jahr ein Bäumchen pflanzen. Das sind mittlerweile bereits 130 Stück.

Was sind für sie die wichtigsten Anliegen der Zukunft?

Zum einen die geschaffenen Dinge zu bewahren. Dazu möchte ich das Ortsbild prägende Schulhaus in städtischer Hand behalten. Mit dem neuen Baugebiet „Am Dittweg“ hoffe ich auf viele junge Familien und dass der Kindergarten im Schulhaus wieder in Betrieb geht. Des Weiteren soll der Platz neben der Kirche mit Anlage und Springbrunnen zum Mittelpunkt werden. Dafür warten wir auf Gelder. Aus dem Fördertopf für das Dorferneuerungsprogramm gab es für uns leider nichts.

In Harpertshausen sind die Einwohnerzahlen eher rückläufig. Wie groß ist die Angst, dass der Ort verwaist?

Viele junge Leute studieren und sind erstmal weg. Mit dem neuen Baugebiet und 25 Häusern verbinden wir viel Hoffnung. Unter dem Strich kommt das aber acht Jahre zu spät. Bei der Beantragung sagte man uns, dass erst die Gebiete in Hergershausen und Langstadt abgeschlossen sein müssen. Leider hat dies sehr lange gedauert.

Zur Person:

Kurt Kratz, geboren in Harpertshausen, ist 71 Jahre alt und Rentner. Er arbeitete als Techniker und kommissarischer Betriebsleiter, ist verwitwet, hat einen Sohn und zwei Enkel. Zu seinen weiteren Hobbys zählen Radfahren, Reisen, Skifahren und Gartenarbeit.

Kratz war 36 Jahre im Babenhäuser Parlament, 17 Jahre im Kreistag und bis zur Eingemeindung des Örtchens stellvertretender Bürgermeister in Harpertshausen. Seit 1972 ist er Ortsvorsteher und damit seit fast 40 Jahren im Amt.

Die Zukunft Harpertshausens verbinden sie mit einem dringenden Appell:

Ja, und zwar, dass die Menschen die örtlichen Vereine unterstützen und vor Ort einkaufen, damit die Geschäfte überleben. Das ist meine große Sorge. Die Werbung lockt zum Kaufen nach außerhalb, dabei haben wir gute und günstige Läden. Ohne Umsatz haben sie keine Zukunft, die Folgen für die Infrastruktur wären fatal.

Manchmal fühlen sich einige Stadtteile gegenüber der Kernstadt von Politik und Rathaus vernachlässigt. Sehen Sie das genauso?

Nein, selbst bei den CDU-Bürgermeistern war das nicht so. Man muss das Gesamte sehen und dass das Geld nach demokratischen Gesichtspunkten verwendet wird. Manchmal gibt es einen Schub für einen Stadtteil wie jetzt in Langstadt bei der Markwaldhalle. Grundsätzlich muss man einfach gute Argumente vorbringen. Schwieriger sind oft die kleinen Dinge: Manchmal sind vier Quadratmeter Rollrasen für die Ausbesserung eines Fußballtors schwieriger zu bekommen als 400 Quadratmeter, wenn dahinter eine große Sache mit Titel steht. Für kleine Reparaturen ist allzu oft kein Geld da.

Sie galten politisch nie als „Wadenbeißer“:

Ich wollte immer ausgleichend wirken und das halten, was man den Bürgern verspricht. Ein offenes Visier ist mir wichtig. Nach den jüngsten 80,4 Prozent für meine Partei kann man eindeutig sagen, dass Harpertshausen hinter seinem Ortsbeirat steht. Nach der Wahl sagte ein Parteimitglied, dass ich wohl Klinken putzen war. Das braucht es nicht: Man unterhält sich mit den Leuten, bleibt bei der Wahrheit - auch bei den Dingen, für die es keine Mehrheit gibt - und ist nicht zuletzt bei den kleinen Sorgen hinterher: Das kann manchmal nur ein wackeliger Kanaldeckel sein.

Wie lange können Sie sich noch vorstellen, dieses Amt zu begleiten?

Noch fühle ich mich gut und man könnte sagen, „solange es Spaß macht“. Aber mit 71 weiß man, dass es eine weitere Amtszeit mit über 75 wohl nicht mehr geben wird. Das macht aber nichts: Wir haben einen gradlinigen Ortsbeirat und mit Willi Schäfer habe ich einen guten Stellvertreter. Eines Tages möchte ich das Amt nahtlos übergeben - getreu dem Motto: „Jeder ist nur so gut, wie er seinen Stellvertreter eingearbeitet hat.“

Quelle: op-online.de

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