Eine Extraportion Familienleben

+
Tagesmutter Sandra Baierl mit Sohn Kai (4) und ihren beiden jüngsten Schützlingen Philip und Imke.

Babenhausen - „Ich führe ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen. “ Wer kennt den Werbeclip nicht, in dem eine Hausfrau beim Bankberater diese Worte fallen lässt? „Genau so würde ich meine Tätigkeit beschreiben“, sagt Sabine Feller (45) amüsiert. Von Cora Werwitzke

Die Babenhäuserin hat wie sechs andere Frauen in der Stadt einen nicht ganz alltäglichen Beruf: Sie ist Tagesmutter.

Spontan Kinder aus der Nachbarschaft betreuen, das war einmal. Qualifizierte Tagesmutter zu sein, bedeutet heute normierte Aus- und permanente Weiterbildung, sowie Vermittlung über eine zentrale Stelle – im hiesigen Fall die Tageseltern-Tageskinder Vermittlung (TTV) in Darmstadt. Trotz dieser Entwicklung in den vergangenen Jahren fristen die Tagesmütter in Babenhausen ein weitgehend unbekanntes Dasein. „Viele wissen nicht, dass es uns gibt“, bestätigt Sabine Feller. Das soll sich nun ändern. Zum einen haben die sieben Frauen damit begonnen, sich auszutauschen, zum anderen treiben die Tagesmütter die Zusammenarbeit mit der Stadt voran. So ist aktuell eine Broschüre zu Betreuungsmöglichkeiten für U3-Kinder erschienen (siehe Kasten), in der die Tagesmütter neben den örtlichen U3-Einrichtungen vorgestellt werden.

Sandra Baierl (44) sitzt mit ihrem Sohn Kai (4) und den beiden Tagespflege-Kindern Imke (zehn Monate) und Philip (sechs Monate) auf einer Picknickdecke im Garten. Alleine sitzen, das ist zumindest für Philip eine ganz neue Errungenschaft. „Das hat er heute zum ersten Mal gemacht“, gibt Sandra Baierl an Philips Mutter weiter. Viel geschlafen habe der Kleine auch. An vier Tagen in der Woche ist Philip bei Baierls. Seine Mutter, die gerade zum Abholen gekommen ist, geht arbeiten.

Tageskinder eine „logistische Herausforderung“

„Zwei Tragekinder ist natürlich eine logistische Herausforderung“, meint Sandra Baierl. Generell sei eine gute Portion Organisationstalent zweifellos entscheidend, um als Tagesmutter glücklich zu werden. Ihr Patentrezept, wenn gar nichts mehr geht: „Raus an die frische Luft, das funktioniert immer.“

Auch wenn sie im Moment mit drei Kindern in Tagespflege ausgelastet ist, sieht Sandra Baierl wie auch andere Tagesmütter ihre berufliche Zukunft nicht sorgenfrei. „Babenhausen hat das Betreuungsangebot für U3-Kinder zuletzt enorm ausgebaut“, schildert Sabine Feller. Bekanntlich hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, bis 2013 für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen. „Wir werden dabei ein bisschen zur Übergangslösung“, bemerkt Sandra Baierl und führt aus: „Einige Eltern geben ihre Kinder bei uns ab, aber nur bis sie einen günstigeren Krippenplatz haben. Es ist ein schnelleres Kommen und Gehen. So können wir natürlich schlecht kalkulieren.“

Echte Wahl zwischen alternativen Betreuungsformen möglich machen

Der Grund liegt für die Frauen auf der Hand: „Krippenplätze werden von Stadt und Landkreis stark subventioniert“, erläutert Sabine Feller und ergänzt: „Wir können mit diesen niedrigeren Preisen nicht konkurrieren.“ Im Endeffekt sei es so, dass die Stadt die Betreuungsplätze, die durch die Tagesmütter entstehen, in ihrer Statistik für 2013 mitzähle, diese aber nicht subventioniere. „Das ist in Darmstadt oder dem Main-Kinzig-Kreis anders, dort werden auch Tagesmütter oder Eltern so unterstützt, dass eine echte Wahl zwischen den alternativen Betreuungsformen möglich ist – ohne finanzielle Überlegungen.“ Angesprochen wurde die Problematik bereits bei einem ersten Treffen mit städtischen Mitarbeitern im Mai. „Kein Geld“, wiegelte die Kommune ab.

Ihre Berufswahl deshalb in Zweifel zu ziehen, kommt für Sabine Feller dennoch nicht in Frage. „Berufung“ nennt die vierfache Mutter ihren Job, der für sie eine ideale Verbindung zwischen Arbeit und Familie darstellt. Zehn Tagespflege-Kinder leben im Moment die Woche über im Haushalt der Fellers, pro Tag sind jedoch höchstens fünf der Kinder gleichzeitig da. Auch am Wochenende oder über Nacht kann ein Kind mal bleiben. „Das ist das Schöne an der Tagespflege“, betont Sandra Baierl. „Wir sind flexibel, können immer individuelle Absprachen treffen. Krippen haben feste Öffnungzeiten. Irgendwann ist die Tür zu.“ Auch die familiäre Atmosphäre sei ein Pluspunkt, sagt Sabine Feller. „Wir haben zum Beispiel einen Opa im Haus, der ist dann einfach der Opa von allen.“ Ein Familienleben mit „Geschwistern“, in das die Kinder integriert werden, ist der Babenhäuserin wichtig. Sie unterstreicht: „Familie gibt Halt.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare