1500-Kilometer-Trip durch Frankreich

Eine warme Dusche und mehr

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Die Engländerin Claire Gover (gelbes Shirt) und die Schottin Dawn Logan übernachteten im Haus von Achim Knick (rechts). Bürgermeister Joachim Knoke begrüßte die britischen Gäste.

Hergershausen - Bei Privatpersonen ist der Hergershäuser Achim Knick bei seiner Radtour durch Frankreich untergekommen. Er ist Teil eines Radfahrer-Netzwerkes und beherbergte nun ebenfalls erstmals Gäste. Von Petra Grimm

Nicht in 80 Tagen um die Welt, sondern in einem Jahr und zwar mit dem Fahrrad. Das ist der ehrgeizige Plan der Schottin Dawn Logan (30) und der Engländerin Claire Gover (36), die vor über vier Wochen mit ihrer Tour durch 25 Länder auf drei Kontinenten begonnen haben. Von Schottland nach Hergershausen haben sie es schon mal geschafft. Dass die beiden drei Tage Station bei Familie Knick im Babenhäuser Stadtteil machten, war kein Zufall. Denn Achim Knick ist, ebenso wie die beiden sportlichen Frauen, im Internet bei einer weltweiten Community (warmshowers.org) registriert, über die Radfahrer sich vernetzen und gegenseitig kostenlos Kost und Logis anbieten. Hinzu kommt oft ganz praktische Unterstützung: „Wir konnten bei Achim unsere Wäsche waschen. Das war echt super“, erzählen Dawn und Claire dankbar. Gekannt haben die drei sich vorher nicht, aber sofort gut verstanden.

„Ich war froh, mich endlich revanchieren zu können“, sagt Knick, der selbst im Frühsommer auf seiner Radtour nach und durch Frankreich das Radfahrer-Netzwerk genutzt hat. Er schwärmt von der Gastfreundschaft und dem Vertrauen, das ihm völlig fremde Menschen unterwegs entgegengebracht haben. Durch diese ungewöhnliche Form der Übernachtungen habe er ganz neue Erfahrungen gemacht und auch neue Freundschaften geschlossen, erzählt der Hergershäuser, der in zwei Etappen rund 1 500 Kilometer im Sattel saß.

Als passionierter Yachtsegler und untrainierter Radfahrer hatte Knick für seine Reise auf dem Drahtesel den Weg am Wasser entlang gewählt: Rhein, Rhein-Rhone-Kanal, Doubs, Saone, Canal-du-Centre, la Loire, bis Blois. „Das war für mich optimal, keine größeren Steigungen und immer nahe bei meinem Element. Außerdem wollte ich nicht den schnellsten Weg fahren, sondern den schönsten, mit viel Natur und Wasser, Zeit zum Seele baumeln lassen, Zeit um Land und Leute kennenzulernen und mein Französisch zu verbessern“, sagt Knick, der sich mit der Radtour „einen Traum erfüllt hat.“ Sein eigentliches Ziel sei der (Pilger-)Weg nach Santiago de Compostela, den er sich für kommendes Jahr vornimmt.

Wie das Fahrrad einen Antrieb bekommt

Vielleicht kreuzt er dann den Weg der beiden Weltreisenden, die mit Tagesetappen von 70 Kilometern im Dezember Aserbaidschan erreichen wollen. Von der Türkei aus müssen sie mit ihren Rädern durch die Berge. Vor diesem Streckenabschnitt haben sie besonders viel Respekt, sagen sie. Mit dem Flugzeug geht es weiter nach Bangkok und von dort mit dem Fahrrad nach China. Über den Pazifik fliegen sie nach Vancouver, um einmal quer über den nordamerikanischen Kontinent zu radeln. Der dritte und letzte Flug ihrer Weltumrundung bringt sie von New York nach Lissabon, wo sie wieder auf ihre Räder steigen werden, um nach Hause zu fahren.

Angst vor den Strapazen oder Gefahren unterwegs hätten sie nicht, sagen die beiden Frauen. Eher im Gegenteil. „Wir freuen uns auf die Begegnung mit vielen, unterschiedlichen Menschen.“ Außerdem ist es nicht die reine Abenteuerlust, die sie antreibt, sondern das globale Wohltätigkeitsprojekt „Pencils of Promise“, das Kindern in Entwicklungsländern besseren Zugang zu Bildung ermöglicht. Während ihrer Tour sammeln sie über ihre Homepage (pedallingforpromise.com) Spenden für den Bau von Schulen und die Ausbildung von Lehrern. „Unser Ziel sind 30.000 Euro“, sagen die beiden. 3 000 Euro hatten sie bei ihrem Stopp in Hergershausen schon zusammen.

Quelle: op-online.de

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