Eine Taube aus Blüten

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Viel Mühe steckte der Frauenkreis von St. Josef in seinen Blütenteppich an Fronleichnam. Das Glück war den engagierten Frauen aber nicht hold: Der Regen führte zur Auflösung der Prozession noch bevor diese das religiöse Kunstwerk erreichte.

Babenhausen - Zum Brauchtum an Fronleichnam gehört das Auslegen von Blumenteppichen, an denen die Prozession zum Singen und Beten anhält. Auch in der Pfarrgemeinde St. Josef ist diese Tradition, die einst von Italien über die Alpen kam, lebendig. Von Michael Just

Am Donnerstag um sechs Uhr morgens waren bereits zehn Helferinnen vor dem Rathaus zugange, um den Blütenschmuck für die dritte Station, die in der Verantwortung der Frauengruppe lag, auszulegen. Das Motiv entstammte der Feder von Gemeindemitglied Michael Kauß, der die Grundrisse mit Kreide auf dem Boden vormalte.

Damit der Wind nicht die Blätter wegtreibt, sind wir schon mit der Gießkanne am Werk gewesen“, erzählt Karola Eiselt. Das Wasser sollte die Blätter schwerer machen und ein bisschen zusammenkleben. Am Ende entstand ein mehrere Quadratmeter großes Kunstwerk, in dem rund eineinhalb Stunden Mühe steckten. Die Arbeiten starteten schon tags zuvor, als lokale Gärtnereien die Blumen brachten und das große Zupfen begann. In den Blütenteppich waren unter anderem kunstvolle Fische mit blauen Augen eingearbeitet, die Blutstropfen Christi oder, am oberen Ende, eine Friedenstaube. Besonders prachtvoll zeichneten sich Kelch und Hostie mit der Verwendung von weißen Pfingstrosenblüten ab. Daneben fanden Blätter von Margeriten, Tagetes, Hortensien und Kornblumen Eingang ins Blütenmeer. Auch kleine Gänseblümchen waren dabei: „Die haben vermutlich Kinder gepflückt“, freute sich Eiselt.

Neben der Frauengruppe gestalteten auch die Firmlinge und die portugiesische Gruppe einen Blumenteppich, die die ersten beiden Stationen hinter der Kirche und an der Grundschule im Kirchgarten bildeten. Während Firmlinge und Portugiesen Glück hatten, wurden die fleißigen Hände der Frauengruppe nicht belohnt: Um kurz nach zehn setzte erneut der Regen ein: Kerzen wurden gelöscht und die Kommunionkinder in ihren weißen Kleidern und dunklen Anzügen duckten sich unter den dicken Tropfen.

Pfarrer Ferdinand Winter entschloss sich, die Prozession an der zweiten Station abzubrechen. Dafür hatte auch Karola Eiselt ein Einsehen: „Es ging einfach nicht mehr.“ Ein wenig enttäuscht war sie trotzdem: „Schade, dass die Prozession unser Werk jetzt nicht mehr sieht.“ Das aprilhafte Wetter erschwerte nicht zuletzt auch die Weihe der beiden neuen Kirchenfahnen. Eine zog man aufgrund der dunklen Wolken gar nicht erst auf. Die Neuanschaffung wurde beschlossen, nachdem die alte Fahne in die Jahre gekommen war. Dass man gleich zwei neue Kirchenfahnen orderte, geht auf die Idee von Pfarrer Winter zurück, der damit künftig die Gemeinde optisch verstärkt in den Mittelpunkt rücken will: „Wir wollen im Wortsinn Flagge zeigen.“

Mit ihren neuen Standorten – unter anderem direkt an der Straße – sollen sie vor allem der Öffentlichkeit ins Auge springen, wenn die großen Feste des Kirchenjahres anstehen oder Veranstaltungen in St. Josef stattfinden.

Zu den gelb-weißen Fahnen bestellte man gleich zwei Masten samt Fundament. Die eine Fahne wurde von einem Gemeindemitglied gestiftet, die andere vom Kirchenchor und der katholischen Kirchenmusik. „Durch die Spenden wurde unser Haushalt nicht belastet“, freute sich Winter.

Quelle: op-online.de

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