Eine ganz besondere Maschine

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Zwei Jahre lang hat Stephan Müller eine fahrbare Bandsäge aus dem Jahr 1931 restauriert. Stephan Müller und seine mehr als 80 Jahre alte Bandsäge in Aktion.

Babenhausen - Eigentlich gehört seine Leidenschaft eher alten englischen Motorrädern als historischen Landmaschinen. Von Petra Grimm 

Aber durch den Kontakt in die Oldtimer-Szene bekam Stephan Müller vor zwei Jahren die Möglichkeit ein ganz besonderes „Fahrzeug“ zu erwerben – eine fahrbare Bandsäge mit Deutz-Motor, Baujahr 1931. Montiert ist sie auf das Fahrgestell eines Benz-Automobils aus den 20er Jahren. Gekauft hat er sie für „einen symbolischen Betrag, im Tausch gegen ein paar alte Schlepperteile und mit der Auflage, die alte Säge wieder instand zu setzen“, erzählt der Babenhäuser. Mit der Vorführung dieses historischen Arbeitsgeräts sorgte der 47-jährige Bauhofangestellte bei der Ausstellung der Traktorfreunde am Altstadtfest für eine besondere Attraktion.

Zwei Jahre hat die Restaurierung der mobilen Bandsäge, die er mit einem Anhänger vom Vorbesitzer in Norddeutschland abgeholt hat, gedauert. Immer wenn mal Zeit war, also an den Wochenenden oder auch abends, hat er mit einem Freund daran gearbeitet und nach und nach von verschiedenen Getriebeteilen bis zur Bereifung alles mögliche erneuert. Bei der Suche nach ausgefallenen, oft auch handgefertigten Einzelteilen halfen ihm seine Kontakte in die Oldtimer-Szene. „Da findet man auch das Know-How oder jemand kennt einen Handwerksbetrieb, der bestimmte Arbeiten übernehmen kann, die bei modernen Fahrzeugen und Maschinen nicht an der Tagesordnung sind“, erzählt er.

Schalten erfordert einen Griff aus dem Fenster

Ins Auge sticht das helle Holzlenkrad, das der gelernte Schreiner eigenhändig angefertigt hat und das in der kleinen hölzerne Fahrerkabine, die der Vorbesitzer gebaut hat, zu bewundern ist. Anders als in unseren modernen Fahrzeugen sind dieses Lenkrad und der Fahrerplatz auf der rechten Seite. „Das war bis in die 1920er Jahre in den Autos so üblich und geht auf die Position des Kutschwagenführers zurück, der traditionell rechts sitzt“, erklärt Stephan Müller. „In den alten Postkutschen beispielsweise musste der Wagenlenker mit seiner Hand schnell an das an der rechten Seite des Kutschbocks liegende Gewehr kommen, um die Spessarträuber zu vertreiben“, erzählt er Augen zwinkernd.

Ein Gewehr muss Müller während der Fahrt mit der Bandsäge mit der rechten Hand zwar nicht zücken. Allerdings ist ein Griff rechts aus dem Fenster nötig, um die außen am Fahrzeug angebrachte Vier-Gang-Kulissenschaltung zu bedienen. Auch die Handbremse wird mit einem Griff aus dem rechten Fenster heraus gezogen. Die Fahrtgeschwindigkeit der noch voll funktionstüchtigen Säge, die im Bekanntenkreis des Babenhäusers auch gelegentlich bei der Holzverarbeitung zum Einsatz kommt, ist eher gemächlich. „Ich sag mal maximal Fahrradgeschwindigkeit. Genau angeben kann ich es nicht, denn es gibt ja keinen Tacho“, sagt er. Blinker und Licht hat das Gefährt, das versichert und für den Straßenverkehr zugelassen ist.

Start durch Krubeln

Das Anfang der 1930er Jahre aus der Bandsäge und dem Benz-Fahrgestell zusammengebaute Arbeitsgerät wird mit einem Ein-Zylinder-Deutz-Verdampfermotor betrieben. Der sieben PS starke und 360 Kilogramm schwere Diesel-Motor war ursprünglich als Stationärmotor konzipiert. „In kleinen Betrieben, in denen die Versorgung mit Strom früher nicht immer gewährleistet war, kamen solche Motoren zum Einsatz“, weiß Müller. Den Weg in eine mobile Bandsäge fand der Motor wahrscheinlich durch einen Schmied oder Schlosser. „Denn die haben Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf der Basis von ausgedienten Autofahrgestellen oft solche fahrbaren Sägen zusammengebaut. Damit sind sie zu den Leuten gefahren, um deren Holz zu schneiden“, erzählt er. Bei der fabrikmäßigen Herstellung von fahrbaren Sägen hatten die Franzosen die Nase vorn, sagt Müller: „Die erste mobile Bandsäge mit Benzinmotorbetrieb wurde im Jahre 1895 von der französischen Firma Millot hergestellt. Die Deutschen sind dann nachgezogen.“ Anders als bei seiner Säge aus einem umgebauten Auto, saß der Fahrer bei der industriell hergestellten ganz vorne, also auf dem Sägetisch in der Front.

Zum Starten seiner Säge kurbelt Müller den Motor mit der Hand an, über zwei Flachriemen wird der Motorantrieb auf die 4,5 Meter lange Bandsäge, die über zwei Räder läuft, übertragen. Und dann geht’s los.

Quelle: op-online.de

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